Kurz vor Weihnachten besuchte die Sternengruppe des evangelischen Kindergartens Langenburg das Café Bauer. Dafür haben sie nun einen Preis der Handwerkskammer erhalten.
Etwa 20 Kinder der Sternengruppe übernehmen vor Weihnachten die Backstube des Café Bauer in Langenburg, um zu lernen, wie Lebkuchen gebacken werden. Juniorchefin Irina Förster, die selbst Kinder im Kindergartenalter hat, bereitete alles kinderfreundlich vor. So hat sie beispielsweise ein Podest aufgestellt, damit die Kleinen überhaupt auf die Tischplatte sehen konnten. Dort lernten sie die verschiedenen Zutaten und Gewürze kennen. Sie durften daran riechen, anfassen und sie probieren. Zitronat, Orangeat, Muskatnuss, Nelken, Anis, Ingwer, Kardamom, Zimt und natürlich Mehl und Honig verströmten ganz unterschiedliche Gerüche, die viele Kinder so noch nicht kannten. Dann wurde gebacken: Zunächst wurde der Teig gerührt und mit einer großen Maschine ausgerollt, was die Kinder am meisten faszinierte. Anschließend wurde er zu Lebkuchen geformt und in den mächtigen Backofen geschoben. Nachdem die Lebkuchen fertig gebacken und ausgekühlt waren, kam die ganze Ladung in den Kindergarten. „Gegessen haben wir die Lebkuchen zu Hause“, erzählten die Kinder noch heute mit leuchtenden Augen.
Alle hatten bei der Aktion viel Spaß und lernten etwas über den Beruf der Konditorin. Genau das ist die Idee hinter der Aktion „Kleine Hände, große Zukunft“ der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Im Rahmen eines Kita-Wettbewerbs können Kindergarten-Gruppen in unterschiedliche Handwerksberufe eintauchen. Die Kinder sollen erleben, was es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, und erfahren, wie spannend Handwerksberufe sein können.
Im Anschluss an den Besuch gestalteten die Kinder zusammen mit den Erzieherinnen ein Plakat, das bei der Handwerkskammer eingereicht wurde. Darauf sind die Zutaten zu sehen und wie der Teig weiterverarbeitet, dekoriert und schließlich gebacken wurde. Barbara Schmelz, die Leiterin des evangelischen Kindergartens in Langenburg, freute sich über die Aktion: „Das Café Bauer hat alles ganz toll vorbereitet und sich ganz auf die Kinder eingestellt.“
Zunächst gab es eine Absage: Der Kindergarten kam beim Landesentscheid leider nicht zum Zug. Die Trauer war jedoch nur von kurzer Dauer, denn für die Handwerkskammer Heilbronn-Franken war das Plakat der Sieger in der Region. Bei der Übergabe des gläsernen Pokals war Präsident Ralf Rothenburger voll des Lobes: „Die Aktion war gut gemacht.“ Der Kindergarten erhielt außerdem einen Scheck über 300 Euro für die Anschaffung von Spielen. Die Kinder freuten sich über Memory-Spiele und Malkreide, die sie sofort ausprobierten. Für Konditormeisterin Irina Förster war der Preis eine „schöne Überraschung“. Ralf Rothenburger dankte ihr dafür, dass sie mit ihrem Betrieb an der Aktion teilgenommen und „Sie den Kindern das Handwerk nähergebracht haben”.
Im Gespräch mit dieser Zeitung macht der Handwerkspräsident die aktuelle Situation der Branche deutlich: „In den nächsten Jahren stehen allein in unserem Bezirk 3.000 Betriebe vor dem Generationswechsel.“ Es würden Menschen gebraucht, die die Unternehmen weiterführen wollten. Oft werde die Nachfolge innerhalb der Familie geregelt. Falls das nicht gelinge, übernehme eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter. Aber auch das ist nicht immer möglich, sodass ein externer Handwerker gesucht wird. Andernfalls müsse der Betrieb seine Pforten schließen. Und den Menschen fehle ein weiterer fachlich versierter Ansprechpartner direkt vor Ort, bekräftigt Ralf Rothenburger, der Geräte fachgerecht reparieren und Arbeiten professionell ausführen kann
Anfang des Monats hat die Handwerkskammer 189 jungen Menschen den Meisterbrief überreicht. Damit haben sie gezeigt, dass sie eine anspruchsvolle Weiterbildung erfolgreich gemeistert und damit ihre Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung unter Beweis gestellt haben. Auch wenn es abgedroschen klingen mag, das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ gilt immer noch, erzählt der Elektromeister. Das haben auch mehr Jugendliche als in den Vorjahren gemerkt und eine Ausbildung in einem der rund 130 Berufe begonnen. Auch wenn es nach wie vor einen Mangel an qualifizierten und interessierten Fachkräften gäbe, könnten nicht alle Bewerberinnen und Bewerber genommen werden. Oft fehle es an den wichtigsten Voraussetzungen: Motivation, handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und die Bereitschaft zu lernen. Deshalb sei es wichtig, Kinder schon früh spielerisch mit den Berufen des Handwerks in Berührung zu bringen, wie beim Kita-Wettbewerb „Kleine Hände, große Zukunft“, betont Handwerkspräsident Ralf Rothenburger. th

