Ebbes aus Hohenlohe

„Der Adrenalinpegel steigt“

Katrina Wagner (17) aus Großaltdorf ist mit ihrem Lupo leidenschaftliche Rennfahrerin

Autocross ist ein Rennen, bei dem Touren- und Produktionswagen auf einer kleinen, meist gut einsehbaren Strecke ihre Runden drehen.“ Diese trockene Definition lässt kaum erkennen, was wirklich dahinter steckt: Benzingeruch, fliegender Dreck, ein Höllenlärm und vor allen sehr viel Spaß. Mittendrin ist die 17-jährige Katrina Wagner.

Einmal im Jahr treffen sich Motorsportbegeisterte zum Rennen in Lorenzenzimmern auf der Gänswasenstrecke: Meist am letzten Ferienwochenende Anfang September rücken die Rennfahrer mit ihren Autos sowie mobilen Werkstätten an und verwandeln die Wiese in ein richtiges Motodrom. Dieses Jahr startete das 14. Autocross-Rennen des Motorsportclubs (MSC) Großaltdorf. Vorsitzender Michael Raddatz erzählt, was Autocross bedeutet: „Normale“ Serienfahrzeuge werden zu Rennfahrzeugen umgebaut und der komplette Innenraum ausgeschlachtet. „Die ursprüngliche Silhouette muss aber schon noch erkennbar sein.“ Dabei zählt vor allem die Sicherheit: Scheiben, Lichter und anderes Zubehör, das sich während der rasanten Fahrt lösen könnte, wird entfernt und ein Überrollkäfig eingebaut. Die Besitzer tauschen den Standard- gegen einen Schalensitz mit einem 6-Punkt-Hosenträgergurt aus. Im Motorraum räumen sie etwas auf: Der Kühler wandert nach hinten und die Stoßstange wird verstärkt, denn sie ist beim Rennen ein wichtiger Sicherheitsaspekt. „Allerdings machen wir keine Stockcar-Rennen, bei denen bewusste Crashs ein Mittel zum Sieg sind“, stellt der Vorsitzende fest. Für jede Strecke gilt ein Reglement, das genau festschreibt, wie die Autos beschaffen sein müssen. Vor jedem Einsatz überprüft ein Sachverständiger das Fahrzeug.
Katrina Wagner fährt seit ihrem 15. Lebensjahr bei den Rennen mit – dieses Jahr die zweite Saison. Die Rennatmosphäre hat sie von klein auf miterlebt: Ihr Vater Hans ist stellvertretender Vorsitzender des MSC und selbst leidenschaftlicher Rennfahrer. In der Freizeit basteln sie gemeinsam an den Wägen herum, oft auch über die Wintermonate, damit zu den ersten Rennen des neuen Jahres ein Fahrzeug zur Verfügung steht. Als Katrina sich fürs Mitmachen entschied, ging die Suche nach einem geeigneten Auto los. Ein VW Lupo hatte es ihr angetan, „solche Flitzer gibt es nicht allzu häufig“. Gemeinsam mit ihrem Vater machte sie das Fahrzeug renntauglich. „Vor dem Start steigt der Adrenalinpegel“, erzählt die 17-Jährige. „Ich will schließlich nichts falsch machen.“ Während des Rennens sind leichte, unbeabsichtigte Karambolagen an der Tagesordnung. „Auch da ist der Puls erhöht.“
Schon bei ihrem ersten Rennen im fränkischen Windsbach (sie startet in der Juniorklasse bis 1400 ccm) gelang ihr der Sprung aufs Treppchen. Weitere Rennen folgten und ebenso weitere Erfolge: beispielsweise in diesem Frühjahr ein 1. Platz wieder in Windsbach. Aber nicht bei allen Läufen kam sie ins Ziel, mal versagte die Technik, mal überschlug sie sich mit ihrem Lupo. Wegen der starken Sicherheitsvorkehrungen passierte nichts.
Die Atmosphäre im Fahrerlager gefällt ihr, ebenso der Zusammenhalt untereinander: „Vor dem Rennen hilft man sich gegenseitig aus, dann ist man Rivale und hinterher hat man gemeinsam Spaß.“ Ihren Spitznamen „Benzina“ hat Katrina Wagner übrigens nicht wegen ihres zweifellos vorhandenen Fahrtalents, sondern wegen eines sprachlichen Missverständnisses während eines Italienurlaubs.
2018, in ihrer ersten Saison bei den „Großen“, will die angehende Automobil-Kauffrau zunächst mithalten, „und dann sehen, wie es läuft“. Vielleicht startet sie später einmal in einer höheren Klasse. (th)

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