Der Berg ruft

Nepal-Fan Eckhart Penkert hat bei seinen Touren viel erlebt.

Viele kennen ihn als Getränke-Lieferanten für die Firma Eico. Dass Eckhart Penkert (66) ein echter Abenteurer ist, wissen sicher die wenigsten. Das Himalaya-Gebirge hat es ihm angetan. Er war am Mount Everest, Annapurna und Manaslu. Darüber hinaus unterstützt der Wallhäuser zwei nepalesische Kinder, die er persönlich kennt.  

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, wusste schon Dichter Matthias Claudius. Eckhart Penkert aus Wallhausen kann das nur bestätigen. Der 66-Jährige flog bereits dreimal nach Nepal, um die Bergwelt zu erobern.
Seinen persönlichen Gipfelpunkt erreichte er auf dem Aussichtsberg Kala Patthar, mit über 5500 Metern. „Von dort aus siehst du den Everest wunderbar“, erinnert er sich. „Aber du merkst schon, dass die Luft relativ dünn ist.“ Er war Teil einer Gruppe aus der Haller Gegend, die sich bis zum Basislager hinauf wagte.
Einheimische begleiten dort die Wanderer, transportieren ihr Gepäck und führen Leute zurück, die nicht mehr weiterkönnen. Die Gruppen übernachten und essen in Lodges. „Die sind wie Berghütten bei uns, bloß ein bisschen primitiver und unbeheizt“, erklärt Penkert. „Du brauchst einen guten Schlafsack. Dann geht’s schon.“
Um dem mit 8848 Metern höchsten Berg der Erde nahe zu sein, musste er nach Lukla fliegen. Der Flughafen gilt als der gefährlichste der ganzen Welt. „Ich bin kein ängstlicher Mensch“, verrät er. Auch dass er Diabetiker ist, war für ihn kein Hindernis. Bergführer Temba schrieb ihm ins Tour-Tagebuch: „Speedy Gonzales, schnellster Trekker aus Germany.“ Penkert sagt: „Denen bin ich immer davon gelaufen. Das haben die gar nicht glauben können.“ Gelegentlich hatte er mit Unterzucker zu kämpfen, merkte es aber früh genug.
Bis vor Kurzem arbeitete er bei der Firma Eico als Kraftfahrer und lieferte Getränke direkt an die Haustür. Inzwischen ist er in Rente. Sein Job rettete ihm vielleicht sogar schon einmal das Leben. Im Frühling 2015 suchte ein großes Erdbeben Nepal heim. Genau zu der Zeit hatte er er eigentlich dort sein wollen, aber keinen Urlaub bekommen. „Da hab’ ich Glück gehabt“, seufzt er.

Für ihn war die Reise zum Manaslu die mit Abstand schönste Tour. Auch wenn sie bei einer Hitze von zeitweise 40 Grad viel Anstrengung kostete und er durch eiskaltes Gletscherwasser waten musste, das ihm fast bis zum Hals stand. Nicht alle seiner Gefährten hielten durch. Er schon. Ganz ungefährlich sind seine Abenteuer nicht. Als er sich zum Manaslu-Basislager aufmachen wollte, gingen sieben massive Lawinen nieder. Ehefrau Monika konnte er mit seinem Nepal-Fieber bisher noch nicht anstecken. Ob sie sich manchmal Sorgen macht? „Da frag’ ich nicht lang“, behauptet Eckhart Penkert augenzwinkernd. 

Seine ganzen Urlaube der letzten Zeit verbrachte er im Land der Achttausender. „Ich bin halt gerne auf den Bergen. Unterwegs sage ich mir auch manchmal: ,Was bist du für ein Idiot! Plagst dich in deinem Urlaub herum.‘ Aber ich mag es, wenn ich das schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Obwohl es manchmal wirklich an die Grenze geht.“
Er erzählt von einem jungen Sportler, der höhenkrank wurde. „In 4500 Metern hatte der ein Lungenödem und konnte nicht mehr laufen.“ Mit einem Pferd brachten sie ihn in ein Dorf, wo ihm der Arzt Sauerstoff zuführte. Ein Hubschrauber sollte ihn ins Krankenhaus befördern. „Da war das Problem mit dem Geld. Der Hubschrauber fliegt nur, wenn du bar bezahlst und das kostet 5000 Dollar“, erzählt Penkert. Soviel hatte keiner in seinem Geldbeutel. Deshalb legten alle zusammen. „Sonst hätte der Kerl keine Chance gehabt.“ Doch es ging gut aus, er überlebte. Die Versicherung übernahm später die Kosten.
Bevor eine Trekkingtour startet, verbringt der Wallhäuser mit seiner Gruppe anderthalb Wochen in Kathmandu. Dank der Organisatoren bekommen die Teilnehmer viel von der Stadt zu sehen. Besonders interessant fand Eckhart Penkert die Leichenverbrennungen am Fluss Bagmati, der in den Ganges mündet – ein hinduistischer Ritus. 

Seit zehn Jahren unterstützt Eckhart Penkert in Nepal zwei Kinder, die er durch Bergführer Temba kennenlernte. Sie leben mit ihrer Familie im Langtang-Tal, wo Temba herstammt. „Da fährst du 17 Stunden mit dem Bus“, weiß der Abenteurer. Zweimal besuchte er die heute 14-Jährigen bereits. Sie nennen ihn „Papa“ und schicken ihm Briefe auf Englisch. Darin erzählen sie, wie es in der Schule läuft, deren Besuch ihnen Eckhart Penkert ermöglicht. Das Mädchen Chheki schreibt: „Ich danke dir aus tiefstem Herzen.“ Ihr Schulkamerad Chhesang lässt ihn per Post wissen: „Du bist wie ein Gott für mich, weil du mich unterstützt wie dein eigenes Kind.“ Beide haben selbstgemalte Bilder beigelegt. Eckhart Penkert lächelt gerührt:  „Die Kinder wollen dir unbedingt was schenken und haben praktisch nichts.“
Ob er noch eine weitere Bergtour mitmacht, weiß er nicht. „Mit 66 bin ich jetzt halt langsam zu alt“, meint er. Seine Patenkinder würde er aber gerne noch einmal besuchen. sab 

Informationen zu Patenschaften in Nepal erteilt Eckhart Penkert unter Telefon 07955/2743.

 

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