Viele friedliche Begegnungen

Einmal pro Jahr treffen sich Motorradfahrer in Satteldorf zu einer gemeinsamen Ausfahrt.

Mit dem „Moped“ einen Ausflug machen, dort hinfahren, wo es etwas zu Essen und Trinken gibt: Das war 1977 die Grundidee einer Gruppe, die seitdem regelmäßig zusammen unterwegs ist. 

Zwar ist der Rasthof in Satteldorf der gemeinsame Treffpunkt (einfach weil dort am meisten Platz ist), viele der Biker kommen aber aus Hengstfeld und Umgebung. Sie legen großen Wert darauf, dass sie kein Verein, keine „Motorradgang“ oder sonst wie organisiert sind, sie sind einfach befreundet. „Manche der Kumpels trifft man nur einmal im Jahr, an Pfingsten zu unserer Ausfahrt“, ist zu hören. Manfred Beck (56), Heinz Brotz (59), Fritz Hermann (53), Friedrich Mend (53), Michael Schewen (47) und Armin Wacker (51) erzählen von ihren Erlebnissen der vergangenen Ausfahrten. 

Begonnen hat alles mit einer kleinen Gruppe, die vor 40 Jahren regelmäßig am Wochenende in der Gegend unterwegs gewesen ist. Ziel war meist ein Fest: „Dort haben wir den Karren hingestellt, haben uns ins Gewühl geworfen und am nächsten Tag ging es dann wieder zurück.“

Damals, als alle noch etwas jünger waren als heute, war das Motorrad wesentlich wichtiger als das Auto. Zum Teil sind die Männer auf der Erddeponie in Hengstfeld am Wochenende zum Spaß Motocross-Rennen gefahren. Irgendwann kam die Idee auf, auch mal eine größere Ausfahrt zu unternehmen: An Pfingsten sollte es soweit sein. Als Ziel wurde das Kloster Andechs am Ammersee ausgemacht. Eine nicht zu lange Tour und Campingplätze gab es dort auch. Zunächst waren es fünf bis sechs Motorräder, die gemeinsam unterwegs waren, von Jahr zu Jahr wurden es mehr. Im Bekanntenkreis und bei den Arbeitskollegen sprach sich das Ereignis herum und so wurde die Gruppe immer größer. Eine Woche vor Pfingsten trafen sich die Männer beim „Wacker“ in Gröningen und machten aus, wer mitfährt, wie viele Zelte benötigt werden und wann Abfahrt ist. „Das war damals unsere Whats-App-Gruppe“, lachen sie. 

Zu Spitzenzeiten waren bis zu 90 Motorräder gemeinsam unterwegs, „das war schon extrem“. Damit sich die Fahrer, die den Anschluss an den Pulk verloren hatten, wieder einreihen konnten, wurden mehrere Tankstopps verabredet. Man wollte ja gemeinsam als Gruppe bis nach Bayern fahren und nicht jeder für sich.

Zunächst waren die Männer ohne Begleitung unterwegs, „man nimmt ja auch kein Bier mit in die Wirtschaft“, lautete die lakonische Begründung. Später, als immer mehr Freundinnen hatten, „durften“ auch sie mitfahren – entweder als Sozius oder sogar mit der eigenen Maschine. Am Ammersee wurde in den ersten Jahren wild gezeltet, je größer die Gruppe, desto schwieriger wurde es. Als auch kein Campingplatz die Hohenloher Biker mehr aufnehmen konnte, bekamen sie von einem Bauern eine Wiese zu Verfügung gestellt – die wieder kleiner gewordene Gruppe kann heute einen Caravan-Stellplatz nutzen. Sobald sie am Ammersee ankommen waren, wurde das Motorrad abgestellt, das Zelt aufgebaut und anschließend ging es gemeinsam zum Kloster. Dort gab es ein paar Maß Bier und etwas zum Essen. Bei ihren Besuchen in Bayern haben die Hohenloher viele Anwohner und auch andere Motorrad-Gruppen kennengelernt. Man traf sich und trank das eine oder andere Bier zusammen. „Aber immer friedlich!“ Diese Gemeinschaft, das unkomplizierte Miteinander und die abenteuerliche Atmosphäre prägen die Ausfahrten bis heute. 

Am Pfingstsonntagmorgen, wenn alle wieder wach waren, war das gemeinsame Frühstück Tradition, danach ging die Tour weiter: Ein Teil der Gruppe fuhr wieder zurück in die Heimat, ein anderer Teil über die Alpen nach Südtirol und ein weiterer die Donau entlang, beispielsweise zum Kloster Weltenburg. 

Jeder Biker hat seine eigene Vorliebe, was Marke oder Modell betrifft: Neben Tourenmaschinen fahren auch Geländemotorräder und Seitenwagengespanne mit. Ein Teilnehmer ist seit 30 Jahren mit der gleichen Maschine zum Ammersee unterwegs. Der Generationenwechsel ist in vollem Gange – manche der „älteren Semester“ sind nicht mehr mit dabei. Dafür haben sich manche Söhne der Gruppe angeschlossen. th

Die Hohenloher Biker fallen auf: An ihrem Ziel angekommen, werden erst einmal die Zelte aufgebaut – die Bilder stammen aus den 1980er-Jahren.

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