Helfen und helfen lassen

Senioren nehmen Initiative selbst in die Hand und unterstützen sich gegenseitig

Es ist Donnerstagnachmittag und in der Kirchberger Poststraße treffen sich 10 bis 15 Menschen, um sich auszutauschen und Gesellschaft zu haben. Sie eint, dass sie sich gegenseitig helfen, wenn Not an der Frau oder am Mann ist.

Viele Menschen sind im Alter alleine, weil die traditionellen Familienverbünde nicht mehr bestehen und Kinder oder Enkel nicht in der Nähe leben. Für kleine Dienste, sei es einkaufen, Rasen mähen, zu Ärzten fahren, eine E-Mail verschicken, das Handy einstellen oder eine defekte Glühbirne wechseln, werden andere Menschen benötigt. Aus diesem Grund wurde 2011 in Kirchberg die Seniorengenossenschaft (kurz: Sengeno) gegründet. Die Vorstände Birgit Flad, Jochen Ottenstein und Frieder Wurziger erzählen, was sich hinter dem Verein verbirgt: „Uns ist wichtig, dass sich die Mitglieder gegenseitig helfen und helfen lassen. Wie bei einer Genossenschaft stehen wir füreinander ein.“ Dabei will der Verein nicht anderen Organisationen oder Sozialverbänden Konkurrenz machen, sondern deren Angebote ergänzen. „Wir bieten den älteren Menschen Hilfen an, die deren Lebensqualität verbessern.“ Ziel der Unterstützung ist es, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben und Freude beispielsweise an ihrem Garten haben können. Obwohl Sengeno für alle Altersklassen offen ist, sind die Helfer selbst oft im Rentenalter und können, beziehungsweise wollen, manche Tätigkeiten nicht mehr leisten: „Wir möchten keine billigen Putzkräfte sein“, betonen die Vorstandsmitglieder.

Damit die Senioren sich nicht als Empfänger mildtätiger Gaben empfinden, werden die Leistungen bei Sengeno bezahlt, pro Stunde werden
8,20 Euro fällig. Die Helfer selbst bekommen davon 6,80 Euro – die Differenz ist für die Rückstellungen vorgesehen. Die helfenden Mitglieder können sich die geleisteten Stunden auch auf einem „Konto“ gutschreiben lassen und, wenn sie selbst Hilfe benötigen, abrufen. Der Gegenwert kann aber auch ausbezahlt werden. Der Verein hat derzeit 255 Mitglieder, von denen 34 Personen aktive Helfer sind. Sie leisten in rund 720 Einsätzen jährlich etwa 1100 Stunden Arbeit und sind selbstverständlich gut versichert. „Wir suchen ständig neue Mitglieder, die unser Vereinsziel solidarisch tragen und gerne kleine Aufgaben übernehmen.“ Die Bürger sollen nicht erst dann Mitglied werden, wenn sie selbst Hilfe in Anspruch nehmen müssen. 

Neben den rein helfenden Tätigkeiten will der Verein auch Tipps geben, Informationen zu rechtlichen Änderungen bereitstellen, Beratungsangebote sammeln und als Netzwerk fungieren. 

Der wöchentliche „Offene Treff“ im Raum in der Poststraße hat die Sichtbarkeit des Vereins erhöht, es werden aber auch Versammlungen und Veranstaltungen abgehalten. Der Treff bietet eine gute Möglichkeit für ältere Menschen, sich ungezwungen auszutauschen und mit Gleichgesinnten zusammenzukommen. Auch sind neue Freundschaften zwischen Helfern und Hilfenehmern entstanden. Zitat einer Seniorin: „In meinem Leben ist noch einmal die Sonne aufgegangen“. th

Zur Info: Jeden Donnerstag ist von 15 bis 18 Uhr Sengeno–Treff in der Kirchberger Poststraße 10. Jeden Montag treffen sich dort zusätzlich die „Strickfrauen“ von 14 bis 16 Uhr. Weitere Informationen gibt es unter www.sengeno-kirchberg.de, unter anderem auch ein Mitgliedsformular. 

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