Ebbes aus Hohenlohe

„Teil der Lösung, nicht das Problem“

Mit einer eigenen Teststrategie will die Schloss-Schule in Kirchberg/Jagst nach den Osterferien den Präsenzunterricht wieder ermöglichen. 

Schulleiter Alexander Franz ist verärgert: Ihm fehlen die Ansprechpartner im Gesundheitsamt. Er arbeitet an einer eigenen Test-Strategie für die private Schloss-Schule in Kirchberg und kann sie nicht von den zuständigen Behörden absegnen lassen. „Noch ein Jahr Unterricht zu Hause geht nicht“, ist er überzeugt. Zumal die rechtliche Situation nach wie vor nicht geklärt sei, „wir werden vom Land alleine gelassen“. Sein Ziel ist es, den Präsenzunterricht nach den Osterferien rasch wieder für alle Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen. Aber: Die Vorgaben für die staatlichen Schulen reichen ihm nicht aus, „sie beinhalten Lösungen, die nicht umsetzbar sind“. Zwei Tests pro Woche könnten seiner Meinung nach die Gefahr einer Infektion nicht nachhaltig senken. „Die Schulen sind Teil der Lösung, nicht das Problem“, betont er. Alexander Franz möchte, dass sich alle Schülerinnen und Schüler jeden Tag im Klassenverband selbst testen und hat sich um ausreichend Schnelltests gekümmert.

Vor Ostern waren die 240 externen Schülerinnen und -schüler der Schloss-Schule aufgrund der gestiegenen Inzidenz-Zahlen im Landkreis drei Tage im Fernunterricht, „diese schnelle Lösung haben die Eltern sehr begrüßt“, erzählt er. Bei ihm sind die Entscheidungswege sehr kurz: im Nachbarbüro sitzt Jürgen Scharch, Geschäftsführer der privaten Schule und Vorsitzender der Trägerstiftung, mit dem sich der Schulleiter abstimmt und die weitere Vorgehensweise festlegt. Die rund 100 Internatsschülerinnen und -schüler dürfen hingegen nicht nach Hause – sie gelten als ein Haushalt und bleiben in Kirchberg. Bisher war das Konzept erfolgreich: Nur ein Internatsschüler wurde krank und in einer separaten Wohnung isoliert. Die Schule hat sofort alle Kontaktpersonen testen lassen und in Quarantäne geschickt. So konnte ein Hotspot vermieden werden.

Schon vor der Corona-Pandemie hat die Schule an der Verbesserung der Luftqualität in den Klassenzimmern gearbeitet. Die Krankheit hat die Entscheidung beschleunigt: Zunächst wurden im 2. Halbjahr 2020 in einigen Klassenzimmern unterhalb der Fenster Löcher in die Wände gebohrt, „sie sahen wie ein Schweizer Käse aus“, beschreibt Alexander Franz die Idee. Mittels kleinen Ventilatoren und Wärmetauschern kann so gelüftet werden, ohne dass die Fenster in der kalten Jahreszeit ständig offenstehen mussten. In jedem Zimmer ist ein Testgerät, das die Luftqualität über den CO2-Gehalt der Luft misst. Steigt er über einen bestimmten Wert, machen sich die Geräte bemerkbar und der Lehrer kann die Lüftung einschalten.

Doch für Alexander Franz war diese Lösung nicht ausreichend genug: Der Lehrer für Mathematik und Chemie suchte nach einer anderen Möglichkeit, die Viren aus der Luft zu bekommen. Schließlich wurde er bei UVC-clean aus Owen/Teck fündig: Das Unternehmen hat eine Anlage zur Luftdesinfektion mittels ultraviolettem Licht entwickelt. Die Luft mit den möglicherweise enthaltenen Viren wird oben an den Geräten angesaugt, desinfiziert und unten wieder ausgeblasen. Laut Eigenwerbung beträgt die Wirksamkeit des in einer Edelstahlsäule versteckten Lüfters 99,55 Prozent. Das Konzept hat den Schulleiter so überzeugt, dass er 54 Geräte bestellt hat – sie wurden Anfang März installiert. Die Lebensdauer der eingebauten UV-Lampe von 10.000 Stunden reicht laut Alexander Franz für fünf bis sechs Jahre.

Den Einschränkungen, die die Schloss-Schule in den letzten Monaten durch die Corona-Pandemie hinnehmen musste, will der Schulleiter ab dem nächsten Schuljahr verstärkt entgegenwirken: Da viele gemeinschaftliche Aktivitäten ersatzlos gestrichen wurden, sollen sie ab Herbst ausgeweitet werden. „Wir planen ein soziales Jahr weit über das normale Maß hinaus“, unterstreicht Alexander Franz. „Das Miteinander wollen wir maximal stärken.“

Foto: Schulleiter Alexander Franz zeigt das unscheinbare Edelstahlgehäuse: Darin wird die Raumluft mit UV-Licht desinfiziert und so mögliche Corona-Viren abgetötet.

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