Im Herrenhaus in Buchenbach beschäftigt sich eine Oberregenbacherin mit dem Wert alter Kleidung. Die liebevoll gestaltete Präsentation ist noch bis Oktober zu sehen.
„Was ist dein teuerstes Kleidungsstück? Was erfüllt es für dich?“ Mit diesen Fragen zu Beginn der Ausstellung bringt Susanne Kraft es gleich auf den Punkt: Bei der Präsentation im Herrenhaus in Mulfingen-Buchenbach möchte sie den Fokus auf den Stellenwert von Kleidung legen.
Das Thema beschäftigt die Ausstellungsmacherin aus dem benachbarten Langenburg-Oberregenbach seit Langem, „es wurde mir in die Wiege gelegt“. Ihre Mutter war Schneiderin, es gab immer Stoffe im Haus und eine Nähmaschine stand zur Verfügung. So hat Susanne Kraft beispielsweise schon als Kind Puppenkleider genäht. Später fand sie Ballen mit Leinenstoff auf dem Dachboden und wirkte in der Trachtensinggruppe von Lissy Ziegler aus Bächlingen mit. So entwickelte sich mit der Zeit ihr Faible für alte Stoffe und Kleidungsstücke sowie deren Herstellung.
Ihr Interesse gilt der regionalen Geschichte und Kultur. Aus diesem Grund hat sie die Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin in den Jahren 2022 und 2023 absolviert. Es lag also nahe, die Ausstellung im Herrenhaus in Buchenbach aufzubauen, dem Zentrum des „Erlebnisses Mittleres Jagsttal“ der Gemeinden Langenburg, Mulfingen, Dörzbach und Krautheim.
Die traditionelle Hohenloher Kleidung, wie sie auf Bildern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen ist, zeigt die Sonn- und Festtagsgarderobe: Sie ist meist schwarz gehalten und wird mit Bändelhaube oder Dreispitz getragen. Beim näheren Betrachten fällt auf, dass die Stücke sehr individuell sind und unterschiedliche Applikationen, Accessoires oder sogar Bedruckungen aufweisen. In der Ausstellung zeigt Susanne Kraft anschaulich, aus welchen Naturmaterialien die Kleidungsstücke entstanden sind. Die Rohstoffe kamen zum größten Teil aus Hohenlohe selbst: Flachs, (Brenn-)Nessel und Hanf wuchsen auf den Feldern der Region. Sie wurden geerntet und in vielen Arbeitsschritten vor Ort zu Garn und schließlich zu Stoffen verarbeitet. Hinzu kam die Schafwolle, die ebenfalls hier gewonnen wurde. Die Fasern wurden aufwändig mit Naturmaterialien wie Holunderbeeren, Nüssen, Eicheln oder Färberwaid eingefärbt. Selbstverständlich können die Materialien in der Ausstellung angefasst und „begriffen“ werden. „Das gehört dazu“, erklärt Susanne Kraft.
Neben den aufwändigen Sonntagskleidern trugen die Menschen unter der Woche einfachere Klamotten. Doch auch diese mussten selbst hergestellt werden. Noch heute sind die Ausbesserungen an Strümpfen oder Hemden deutlich sichtbar. In Zeiten von Fast Fashion, in denen T-Shirts für ein paar Euro gekauft, einmal getragen und dann weggeworfen werden, ist das kaum vorstellbar. Doch auf genau das will die Oberregenbacherin in der Ausstellung hinweisen. Kleidung hatte noch vor wenigen Jahren einen großen Wert. „Für Knechte und Mägde gehörten Hosen, Hemden und Stoffe zur Bezahlung dazu.”
Sie möchte vermitteln, wie viel Mühe die Herstellung von Textilien in früheren Jahren gemacht hat. Praktisch alle Frauen konnten nähen, stricken, sticken und klöppeln und waren zum Teil sehr geschickt dabei. „Ich habe großen Respekt vor dieser handwerklichen Tradition und der nachhaltigen Fertigung der Kleidungsstücke“, erklärt Susanne Kraft ihre Motivation. „Ich möchte Impulse geben, sich selbst mit der heimischen Geschichte zu beschäftigen.“
Die Ausstellungsstücke stammen teilweise aus ihrem eigenen Besitz und wurden von anderen Sammlern als Leihgaben zur Verfügung gestellt. „Da sind echte Raritäten zu sehen“, betont sie. Seit Herbst letzten Jahres stellt sie die Präsentation zusammen. „Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit darin steckt, hätte ich das Projekt vielleicht nicht begonnen.“ Die Schau ist didaktisch sehr anschaulich aufgebaut – was nicht überrascht, denn Susanne Kraft arbeitet hauptberuflich als Produktentwicklerin beim gleichnamigen Anbieter von Bildungsmaterialien in Kirchberg an der Jagst. „Menschen zum Nachdenken anzuregen und Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, das ist meine Leidenschaft“, beschreibt sie ihre Herangehensweise. th

