Klare Strategie ist das Ziel

Neues Stadtmarketing soll die Vorteile in den Vordergrund rücken

Die Aussagen der befragten Bürger sind wenig positiv: Zu viele Leerstände in der Innenstadt, Crailsheim hat wenige echte Highlights und eine zentrale Plattform für die Koordina-
tion der verschiedenen Aufgaben fehlt. Ein neu gegründeter Stadtmarketingverein soll es richten.

Seit Langem gärt in Crailsheim bei Bürgern, Unternehmern und nicht zuletzt bei potenziellen Kunden eine gewisse Unzufriedenheit mit den vorhandenen Strukturen und Angeboten. Bisher gab es den Handels- und Gewerbeverein, der schon 1840 gegründet wurde. Quasi als Unterstruktur wurde die Werbegemeinschaft „Shopping in Crailsheim“ ins Leben gerufen. Sie veranstaltet Events und hat sich der Förderung des Einkaufserlebnisses verschrieben. Um die Zufriedenheit zu erhöhen, wurde im Juli 2016 vom Gemeinderat beschlossen, ein Stadtmarketing-Konzept aufzubauen, das die Vermarktung der Gesamtstadt zum Ziel hat.

Basis der Überlegungen war eine Kundenbefragung, an der im Herbst 2016 über 1600 Menschen teilnahmen – viel mehr als in Städten dieser Größenordnung zu erwarten war, so die Imakomm Akademie, das beteiligte Institut für Marketing und Kommunalentwicklung. Bei den Recherchen stellten die Fachleute auch fest, dass Crailsheim auf eine positive Bevölkerungsentwicklung zurück- und vorausschauen kann. Einzig der im Vergleich zu anderen Kommunen etwas niedrigere Anteil an Jugendlichen und die leicht unterdurchschnittliche einzelhandelsrelevante Kaufkraft sahen die Fachleute als etwas kritisch an.

Die Befragten monierten in der Innenstadt Branchenlücken im Bereich Elektrowaren, Spielwaren und „junge Bekleidung“ sowie den fehlenden Lebensmittelmarkt. Auch sei die Außendarstellung verbesserungswürdig und ein einheitliches Konzept bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes fehlt. Die Bürger wünschen sich darüber hinaus mehr Veranstaltungen und auch deren Vielfalt sei ausbaufähig. Der Werbeslogan für Crailsheim „Alles, was Stadt braucht“ sei austauschbar und von der Bevölkerung nicht akzeptiert.

Auf dieser Grundlage entwickelte das Institut zusammen mit den Gewerbetreibenden und der  Stadtverwaltung ein Stadtmarketingkonzept: Mitte Oktober wurde von 54 Interessierten ein Verein gegründet, bei dem Heribert Lohr zum Vorsitzenden gewählt wurde. Der Verein, der jeweils zur Hälfte durch die Mitglieder und die Stadt getragen wird, soll sich um die professionelle Vermarktung Crailsheims kümmern. Dafür wird die Stelle eines Geschäftsführers in Vollzeit eingerichtet und ausgeschrieben. Die Stadt unterstützt den Verein pauschal mit 65000 Euro. Die inhaltliche Arbeit findet in Arbeitskreisen statt, die als Ideenschmieden und Umsetzungsorgane dienen sollen. Es können im Verein nicht nur Händler Mitglied werden, sondern auch Industrieunternehmen, Vereine, Privatleute und auch Interessierte aus anderen Städten und Gemeinden. Trotz des hohen finanziellen Aufwands wird der Stadtverwaltung keine Sonderrolle eingeräumt: Sie erhält keine erweiterten Stimmrechte, allerdings einen Stellvertreterposten. Sie schickt in den erweiterten Vorstand zwei Personen aus der Verwaltung. Um keine Doppelstrukturen am Leben zu erhalten, werden der Handels- und Gewerbeverein sowie die Werbegemeinschaft zum Ende des Jahres aufgelöst.

Als erste Maßnahmen sehen die Planungen neben der Entwicklung eines modernen, zielgruppenorientierten Vermarktungskonzepts die bessere Vernetzung der Akteure und die Nutzung der vorhandenen Potenziale vor. Später sollen weitere Aspekte hinzukommen, wie beispielsweise die Entwicklung der Langen Straße zu einem Bereich mit einem besonderen Profil, die Erhöhung der „Aufenthaltsqualität“ mit Sitzgelegenheiten und grünen Bereichen sowie eine zielgruppenorientierte Anpassung des Veranstaltungsangebots. Damit wird die „Stadt der Türme“ in Zukunft für Bürger und Besucher deutlich attraktiver werden. th

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