Ebbes aus Hohenlohe
Es wird weiterhin einen naturbelassen Apfelsaft geben

Es wird weiterhin einen naturbelassen Apfelsaft geben

Der Förderkreis regionaler Streuobstbau ehrt seinen Mitbegründer Ulrich Hartlieb. Die Vermarktung des Grünspecht-Obsts erfolgt zukünftig über eine Mosterei in Neckarsulm.

Der langjährige Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu in Kirchberg und Mitbegründer des Förderkreises regionaler Streuobstbau Hohenlohe-Franken (Fös), Ulrich Hartlieb, setzte sich für den Erhalt naturbelassener Streuobstwiesen ein. Diese gehören zu den artenreichsten Biotopen, sind prägend für die Hohenloher Landschaft und bieten vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Der im März 2025 Verstorbene engagierte sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Flächen. Auch wenn sie nicht gedüngt oder gespritzt werden, benötigen diese Wiesen Pflege. Nicht jeder Besitzer hat die Zeit und Muße, dies zu tun, sodass sie immer wieder verwildern.

Ulrich Hartlieb kaufte gemeinsam mit dem Nabu alte Wiesen und pflegte sie. So entstand unter anderem die rund einen Hektar große und nach ihm benannte Fläche zwischen dem Autobahnzubringer in Kirchberg und Lendsiedel. Aus den dort gesammelten Äpfeln keltern sie Most, der jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Kirchberg am Nabu-Stand ausgeschenkt wird. Zu seinen Ehren pflanzten die Mitglieder des Nabu und des Fös auf diesem naturnahen Stück Land einen Wettringer Traubenapfel. Für den Hochstamm-Baum wurde ein tiefes Loch ausgehoben, mit Schafwolle als Langzeitdünger und Wasserspeicher sowie mit Erde wieder gefüllt. Um Verbiss zu verhindern, wurde eine Drahthose angebracht.

„Das ist ein lebendiges Denkmal für unseren Freund Uli“, hob Robert Schuler-Flock, der Vorsitzende des Fös, bei der Pflanzaktion hervor. „Der Baum wird eine langjährige Erinnerung an ihn sein.“ Später sollen noch ein Schild angebracht und ein Nistkasten aufgehängt werden, denn Ulrich Hartlieb war ein Vogelliebhaber.

Er wollte 1989 zusammen mit anderen Naturschützern einen Anreiz schaffen, Streuobstwiesen zu pflegen und extensiv zu nutzen. Sie gründeten den Fös. Die Idee des Vereins ist einfach: Produzenten von Äpfeln aus naturnahen Streuobstwiesen erhalten bei der Anlieferung einen Aufschlag. Damit soll der Mehraufwand für die Pflege der Wiesen honoriert werden. Finanziert wird die Prämie durch die regionale Vermarktung des „Grünspecht-Apfelsaftes“: Seit 1998 kann das Obst im Herbst an mehreren Sammelstellen in der Region abgegeben werden. Anschließend wurde es an die Firma Hohenloher Fruchtsäfte in Schwäbisch Hall weitergegeben. Die Mosterei stellte daraus den leckeren, naturbelassenen Apfelsaft her und vermarktet ihn.

Damit war es allerdings vorbei, als das Haller Traditionsunternehmen im Mai 2025 zunächst in Schieflage geriet und schließlich Insolvenz anmelden musste. „Ein echter Verlust für die Region“, bedauert Robert Schuler-Flock diesen Schritt. Bis zum Herbst fand sich kein Partner, der die Mosterei übernehmen wollte, da aufgrund eines jahrelangen Sanierungsstaus zu hohe Investitionen notwendig gewesen wären. Die Mitglieder des Fös konnten ihr Obst nicht mehr auf die gewohnte Weise verwerten. „Wir haben uns nach einem neuen Partner umgesehen“, berichtet der Fös-Vorsitzende. „Wir wollten nicht, dass unser hochwertiges Obst im Sortiment eines großen Saftherstellers verschwindet, und wurden schließlich beim Familienbetrieb Beil aus Neckarsulm fündig.“ Durch die Lage der Mosterei im Unterland haben sich lediglich die Anfahrt der Früchte zur Mosterei und der Transportweg der Flaschen zurück in die Region um etwa 40 Kilometer verlängert. Während in früheren Jahren bis zu 350.000 Liter Grünspecht-Saft gepresst wurden, waren es aufgrund der vorherrschenden Unsicherheit in diesem Jahr nur 36.000 Liter.

„Verbraucherinnen und Verbraucher müssen aber nicht befürchten, dass sie den Grünspechtsaft nicht mehr in den Regalen ihres Getränkehändlers finden“, erklärt Robert Schuler-Flock. Die LBV-Raiffeisenmärkte haben die restliche Produktion der Hohenloher Fruchtsäfte aufgekauft und werden die verschiedenen Produkte weiterhin anbieten. Die Belieferung aller Märkte mit dem Saft der Firma Beil erfolgt über das Logistikzentrum von Eico in Wallhausen. „Damit ist die Versorgung der Region auch in Zukunft gesichert.“

Wie der naturbelassene Saft in den nächsten Jahren vermarktet werden soll, wird noch überlegt. „Wir suchen nach weiteren Partnern, die den Saft in ihren Betrieben oder Bildungseinrichtungen anbieten und so indirekt eine intakte Umwelt unterstützen“, sagt Robert Schuler-Flock. th

Bild: Zu Ehren von Ulrich Hartlieb pflanzten seine Freunde einen Obstbaum auf der Streuobstwiese des Nabu in Kirchberg (von links): Hartmut Himmelein, Robert Schuler-Flock, Bruno Fischer, Hajo Winter und Thorsten Voß vom Nabu beziehungsweise Fös sowie Sohn Gundolf Hartlieb mit seiner Frau Sonja.

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