Der FC Langenburg ist mit zwei Kindern zum Bundesfinale der Minis nach Hannover gefahren. Die zehnjährige Zsofia Nagy konnte sich durchsetzen und wurde Deutsche Meisterin.
Mit einer neunköpfigen Delegation reiste der FC Langenburg Tischtennis in das rund 450 Kilometer entfernte Misburg bei Hannover. Die Mission: Mit den beiden jungen Spielern Zsofia Nagy und Louis Weckler den Baden-Württembergischen Tischtennisverband beim Bundesentscheid der Mini-Meisterschaften zu vertreten. Sie hatten sich unter rund 2.500 Mädchen und Jungs für das Bundesfinale qualifiziert. Zurück kamen die Langenburger mit dem deutschen Meistertitel für die zehnjährige Zsofia Nagy.
„Wir sind schon stolz, dass wir Baden-Württemberg allein vertreten dürfen“, fasst Abteilungs- und Jugendleiter Toni Celerino die Ausgangslage zusammen. Der FCL Tischtennis hat in der Vergangenheit zwar schon mehrere Teilnehmerinnen beim Bundesfinale gestellt, jedoch noch keinen Teilnehmer und erst recht nicht beide. Der achtjährige Louis Weckler schlug sich gegen vorwiegend ältere Gegner achtbar. So belegte er unter den 18 Startern den 15. Platz. Im nächsten Jahr hat er wieder die Chance, sich bei den Mini-Meisterschaften ganz nach oben zu spielen.
Im Gegensatz zu Zsofia Nagy, die in der Altersklasse nicht wieder antreten kann. „Die Spiele und die ganze Situation waren für mich aufregend“, erzählt sie. Den ersten Wettkampftag in Misburg beendete sie mit fünf Siegen und einer Niederlage gegen Raysa-Maria Andrei aus Hessen. In den gewonnenen Matches zeigte sie eine solide Leistung und verlor keinen einzigen Satz. Für ihre Mutter Bernadette Nagy war allein das Zuschauen „ein großer Druck und mental sehr anstrengend“. Ihr Vater Barnabas Nagy sah es hingegen positiv: „Zsofia spielt vormittags besser und konzentrierter.“ Am zweiten Wettkampftag gab es ein Entscheidungsspiel um den zweiten Platz in der Gruppe, der ebenfalls für das Weiterkommen berechtigt. Hier ließ die zehnjährige Langenburgerin nichts anbrennen und holte sich einen klaren Sieg.
Im Endspiel stand sie keiner Unbekannten gegenüber, sondern wieder der bisher ungeschlagenen Raysa-Maria. Während des Spiels dürfen die Betreuer keine Anweisungen an die Spielerinnen geben. „Hier ist das Talent und nicht die Taktik gefragt“, begründet Trainer Klaus Volkert diese Regel. Doch Zsofia erwies sich als „Mentalitätsmonster“. Das Spiel war hart umkämpft, die Spielerinnen motivierten sich teils brüllend. In den schwierigen Phasen, in denen Zsofia zurücklag, ruhte sie in sich selbst und bewies Nerven. Schließlich kam es zum Entscheidungssatz, den sie mit 11:7 gewann. Nach dem Matchball nahm sie ihre Gegnerin erst einmal in den Arm und tröstete sie: „Da habe ich mich riesig gefreut.“
Die Zehnjährige spielt seit Oktober 2023 Tischtennis in Langenburg und hat sich schnell als Talent erwiesen. Dienstags und freitags findet das Training in Langenburg statt, mittwochs fährt sie zum Kadertraining nach Satteldorf. „Dort üben wir Aufschläge, Rückhand- und Vorhand-Topspins sowie andere Techniken“, berichtet sie. Ab September kann sie nicht mehr in der Miniklasse starten. Dann wird sie entweder in der 1. Mädchen-Mannschaft, die in der Verbandsoberliga antritt, oder in der 2. Mannschaft eingesetzt. Dort hat sie bisher schon von Zeit zu Zeit ausgeholfen und gegen deutlich ältere Spielerinnen das eine oder andere Spiel gewonnen.
Nachdem sich die Delegation mit dem goldenen Pokal auf den Heimweg nach Langenburg gemacht hatte, herrschte dort große Hektik. Die deutsche Meisterin sollte schließlich gebührend empfangen werden. Zsofia durfte davon natürlich nichts mitbekommen. „Ich habe aber gleich gemerkt, dass sie etwas vorbereiten, als ich im Meisterschaftsshirt mit zur Turnhalle kommen sollte“, verrät sie im Gespräch. Dort wurde sie von 40 begeisterten Menschen mit Spalier, Luftballons, Stadiontröten, Glückwunschschildern und rot-gelbem Rauch empfangen.
Nach diesem Erfolg will sie weitermachen und weiter trainieren. „In der höchsten baden-württembergischen Spielklasse hat sie gute Chancen, weiterzukommen“, ist Klaus Volkert zuversichtlich. Der FC Langenburg Tischtennis ist sehr erfolgreich in der Jugendarbeit. „Seit 2013 bieten wir jeden Herbst einen Schnupperkurs für Kinder der ersten und zweiten Klassen an“, erzählt Toni Celerino von den Aktionen. „So bekommen wir unseren talentierten Nachwuchs.“ Rund 80 Prozent der Kinder kommen dabei aus Langenburg – mehr Mädchen als Jungs –, die anderen aus der Umgebung. „Wir haben durch viele Unterstützer und Helfer eine große Konstanz und können langfristig planen.“ Derzeit spielen 45 Kinder und Jugendliche in sieben Mannschaften. Im Training ist die Betreuung durch Trainer und Zuspieler optimal, findet der Abteilungsleiter. Auch der Profitrainer Bernd Krey unterstützt den Verein, sodass „wir auf einem Niveau wie Satteldorf trainieren können“, betonte Klaus Volkert.
Bernd Krey ist voll des Lobes über Zsofia: „Sie ist mental stark, bleibt aber ruhig. Sie ist hoch motiviert und übt auch zu Hause. Dadurch hat sie ein sehr kreatives Spiel und bringt oft unerwartete Bälle, was ihr vor allem im Spiel gegen ältere Gegnerinnen hilft.“ th


