Ebbes aus Hohenlohe

Leser freuen sich auf Überraschungspakte

Der Lesetreff in Schrozberg ist fast genau ein Jahr lang in seinem neuen Domizil. Von den vielen geplanten Projekten blieb durch die Pandemie nur ein Bestellservice übrig. 

Zur Eröffnung hatten sich Leiterin Anette Brändle und ihr Team viel vorgenommen. Das ganze Jahr über sollte der neue Bücherei-Standort in der Bahnhofstraße gefeiert werden: Kinoabende, Forschernachmittage, Lesungen sowie ein Gesprächskreis für die Leser waren geplant. Doch wie so vieles wirbelte auch hier ein kleines Virus alles durcheinander: Seit einiger Zeit hat die Bibliothek wieder komplett geschlossen. Aber die Leser müssen nicht auf ihre geliebten Bücher, Spiele oder DVDs verzichten, die Medien können einfach telefonisch bestellt werden. Montags und donnerstags jeweils vom 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr ist Anette Brändle vor Ort und arbeitet die Bestellungen der derzeit rund 900 aktiven Leser ab.

Manche wissen genau, was sie lesen möchten: das nächste Buch einer Reihe, das aktuelle Werk einer bestimmten Autorin oder ein gewisser Film auf DVD. „Unsere Leser sehen über das Internet, welche Bücher gerade verfügbar sind“, erklärt die Leiterin das Geheimnis dahinter. Über „Web-Opac“ wird nach bestimmten Medien oder Autoren gesucht. Andere rufen an und vertrauen auf die Fachkenntnis von Anette Brändle: „Sie wissen schon, was ich gerne lese.“ Und da die Kunden und ihre Lesegewohnheiten bekannt sind, packt die Fachfrau entsprechende Überraschungspakte zusammen, die dann im Lesetreff zu den Öffnungszeiten abgeholt werden.

Eltern nutzen diesen Service beispielsweise für ihre Kinder: Dann kommen neben dem nächsten Buch der Lieblingsserie noch eine entsprechende DVD, eine Zeitschrift und ein Comic mit in die Tasche. „Wenn wir einmal nicht den Geschmack getroffen haben, dann landet das Medium eben wieder ungelesen bei uns – derzeit verlangen wir keine Nutzungsgebühren“, erzählt sie. Doch meistens hat Anette Brändle das richtige Händchen, „unsere Leser sind sehr, sehr dankbar für das Angebot. Sie sind froh, dass wir in dieser schweren Zeit weiterhin für sie da sind.“

Der helle und großzügige Lesetreff bietet im „Normalbetrieb“ viele Optionen. Da er direkt neben dem Schulzentrum liegt, können die Schüler in der Mittagspause in den Büchern schmökern und Tee trinken. Die Teenager kommen gerne, sofern es möglich ist, und nutzen die Wohlfühlatmosphäre. „So versuchen wir die Kinder und Jugendlichen fürs Lesen zu begeistern“. In Spitzenzeiten fanden 137 Schüler über Mittag den Weg in die Lesestätte. Zusammen mit ihren Lehrern besuchen auch ganze Klassen die Bibliothek während des Unterrichts. Da die Regale leicht auseinandergeschoben werden können, bietet der Lesetreff je nach Zielgruppe viele Möglichkeiten für Vorträge, Literaturkino, Buchvorstellungen und (Autoren-) Lesungen. Die Bezeichnung „Lesetreff“ soll dabei wörtlich genommen werden: Fünf ehrenamtliche Helferinnen möchten einen Lesekreis aufbauen, in dem entweder über Literatur im Allgemeinen oder über ein spezielles Werk gesprochen werden soll – die Konzeptfindung wurde durch Corona gestoppt. „Wir haben in den letzten Monaten das umgesetzt, was möglich war“, fasst Anette Brändle die Aktivitäten zusammen. Die Diplom-Pädagogin möchte in Zukunft auch zusammen mit freiwilligen Helfern eine Referatsbetreuung für Kinder aus bildungsfernen Familien aufbauen – so können die benachteiligten Schüler individuell gefördert werden. th

Foto: Anette Brändle stellt im Lesetreff Schrozberg Überraschungspakte mit Büchern, DVDs, Spielen und Zeitschriften für Kinder und Erwachsene zusammen.

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