Anlässlich des 800-jährigen Jubiläums soll Langenburg sauberer werden. Dafür sammeln Grundschulkinder und die restliche Bevölkerung in diesen Tagen Müll. Außerdem werden Taschenaschenbecher zum Verkauf angeboten.
Rund 70 Kinder sitzen gespannt im Foyer der Grundschule Langenburg. Ulrich Hermann, Pfarrer im Ruhestand, stellt den Sechs- bis Zehnjährigen das Projekt vor. Gemeinsam wollen sie dafür sorgen, dass weniger Zigarettenstummel in der Umwelt landen.
Ulrich Hermann ist Teil des Teams „Schöpfung“ der evangelischen Kirchengemeinde Langenburg. Die Gruppe setzt sich für Ökologie, fairen Handel, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt ein. Eines ihrer Projekte sind seit einigen Jahren Müllsammelaktionen in der Stadt und der Umgebung. Anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung vor 800 Jahren soll Langenburg wieder von allerlei Unrat befreit werden. „Als wir das erste Mal gesammelt haben, kamen 13 Tonnen zusammen“, erzählt Ulrich Hermann. Durch die regelmäßigen Aufräumaktionen wird immer weniger Müll gesammelt. Aus einer Doline am Breber haben die Freiwilligen damals sogar komplette Kühlschränke und Autoreifen herausgezogen. „Ganze zwei Stunden haben sie allein dort gearbeitet.“ Die Stadtverwaltung stellt an verschiedenen Standorten Container auf, in denen der Müll zusammengetragen und abtransportiert wird.
Die Kinder der Grundschule und des Kindergartens sind von Anfang an mit großer Begeisterung dabei. Die Organisatoren haben sich für dieses Jahr etwas Neues ausgedacht: Bei den Aktionen geht es nicht nur um das Sammeln, sondern vor allem um die Vermeidung von Müll. Dafür soll auch eine kleine Metalldose mit der Aufschrift „Langenburg kippenfrei“ verwendet werden. Raucher können ihre Zigarettenstummel darin sammeln, anstatt sie in die Umwelt zu werfen. „Uns ist wichtig, dass wir nicht das Rauchen verbieten, sondern die Sensibilität für Umweltverschmutzung erhöhen wollen“, betont Ulrich Hermann.
Die Kinder sind schon gut informiert. Bei der Übergabe der Büchsen rekapitulieren sie noch einmal die wichtigsten Punkte. So gibt eine einzige Zigarettenkippe über einen Zeitraum von zehn Jahren rund 4000 verschiedene Giftstoffe in die Natur ab. Sie kann bis zu 1.000 Liter Grundwasser verschmutzen. Darum sollte sie nicht achtlos weggeworfen, sondern zunächst in der Dose gesammelt und später im Müll entsorgt werden. Laut Umweltverbänden werden in Deutschland 106 Milliarden Zigaretten pro Jahr geraucht, zwei Drittel davon landen auf dem Boden.
Die Grundschulkinder haben im Vorfeld 700 Taschenaschenbecher aus Metall erhalten. Sie können die Dosen das ganze Jahr über bei verschiedenen Gelegenheiten verkaufen. „Wenn ihr fünf Euro dafür verlangt, wie viel könnt ihr für die Schule einnehmen?“, fragt der Ruhestandspfarrer die Schülerinnen und Schüler. „3.500 Euro“, schallt es ihm von den Kindern entgegen. Das Team Schöpfung hofft, die Beschaffungskosten von zwei Euro pro Stück als Spende zu erhalten. Es hat bei der Stiftung des Windparks „Brüchlinger Wald“ angefragt.
Schulleiterin Petra Molke zog mit rund 70 Schülerinnen und Schülern für drei Stunden durch die Straßen von Langenburg und hat nicht nur Zigarettenkippen eingesammelt. Auch Getränkedosen, Plastikflaschen, Papiertaschentücher und anderer achtlos weggeworfener Abfall wurde aufgelesen. Die Aktion wurde im Rahmen der „Dreck-weg-Woche“ vom Radiosender SWR1 und Moderator Ingo Lege live begleitet. Am Samstag, 21. März 2026, ist dann noch einmal die gesamte Bevölkerung zur Saubermachaktion aufgerufen. „Das letzte Mal waren wir 180 Personen, darunter viele Familien, Vereine und Einzelpersonen, die ausgeschwärmt sind“, berichtet Ulrich Hermann. Die Stadt stellt die Müllsäcke. Der Tag wird mit einem Vesper als Dankeschön auf dem Hof von Wilfried Bauer in Bächlingen abgeschlossen.
Für Mit-Organisator Maik Reimann, selbst Vater von drei Kindern, ist die Sammelaktion eine Möglichkeit, den Kindern ihre Heimat, die Umgebung von Langenburg, näherzubringen und sie besser kennenzulernen. „Wir bekommen dadurch einen sauberen Ort und geben ihnen gleichzeitig wichtige Werte mit.“ Das zeige sich schon bei Spaziergängen das ganze Jahr über: „Sie heben überall Müll auf“, freut er sich. „Das Thema hat sich schon in ihren Köpfen festgesetzt.“ th
Foto: Die Organisatoren (von links) Mai Reimann und Ulrich Hermann übergeben Schulleiterin Petra Molke und den Schülerinnen und Schülern die kleinen Metalldosen mit der Aufschrift „Langenburg kippenfrei“.


