Ebbes aus Hohenlohe
Profane Kunst soll erhalten werden

Profane Kunst soll erhalten werden

Die Grabsteine auf dem alten Friedhof in Langenburg zeugen von früheren Zeiten. Sie wurden nun systematisch untersucht und sollen in nächster Zeit nach und nach restauriert werden.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, doch es weht nach wie vor ein kühler Wind. Restauratorin Martina Fischer geht mit ihrer Kladde von Grabstein zu Grabstein. Da die dazugehörigen Gräber schon lange nicht mehr existieren, spricht die Fachfrau in diesem Fall von Epitaphien, also Grabdenkmälern.

Der alte Langenburger Friedhof wurde im Jahr 1599 angelegt, damals lag er noch weit außerhalb des Stadttors. Bis dahin wurden die Toten aus Langenburg in Bächlingen beerdigt, dem ursprünglichen Pfarrort. Auf dem Gottesacker zwischen Innopark am See und der Abzweigung nach Atzenrod und Michelbach wurden über Jahrhunderte hinweg die Langenburger Bürgerinnen und Bürger bestattet. Als es Anfang der 1920er Jahre dort eng wurde, richtete die Stadt einen neuen Friedhof in der Nähe des 1905 erbauten fürstlichen Mausoleums im „Großen Garten“ ein. Der alte Friedhof geriet in Vergessenheit. Im vorderen Bereich wurde ein Kriegermahnmal angelegt.

In den 1980er-Jahren wurde ein Metallpavillon aus einem Garten gerettet. Dabei brach die Konstruktion zusammen und wurde vollständig nachgebildet. Auf dem alten Friedhof sollte er ein neues Zuhause finden. Bei dieser Gelegenheit wurde das mit der Zeit entstandene Dickicht gerodet und ein kleiner Park angelegt. Die Epitaphien wurden wiederentdeckt, die zum Teil schon seit Jahren entlang der Außenmauer stehen. Der damalige Pfarrer und Heimatforscher Martin Wissner katalogisierte die 32 Tafeln. Zwei davon wurden 1951 an der damals neu gebauten Leichenhalle auf dem neuen Friedhof angebracht. Auch seinem Nachfolger, Pfarrer Arnold Ruopp, lagen die alten, verwitterten Grabsteine sehr am Herzen, da sie über bekannte Persönlichkeiten aus der Hohenloher Geschichte berichten. Seine Frau Heide Ruopp setzt sich jetzt für deren Erhaltung ein.

Im engen Austausch mit dem Landesdenkmalamt beauftragte sie die Restauratorin Martina Fischer, Spezialistin für Steinkonservierung aus Mutlangen, mit einer Bestandsaufnahme. Die Expertin überprüfte den Zustand jedes der Grabdenkmäler genau: Müssen Moose, Flechten und anderer Bewuchs entfernt werden? Wo ist der Sandstein verwittert? Drohen Abplatzungen, die gesichert werden müssen? In ihrer Kladde hielt sie jede einzelne Maßnahme fest. Zwei Tage war sie vor Ort, weitere Tage hat sie in ihrem Büro die Begutachtung vor- und nachbereitet. „Der Zustand der Epitaphien ist sehr unterschiedlich“, erzählt die Fachfrau. „Es gibt Steine, die in einer guten Verfassung sind, und solche, an denen viel gemacht werden muss, um sie zu erhalten.“

Die Grabmale stammen überwiegend aus der Barock- und Rokokozeit. Einige sind sehr verspielt: Bei einem Grabmal wachsen die beiden Tafeln mit den Namen der Verstorbenen aus einem Baumstamm. Spätere Epitaphien sind klassizistisch gestaltet und mit einem Kreuz aus dem Katalog ausgestattet. „Damals standen bereits verschiedene Ausführungen mit und ohne Namen zur Verfügung.“ Martina Fischer empfiehlt, die Epitaphien an Ort und Stelle zu lassen. Eventuell sollte auch die Stützmauer im östlichen Bereich saniert werden. Insgesamt ist auf dem alten Friedhof überwiegend profane Kunst zu finden.

Eindrucksvoll ist jedoch der pyramidenförmige Grabstein des Hofpredigers Johann Christian Wibel (1711 bis 1772). Er war ein bedeutender lutherischer Theologe und Verfasser der „Hohenlohischen Kirchen- und Reformationshistorie“. Auf seine landes- und kirchengeschichtlichen Interessen gehen die vielbändigen Werke zur Welt- und Kirchengeschichte in der Langenburger Pfarrbibliothek zurück, die heute in Stuttgart gelagert werden. Auch der Grabstein der Eltern von Carl Julius Weber (1767 bis 1832) ist noch erhalten. Er war im 19. Jahrhundert ein vielgelesener Autor und verfasste das vierbändige Reisehandbuch für gebildete Reisende „Briefe eines durch Deutschland reisenden Deutschen“. Weitere Epitaphien von fürstlichen Beamten und Soldaten sind ebenfalls auf dem alten Friedhof zu finden. Aber auch betuchte Handwerker haben sich einen Grabstein anfertigen lassen.

Das Gutachten von Martina Fischer bildet die Grundlage für die eigentlichen Renovierungsarbeiten, die von ausgewiesenen Fachleuten ausgeführt werden sollen. Die Finanzierung erfolgt durch Zuschüsse vom Denkmalamt sowie durch Spenden von Stiftungen und Einzelpersonen. Eventuell ist auch die Übernahme von Patenschaften für einzelne Epitaphien denkbar. th

Ähnliche Beiträge:

Botschafterin in Sachen Wurst

Redaktion

Muswiese im Radio

Redaktion

Deutlich mehr schwerkranke Kinder als in der Coronazeit

Redaktion