Gerabronn begeht am Wochenende das 800-jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Das vielfältige Programm bietet für jeden etwas – vom lockeren Tag der offenen Tür bis zum offiziellen Festabend.
Die letzten mindestens 800 Jahre waren für Gerabronn nicht immer einfach: Zunächst war der Ort ein Anhängsel von Langenburg (1226), wurde dann 1399 Teil der Burggrafschaft Nürnberg und einige Verpfändungen später 1530 der Markgrafschaft Ansbach zugeschlagen. In dieser Zeit entwickelte sich Gerabronn zu einem Verwaltungs- und Gerichtssitz. 1792 kamen die Preußen und 1805 die Bayern. Schließlich tauschten sie den Ort im Jahr 1811 mit dem König von Württemberg, um den Grenzverlauf zu arrondieren. Ab diesem Zeitpunkt ging es für die Oberamtsstadt aufwärts, der Ort florierte und es wurden etliche Betriebe, Genossenschaften, Schulen und Banken gegründet. Das Mühlengebäude der Schüle Hohenlohe dominiert bis heute die Gerabronner Skyline. 1900 wurde Gerabronn an das Eisenbahnnetz und damit gefühlt an die Welt angeschlossen.
„Wir wollen uns als Stadt feiern“, gibt Heidegret Mayer, die erste stellvertretende Bürgermeisterin, die Parole für das kommende Wochenende aus. Die Planungen haben vor einem Jahr begonnen. Schon bei den ersten Treffen zwischen der Stadt, den Vereinen und weiteren Institutionen war klar: Alle Gerabronner Bürgerinnen und Bürger sollten etwas von dem Fest haben. Nicht die „üblichen Verdächtigen“ sollten das ganze Wochenende beschäftigt sein, wie es Heidegret Mayer formulierte, sondern Jeder sollte Zeit zum Feiern haben. Darum wurde für das Festzelt ein Caterer engagiert, der für Getränke und Essen zu moderaten Preisen sorgt. „Das ist uns wichtig“, macht sie klar. Der Termin wurde festgelegt und die Verträge sowie die groben Ablaufpläne wurden Ende letzten Jahres fix gemacht. Die Detailplanungen sollten nach Fasching beginnen.
Nach dem Unfalltod von Bürgermeister Christian Mauch im Februar „war erst einmal die Luft raus“, berichtete die erste stellvertretende Bürgermeisterin von der schwierigen Situation. Sogar die Absage der Jubiläumsfeierlichkeiten stand im Raum. „Wir waren uns aber schnell einig, dass das Fest eine Herzensangelegenheit von Christian Mauch war und wir es deshalb feiern werden.“
Schon das ganze Jahr über standen viele Veranstaltungen unter dem Motto des 800-Jahr-Jubiläums. So hat der Historische Arbeitskreis beispielsweise eine Reihe von Ausstellungen, Vorträgen und Filmvorführungen geplant (wir berichteten). Heidegret Mayer bescheinigt Ordnungsamtsleiterin Silvia Nagel, die Festivitäten „ganz großartig organisiert“ zu haben. „Alles läuft über ihren Schreibtisch.“ Zunächst hatte die Verwaltungsmitarbeiterin großen Respekt vor der Aufgabe. „Doch nun freut sie sich auf das Wochenende“, weiß die erste stellvertretende Bürgermeisterin zu berichten. „Bei allen Beteiligten ist das Gefühl da, dass es gut wird.“
Der Freitag beginnt im Festzelt an der Stadthalle mit „gepflegter Musik“ (Heidegret Mayer) der Band „Fresh & Cool“. Dabei sei „einfach Abtanzen“ angesagt. Das Repertoire der Band umfasst unter anderem Tribute-Blöcke mit Musik von ABBA, Motown-Klassikern, Songs aus dem Musical- und Disco-Film „Saturday Night Fever“ sowie Hits von Robbie Williams. Die Formation tritt in großer Live-Besetzung auf und verbindet verschiedene Musikrichtungen zu einem abwechslungsreichen Abend.
Am Samstag sind ab 11 Uhr viele Türen in der ganzen Stadt geöffnet. Die Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, Orte kennenzulernen, die normalerweise verschlossen sind. So laden beispielsweise der Torturm, der Wasserturm, die Schüle und das Rathaus zu einem Blick hinter die Kulissen ein. Viele Unternehmen freuen sich auf Interessierte. Auch Kindergärten, Schulen und Vereine haben Aktionen vorbereitet. Am Spielplatz beim Torturm bieten Kirchengemeinden, Begegnungsstätten, diakonische Vereine und Naturschützer ein lockeres Programm für Familien. Die Gerabronner Architektin Monique Staack hat Plakate gestaltet, die markante und das Stadtbild prägende Gebäude erläutern.
Der Festabend beginnt um 20 Uhr mit Grußworten von Heidegret Mayer, der ersten stellvertretenden Bürgermeisterin, und Jonas Mauch, dem gewählten, aber noch nicht eingesetzten Bürgermeister. Für die musikalische Unterhaltung sorgen die Stadtkapelle und ein Projektchor, die „Schdägeles Dräwer“ aus Dünsbach sowie die Theatergruppe Michelbach treten auf. Hans-Ulrich Sanke vom Historischen Arbeitskreis wird in einem kurzen Referat die Geschichte Gerabronns Revue passieren lassen. Ansonsten sind Gespräche angesagt. „Wir haben eine gute Resonanz auf diesen Abend und erwarten viele Gäste“, betont Heidegret Mayer.
Am Sonntag findet um 10 Uhr ein ökumenischer Festgottesdienst im Festzelt statt. Nach dem Mittagessen folgt ein buntes Unterhaltungsprogramm mit Beiträgen der Stadtkapelle, der Musikschule, der Kindergärten und der Schulen. An allen drei Tagen ist ein Vergnügungspark neben dem Festzelt geöffnet. In der Zwischenzeit ist auch die geheimnisvoll angekündigte Überraschung klar: Christian Mauch hat bereits im Herbst ein Riesenrad organisiert. th


