Ebbes aus Hohenlohe

„Menschen, Autos und Geschichte“ weiter ausbauen

Das Automuseum in Langenburg hat einen neuen Vorsitzenden. Klaus Groninger will die Konzeption überarbeiten und neue Veranstaltungen anbieten.

In 52 Jahren nur drei Vorsitzende? Beim Trägerverein des Deutschen Automobilmuseums in Langenburg herrscht Kontinuität: Der Gründungsvorsitzende Fürst Kraft zu Hohenlohe-Langenburg etablierte zusammen mit dem Motorsportjournalisten und Rennfahrer Richard von Frankenberg 1970 das erste Museum seiner Art in Deutschland. 2003 übernahm sein Sohn Philipp die Führung des Vereins. Seit Anfang April lenkt nun Klaus Groninger die Geschicke. „Das ist ein Generationswechsel“, lacht Fürst Philipp, „von einem 52- zu einem 57-Jährigen“.

Klaus Groninger hat seit Längerem eine sehr enge Beziehung zum Motorsport und zu Oldtimern: Er war einer der Gründer und Organisatoren der Langenburg Historic (vormals Langenburg Classic). Die Veranstaltung, die 2001 das erste Mal in Langenburg stattfand, etablierte sich schnell zu dem Treffen von Oldtimer- und Motorsportfreunden in Hohenlohe. Mit dieser Expertise übernahm der Geschäftsführer im Würth-Konzern nun die Aufgabe, das Automobilmuseum in die Zukunft zu führen.

„Die neuen Ideen, die wir jetzt umsetzen, sind im Team entstanden“, betont der neue Vorsitzende. Zum 50. Geburtstag wurden 2020 Vorschläge gesammelt und ausgearbeitet, letzte Woche erfolgte mit der ersten Veranstaltung der Startschuss. Unter der Überschrift „Castle & Cars“ soll es immer wieder Treffen in Langenburg geben, wie beispielsweise „Castle & Cars meets Friends“: Jeweils an einem Donnerstagabend im Monat – so die Planungen – können Old- und Young-Timer-Freunde gemeinsam mit Gleichgesinnten den Tag in Langenburg ausklingen lassen, natürlich nach einer kleinen Runde mit ihrem Auto durch die schöne Hohenloher Landschaft, „als Fahrt in den Sonnenuntergang“, erläutert Fürst Philipp schmunzelnd die Idee. Beim ersten Treffen zog es die Besitzer von Oldtimern, klassischen Sportwagen und Hypercars quasi als Saisoneröffnung vor die bewirtschaftete Remise am Langenburger Schloss. So stand auf dem Parkplatz beispielsweise ein alter 2CV („Ente“) von Citroën Seite an Seite mit dem neuesten Porsche. Schnell entwickelten sich „Benzingespräche“ zwischen Autobegeisterten, die sich durch die Pandemie seit Jahren nicht mehr gesehen haben.

„Wir wollen auch die Museumskonzeption nach und nach überdenken“, erzählt Klaus Groninger, „und so die Attraktivität steigern“. Das bisherige Motto „Menschen, Autos und Geschichte“ passe nach wie vor. „Bisher wurden viele einzelne Dinge im Museum erzählt, aber der Zusammenhang fehlte.“ Für den neuen Vorsitzenden könnte die für die Region prägende Mobilität die Klammer sein. Durch sie sei Hohenlohe zum Wohlstand gekommen, „das gilt sowohl für die Unternehmen und als auch die Bewohnerinnen und Bewohner“, betont er. Das Automobil habe sich zum Rückgrat der deutschen Industrie entwickelt. So brachte die Autobahn 6 Produzenten und Kunden in der Region schneller zusammen. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien dadurch flexibler geworden. Die verschiedenen Verkehrsmittel sind auch im Museum zu finden: Die Kutsche, mit der die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria 1909 bei ihrem Besuch der Verwandtschaft in Langenburg fuhr, ist genauso zu sehen, wie der Mercedes, mit dem Königin Elisabeth II. 1965 nach Langenburg kam.

Fürst Philipp konkretisiert die Überlegungen: „Das Konzept ,Türe auf, 6,50 Euro bitte‘ ist passé. Wir möchten immer wieder eine neue Geschichten erzählen.“ So etwa über den Mitgründer des Museums, den Rennfahrer Richard von Frankenberg, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Auch bei den Autofirmen kommt dieses Konzept an: „Bei AMG und bei Porsche haben sich Türen für uns geöffnet“, freut sich Klaus Groninger. Vieles sei durch die Corona-Pandemie eingeschlafen und jetzt starte es wieder neu. „Die Menschen werden wieder aktiv“, ist sich auch Fürst Philipp sicher. „Sie sehnen sich nach Geselligkeit und wollen gemeinsam ihr Hobby erleben und sich austauschen.“ Die erste Veranstaltung habe gezeigt, dass die neuen Ideen durchaus geschätzt werden.

Zur Mobilität gehöre heute nicht mehr nur der historische 12-Zylinder-Motor, sondern auch die Klimaneutralität, erklärt Klaus Groninger. So werde es neben den klassischen Veranstaltungen mit alten und neuen Autos auch einen E-Mobility-Tag am 26. Juni geben: Bei dieser Gelegenheit zeige das Energiezentrum Wolpertshausen in Zusammenarbeit mit dem Automuseum auf Schloss Langenburg die neuesten Entwicklungen bei E-Fahrzeugen. „Außerdem wollen wir mit unseren Events CO2-neutral werden:“ Das Automuseum werde am Ende des Jahres eine CO2-Bilanz erstellen und sie ausgleichen – dabei werde nach und nach ein „Castle & Cars“-Wald entstehen, stellt der Vorsitzende in Aussicht.

Weitere Ideen seien Kunst und Autos miteinander zu verbinden, „oder mit gutem Essen“, denkt Fürst Philipp laut nach: „Hohenlohe hat deutschlandweit die höchste Dichte von Biobauern, die hervorragende Nahrungsmittel produzieren.“

Als nächstes Event steht am Sonntag, 8. Mai, der „Castle & Cars“-Motorsporttag an: Auf dem Gelände werden 250 Oldtimer, klassische Sportwagen und neue Hypercars zu sehen sein. Um 13.30 Uhr gibt es ein hochkarätig besetztes Podium: Die Rennfahrer Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck, Leopold Prinz von Bayern und Karl Wendlinger sowie der ehemalige Mercedes Motorsportchef Norbert Friedrich Haug erzählen dem Motorsport-Journalisten Michael Petersen Geschichten aus ihrem Leben. „Schon in der ersten Stunde hatten wir 100 Rückmeldungen von Autobesitzern, die am Sonntag nach Langenburg kommen wollten“, stellt Klaus Groninger voll positiver Erwartungen fest. th

Klaus Groninger (rechts) löst Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg als Vorsitzender des Deutschen Automuseums in Langenburg ab.
Ein aktueller Porsche neben einer historischen Ente: Besitzer von alten und neuen Fahrzeugen treffen sich bei den verschiedenen Veranstaltungen von „Castle & Cars“ auf Schloss Langenburg.

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