Ebbes aus Hohenlohe

Der Frosch muss gehen

Ein Abfalleimer wird abgebaut, weil er zweckentfremdet wurde.

Große Aufregung in Langenburg: Der Frosch, der seit 2004 auf dem Marktplatz stand, ist verschwunden. Sogar von „Kunstraub“ ist die Rede. Das Tier aus Beton ist eigentlich ein Mülleimer, den eine Anwohnerin gespendet hatte. Die grüne Froschskulptur hat das Maul weit aufgerissen und bedankte sich ursprünglich für den Einwurf kleiner Abfälle. Gestaltet wurde die Figur von der Künstlerin Susanne Rudolph aus Bächlingen. Unterstützt wurde das Projekt von der Firma Schubert in Crailsheim, der „Bürgerinitiative Frosch“ und Schülern des Technischen Gymnasiums Crailsheim, die die Sprachelektronik entworfen und gebaut hatten. Sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Touristen erfreuten sich an dem Kunstobjekt, das brav und höflich „Danke“ sagte. Doch inzwischen ist die Elektronik defekt und der Frosch seit Jahren stumm.

Nun beschwerten sich einige Einwohnerinnen und Einwohner, dass der Frosch „in einer Nacht- und Nebelaktion und ohne jegliche Ankündigung und Absprache eigenmächtig vom Langenburger Bauhof abgebaut“ wurde. „Mich bedrückt der recht rabiate und gedankenlose Umgang städtischer Angestellter mit einem praktischen und heiteren Kunstwerk, das einst aus reiner Eigeninitiative, Mäzenatentum und Bürgersinn entstand und der Stadt außer dem Leeren des eingebauten Mülleimers keine Kosten und Mühen verursacht hat“, hieß es in einer E-Mail.

Und genau in diesem letzten Punkt liegt das Problem: Durch die große Öffnung konnte leicht privater Restmüll entsorgt werden, erklärte Bürgermeisterin Petra Weber. „Deshalb wurde schon vor meiner Wahl beschlossen, den Mülleimer abzubauen, und jetzt hat der Bauhof gehandelt.“ Die Mitarbeiter haben den Frosch auf ihrem Betriebsgelände zwischengelagert, „wir werden eine neue Verwendung für ihn finden“, ist sich die Bürgermeisterin sicher.

Bauhofleiter Ralph Gruber nannte weitere Hintergründe: „Seit eineinhalb bis zwei Jahren haben wir mehrmals pro Woche private Müllsäcke in den Abfallbehältern gefunden“. Es könne nicht Aufgabe der Stadt sein, diesen Unrat zu entsorgen. „Das ist einfach ärgerlich und nicht fair.“ Auch Lebensmittelkartons, die in den umliegenden Gaststätten gekauft wurden, landeten in der großen Öffnung. „Die Leute missbrauchten den Mülleimer, der eigentlich für andere Zwecke gedacht ist und nun haben wir die Notbremse gezogen.“ Der Frosch, der auch nicht mehr schön anzusehen ist, soll restauriert und an anderer Stelle wieder aufgestellt werden. th

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