Der Langeburger Gemeinderat stimmte für eine Schließung des Freibads ab dem Jahr 2027, sofern die Stadt weiterhin dessen Betreiber bleibt. Dieses Ergebnis kam für alle Beteiligten überraschend.
Mit neun zu drei Stimmen beschloss der Langenburger Gemeinderat am 22. Januar 2026 nun doch die Schließung des Freibads zum Ende der Saison 2026. Anlass war eine öffentliche Sitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt, weil Bürgermeisterin Petra Weber einer Entscheidung des Gemeinderats vom 13. Januar widersprochen hatte. Laut Gemeindeordnung muss innerhalb von drei Wochen eine weitere Sitzung stattfinden, in der das Thema erneut diskutiert und beschlossen wird.
Lange defizitär
Das Langenburger Freibad steht seit Jahren im Zentrum der Konsolidierungsmaßnahmen der finanziell angeschlagenen Gemeinde: Jedes Jahr schreibt es rote Zahlen in Höhe von bis zu 180.000 Euro. Im März 2023 versagte die Kommunalaufsicht der Stadt Langenburg Förderzuschüsse, da „die seit Jahren von Ihnen angeforderte Haushaltskonsolidierung nicht umgesetzt wurde“. Fachleute sahen keine Chance, dass das Freibad die Kosten aus eigener Kraft erwirtschaften könnte. Aufgrund des nicht genehmigungsfähigen Haushaltsplans für das Jahr 2024 wurde eine Haushaltssperre verhängt, die bis heute gilt.
Neues Konzept erfolgreich
Im Rahmen der Konsolidierungsmaßnahmen 2024 wurde beschlossen, den Betrieb des Freibads ab 2025 einzustellen. Zusammen mit dem Verein „Freibadfreunde Langenburg“ wurde jedoch ein Konzept erarbeitet, das eine Öffnung im letzten Jahr ermöglichte. Ein externer Dienstleister wurde mit dem technischen und organisatorischen Betrieb des Freibads beauftragt. Parallel dazu leistete der Verein 6.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit und motivierte viele Kommunen, Firmen und private Spender, das Freibad zu unterstützen. Etwa 25.000 Menschen aus der ganzen Region besuchten das Schwimmbad. Den Ehrenamtlichen gelang es, einen stattlichen Überschuss zu erwirtschaften und die Kosten von 41.000 Euro, die der Stadt entstanden sind, auszugleichen. Dadurch spart die Stadt unter dem Strich eine Viertelmillion Euro ein. Der Ausgleichsstock genehmigte einen Zuschuss von rund 700.000 Euro für die Anschaffung eines Feuerwehrautos, da eine „ernsthafte Umsetzung des Konsolidierungskonzepts“ erkennbar sei. In der Sitzung Mitte Januar ging es um die Zukunft des Freibads in diesem und den nächsten Jahren.
In fünf von sechs Punkten bestand im Gremium Einigkeit zum künftigen Betrieb des Freibads. Demnach kann die Stadt kein eigenes Betriebspersonal stellen. Die Betreiberverantwortung und die Beckenaufsicht sollen beim Verein der Freibadfreunde liegen. Dieser verpflichtet sich vertraglich zur vollständigen Übernahme der städtischen Kosten sowie zur Minimierung des Haftungsrisikos. Unter diesen Voraussetzungen könnte das Freibad 2026 öffnen.
Diskussionen gab es um Punkt 4, in dem festgelegt wurde, dass die Stadt den Betrieb nach 2026 einstellen werde. Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen wurde ein alternativer Beschlussvorschlag angenommen: „Der Betrieb des Freibads durch die Stadt Langenburg wird nach Ablauf der Betriebssaison 2026 fortgesetzt, soweit die dreijährige Wirtschaftsplanung dies zulässt. In diesem Zusammenhang wird auch das zukünftige Betriebskonzept geprüft. Dies erfolgt im letzten Quartal 2026, um eine mögliche Weiterführung in Erwägung zu ziehen.“ Bürgermeisterin Petra Weber widersprach diesem Beschluss, da er ihrer Meinung nach gegen die Haushaltserlasse verstößt und sie die Streichung der wohlwollenden Zuschusspolitik des Regierungspräsidiums befürchtet.
Möglichkeit für klare Regelung
Bei der Sitzung am 22. Januar 2026 gingen alle Beteiligten davon aus, dass das Votum ähnlich wie in der vorangegangenen Sitzung ausfallen und die endgültige Entscheidung an die Kommunalaufsicht beim Landratsamt verwiesen werden würde. Dies sahen sowohl der Verein als auch die Verwaltung als gute Möglichkeit an, um einen Schlussstrich unter die Angelegenheit zu ziehen und einen klaren Blick auf die Zukunft zu haben.
Nachdem Bürgermeisterin Petra Weber die Geschichte der Konsolidierungsmaßnahmen und die möglichen Konsequenzen einer Entscheidung für einen Betrieb durch die Stadt über das Jahr 2026 hinaus dargestellt hatte, änderte sich jedoch die Meinung im Gremium. „Wir wollten die finale Entscheidung über das Freibad nicht aus den Händen geben“, begründete Gemeinderat Moritz Frick das Votum. Es gab neun Stimmen für die Schließung des Freibads im Betrieb der Stadt Langenburg und drei dagegen. Auch er stimmte für die Schließung, obwohl er noch am 13. Januar den alternativen Antrag maßgeblich befürwortet hatte. „Wir wollten unsere Bürgermeisterin bei ihren Gesprächen mit der Kommunalaufsicht unterstützen.“ Außerdem könne der Gemeinderat im Laufe des Jahres, sollten neue Erkenntnisse aufkommen, den Beschluss revidieren.
Schließung „dramatische Signalwirkung“
„Natürlich ist die Signalwirkung dramatisch“, gibt Moritz Frick zu. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die neue Freibadsaison auf Hochtouren: Der Verein plant den Einsatz der Ehrenamtlichen, führt Gespräche mit Unterstützern und Sponsoren und wünscht sich eine langfristige Perspektive. „Wir haben aber alle das gemeinsame Ziel, eine Lösung für den Weiterbetrieb über 2026 hinaus zu finden.“
Anette Sperber, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, ist am Tag danach immer noch geschockt über die Entscheidung: „Wir müssen jetzt erst einmal beraten, wie es weitergeht.“ Wenn der Betrieb nur für dieses Jahr garantiert sei, „fehlt uns die Planungssicherheit für die Folgejahre und wir schweben weiterhin in Unsicherheit.“ Es müssten gemeinsam mögliche Betreibermodelle gefunden werden.
Bürgermeisterin Petra Weber ist sich sicher, dass der Betrieb in diesem Jahr noch einmal genehmigt wird. Dabei hofft sie auch auf einen klaren Hinweis von Landratsamt und Regierungspräsidium, wie es weitergehen könnte. th

