Ebbes aus Hohenlohe

Hilfe für gefährdete Art

Die Forelle gehört zu den Fischen, die vom Klimawandel besonders stark betroffen sind. Willi Böhmike aus Kirchberg setzt regelmäßig Jungfische in den Esbach ein.

„In einem Bächlein helle/Da schoss in froher Eil/Die launische Forelle/Vorüber, wie ein Pfeil.“ Das Lied von Franz Schubert mit dem Text von Christian Friedrich Daniel Schubart gehört zu den bekanntesten klassischen deutschen Liedern. Es besingt einen der populärsten Süßwasserfische. Doch die Forelle ist bei der Wahl ihres Lebensraumes sehr anspruchsvoll: Sie bevorzugt sommerkühle, sauerstoff- und strukturreiche, schnell fließende Gewässer. „Die Wassertemperatur darf im Sommer nicht über 18 Grad steigen“, weiß Willi Böhmike, „sonst stellt der Fisch die Nahrungsaufnahme ein.“ Der Kirchberger ist passionierter Angler. Bei seinem Hobby gehe es ihm aber nicht darum, möglichst viele Fische aus dem Wasser zu ziehen, sondern vor allem, die Natur zu genießen.

Deshalb hat er den Esbach gepachtet: Das Gewässer hat sich zwischen Gaggstatt und Kirchberg eine Schlucht gegraben und fließt unbeachtet neben der stark befahrenen Straße. Die Quelle befindet sich westlich von Rot am See-Oberwinden. Von dort schlängelt sich der Bach gut sechs Kilometer bis zur Jagst. Ab dem Zusammenfluss mit dem Eselbach mitten in Gaggstatt – das Bächlein kommt aus Richtung Niederwinden – wird der Esbach in manchen Karten auch als Steinbach bezeichnet.

Der Bach sei das ideale Gewässer für die Forelle, erklärt Willi Böhmike, Wassertemperatur, Beschattung und Strömung stimmten. Allerdings hätten es die Fische schwer, im Bachbett Laichgruben anzulegen. Die regelmäßigen Hochwasser schwemmen den lockeren Kies, den sie dafür benötigen, einfach weg. Die Tiere landen dann ebenfalls oft in der Jagst. Um den großen und standorttreuen Fisch dennoch im Bach anzusiedeln, setzt Willi Böhmike zusammen mit seinem Sohn Felix seit vielen Jahren Jungfische ein. „Von den jeweils rund 2000 kleinen Fischen bleiben am Ende vielleicht 20 übrig, die groß werden.“

Für diese Fische interessiert sich der Angler: Er fängt sie im Esbach, wenn sie groß genug sind und anfangen, die Jungforellen zu fressen. „Im Herbst habe ich ein Prachtexemplar herausgezogen, 52 Zentimeter lang und eineinhalb Kilo schwer“, erzählt er stolz und zeigt ein Foto der Forelle mit ihren feinen roten Punkten. Sieben bis acht Jahre braucht sie, um so groß zu werden, schätzt der Angler. Wenn ihm ein solcher Fang gelingt, kommt er direkt auf den Grill – „ich sammle keine Fische in der Tiefkühltruhe“, betont er. 25 Jahre lang beschäftigte sich der 62-Jährige beruflich mit Betonabbruch, Betonsägen und Betonbohren. Jetzt zieht er sich nach und nach aus dem Tagesgeschäft zurück und nimmt sich mehr Zeit für sein Hobby.

In diesen Tagen haben er und sein Sohn die Jungfische in Plastiktüten erhalten. Die geschlüpften Larven haben sich bisher von ihrem Dottersack ernährt und können nun in den Bach eingesetzt werden. Zunächst wird das Wasser in den Tüten langsam auf die Temperatur des Esbachs heruntergekühlt – derzeit sind es acht Grad. „Dabei müssen wir sehr vorsichtig sein, sonst gehen die kleinen Fische sofort ein“, erklärt Willi Böhmike die Vorgehensweise. Mit einer Gießkanne verteilen Vater und Sohn die zappelnden Tiere dann im gesamten Bachlauf.

Im Wasser finden die Fische genügend Beute: Das Wasser ist so sauber, dass sich dort zum Beispiel Wasserlibellenlarven, Bachflohkrebse und Eintagsfliegenlarven tummeln – ein gefundenes Fressen für die kleinen Forellen. Zwischen den großen Steinen finden die heranwachsenden Fische genügend Versteckmöglichkeiten. Der Esbach fließe über viele hundert Meter in einem sehr natürlichen Bett, sagt der 62-Jährige. Die waagerecht liegenden Muschelkalkplatten bilden natürliche Treppen, über die das Wasser sprudelt und sich mit Sauerstoff anreichert. Selbst in der wasserarmen Jahreszeit fällt der Bach nicht trocken und bietet mit seinen tiefen Gumpen genügend Lebensraum für die Forellen.

„Es ist ein nettes Hobby, eine Spielerei“, sagt er selbst über seine Tätigkeit. Er genießt es, in der Natur und an der frischen Luft zu sein. Denn der Bach verlangt nach Pflege: Er muss gesäubert werden, Müll und Äste, die das Wasser stauen können, müssen regelmäßig aus dem Bach geholt werden. Pachten konnte er das Gewässer, weil er es nachhaltig bewirtschaftet, „das ist dem Eigentümer wichtig“. Obwohl der Bach direkt neben der Straße Rot am See – Kirchberg verläuft, ist er sehr schwer zugänglich. Spaziergänger oder Wanderer kämen kaum ans Ufer.

Die Forellen, die bei Hochwasser in der Jagst landen, haben laut Willi Böhmike kaum eine Überlebenschance: Im Sommer wird der Fluss über 18 Grad warm und die fehlende Beschattung tut ihr Übriges. Die Biber fällen die Bäume, die Forellen können sich nicht mehr vor ihren Fressfeinden wie Reihern oder Kormoranen verstecken. Außerdem ist es dem 62-Jährigen wichtig zu betonen, dass die Jagst eigentlich kein geeignetes Gewässer für die Forelle sei: Sie fließe viel zu langsam und sei sauerstoffarm. Nicht nur in der Jagst zählt der Fisch deshalb seit Anfang des Jahres zu den gefährdeten Arten, auch bundesweit ist sie auf der Roten Liste.

Willi Böhmike hofft, dass er sich noch lange an den Forellen im Esbach erfreuen kann, so wie sie in Schuberts Lied besungen werden: „Ich stand an dem Gestade/Und sah in süßer Ruh/Des muntern Fisches Bade/Im klaren Bächlein zu.“ th

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