Ebbes aus Hohenlohe
Gute Kleidung für alle

Gute Kleidung für alle

Der Secondhand-Laden „Allerlei“ in Kirchberg besteht seit zehn Jahren. Zunächst für Flüchtlinge gegründet, ist er heute ein Anlaufpunkt für alle, denen die Schonung der Ressourcen wichtig ist.

Hier ein Regal mit Jeanshosen, dort eine Kleiderstange mit Blusen und auf der anderen Seite eine Wäscheleine mit Kindermützen. Der Secondhand-Laden „Allerlei“ im Untergeschoss des Württemberger Hofs in Kirchberg ist wie ein Modegeschäft in verschiedene Abteilungen unterteilt. Der Unterschied: Alle Stücke sind gebraucht und warten auf eine neue Besitzerin oder einen neuen Besitzer.

Als im Jahr 2015 eine große Anzahl Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war es für viele Kirchberger klar, dass sie helfen wollten. So wurde der Freundeskreis Asyl gegründet, Bernard Cantré koordiniert ihn. Der Arbeitskreis „Materielle Versorgung“ erkannte schnell, dass die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder auch Kleidung benötigen. Im ehemaligen Hagebaumarkt richtete Sabine Pohl-Langer 2016 zusammen mit zwei weiteren Frauen und vielen Helfern ein regelrechtes Kaufhaus ein, in dem die Menschen die Dinge finden konnten, die sie benötigten. Als das Gebäude 2017 abgerissen werden sollte, stellte die Stadt mietfrei Räume im Untergeschoss des Württemberger Hofs zur Verfügung.

Damals wie heute werden Kleidungsstücke für Groß und Klein, Haushaltswaren, Töpfe und Pfannen, Schuhe, Bett- und Tischwäsche, Kinderwagen sowie Fahrräder von Bürgerinnen und Bürgern gespendet. „Wir achten darauf, dass die Sachen in einem guten Zustand und voll funktionsfähig sind“, betont Sabine Pohl-Langer. Die Menschen sollen sich selbst versorgen können und nicht von Helfern abhängig sein. „Ein weiterer Aspekt ist, dass sie ihre Unterkunft verlassen, mit Einheimischen in Kontakt kommen und so ihre Sprachkenntnisse verbessern können.“ Die Dinge werden gegen eine Spende abgegeben, für jedes Stück gibt es eine Spendenempfehlung.

Durch die Spenden, die über den Secondhand-Laden in die Kasse kommen, kann der Freundeskreis Asyl laut Bernard Cantré einen „Löwenanteil“ seiner Kosten für Veranstaltungen und Sprachkurse refinanzieren. Damit werden unter anderem Bücher gekauft und Ausflüge ins Schwimmbad oder Wanderungen organisiert.

Bürgermeister Axel Rudolph freut sich über das „vorbildliche bürgerschaftliche Engagement“ der ehrenamtlich tätigen Frauen. „Es ist absolut lobenswert, dass sie sich über einen langen Zeitraum kontinuierlich für eine gemeinnützige, nicht profitorientierte Aufgabe einbringen.“

Während der Secondhand-Laden zu Beginn vor allem von Flüchtlingen besucht wurde – damals lebten rund 300 von ihnen in Kirchberg –, sind es heute immer mehr Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Sie kaufen ganz bewusst gebrauchte Kleidungsstücke, die sie noch weiter nutzen möchten. Sie sehen das auch als Statement gegen den Trend zu Fast Fashion und Billigkleidung, die nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden. Derzeit leben noch etwas mehr als 40 Geflüchtete im ehemaligen Adelheitsstift.

Der Secondhand-Laden „Allerei“ bietet nicht nur die Möglichkeit, sich mit gut erhaltenen, gebrauchten Dingen einzudecken, sondern auch die Gelegenheit zur ungezwungenen Begegnung: Während der Öffnungszeiten werden Tee und Kaffee angeboten. Einmal in der Woche öffnen sich die Türen auch für ein „Sprachcafé“. Neubürger können sich mit Einheimischen unterhalten und so ihre Sprachkenntnisse verbessern.

Da die Temperaturen jetzt etwas ansteigen, findet im Secondhand-Laden der Saisonwechsel statt. Die Winterkleidung wandert ins Lager, während die Sommersachen auf die Ständer und in die Regale kommen. Aus diesem Grund werden bis zum Ende des Sommers keine warmen Kleidungsstücke mehr angenommen. th

Zur Info:

Der Secondhand-Laden „Allerei“ ist montags und mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet. In diesem Zeitraum werden auch Kleiderspenden angenommen. In den Schulferien bleibt der Laden geschlossen. Er befindet sich im Untergeschoss des Württemberger Hofs in der Crailsheimer Straße 1, der Eingang liegt auf der Seite der Bushaltestelle „Stern“.

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