Franziska Schumm aus Blaufelden arbeitet als Pflegerin. Derzeit befindet sie sich in Elternzeit. Nebenbei näht sie für soziale Projekte Kleidung aus gebrauchten Stoffen.
Ob Shirts mit bunten Löwenköpfen, Mützen mit farbigen Blumen, Hosen mit lustigen Zeichnungen oder Lätzchen, Halstücher und Haarklammern – bei Franziska Schumm ist alles auf kleine Mädchen und Buben eingestellt. Oft sind die Kleidungsstücke aus neuen Stoffen, aber sie verarbeitet auch Altkleider und schenkt den Stoffen so eine zweite Chance.
Nach der Schule arbeitete die Blaufelderin zunächst als pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte in einer Apotheke. Später war sie in einem Altenheim tätig, bis ihr erstes Kind geboren wurde und sie in Elternzeit ging. „Da ich schon immer kreativ war, habe ich gehäkelt, gemalt und gezeichnet.“ Sie hatte nun mehr Zeit, so kam sie auf die Idee, mit dem Nähen anzufangen. „Ich lernte das in der Schule, aber das war zwanzig Jahre her.“ Sie kaufte sich eine professionelle Overlock-Nähmaschine und arbeitete sich durch Learning by Doing ein. „Das hat geklappt“, erzählt die heute 39-Jährige.
Sie näht nicht nur für ihre eigenen Kinder, sondern auch für den Rest der Familie, Bekannte und Nachbarn. Zur Geburt oder zu sonstigen Gelegenheiten schenkt sie ihnen selbstgenähte Kleidungsstücke. Besonders beliebt sind Strampelanzüge, Pucksäcke und Hosen mit Gummizug. „Ich habe meine eigenen Schnittmuster entwickelt und sie an die benötigte Größe angepasst.“ Die Begeisterung der Beschenkten ist groß und viele rieten Franziska Schumm, sich doch selbstständig zu machen. „Ich wollte das Nähen aber als Hobby betreiben.“ Allerdings ist es ihr wichtig, etwas Sinnvolles damit zu verbinden.
Im August 2023 fand sie im Internet eine Anzeige einer sozialen Organisation aus Osnabrück, die eine kreative Näherin suchte. Die Aufgabe war, gebrauchte Kleidung zu upcyceln, Materialien vor der Abfalltonne zu retten, die Umwelt zu schützen und Gutes für andere Menschen zu tun. Franziska Schumm schickte zunächst einige Muster in den Norden und hörte einige Monate lang nichts mehr. Auf Nachfrage erfuhr sie, dass ihre Stücke die besten waren. Man wurde sich schnell handelseinig: Sie erhielt die gebrauchten, verschmutzten und zerrissenen Kleidungsstücke und verwandelte sie auf ehrenamtlicher Basis in Strampler, Shirts und Hosen. Sie wurden in den Läden der Organisation verkauft. Im November 2025 wurde der humanitäre Träger allerdings insolvent.
Doch Franziska Schumm wollte weiterhin mit ihren selbst genähten, individuellen Kleidungsstücken anderen Menschen etwas Gutes tun und fand in der Region einen neuen Partner. Für das caritative Unternehmen fertigt sie seit Februar wie bisher Kleidungsstücke aus alten Stoffen – nun aber als Selbstständige.
„Mit Erinnerungskissen mache ich vielen Kindern, aber auch Familienangehörigen eine große Freude“, erzählt sie. Aus nicht mehr passender Kleidung von Babys oder Kindern fertigt sie große Kissen, die aus verschiedenen Teilen der zu klein gewordenen Lieblingsstücke bestehen. Auch aus Hemden, Pullovern und Kleidern von Verstorbenen lässt sich so eine bleibende und sichtbare Erinnerung schaffen.
Durch Zufall stieß Franziska Schumm auf Kinder mit einem Hickman-Katheter. Diese müssen darauf achten, dass der Zugang nicht nass wird. Über diesen Port, der sich meist am Oberkörper befindet, erhalten die Kinder regelmäßig Medikamente. Die Eltern ziehen den Kindern meist ein Shirt an, „das mehr einer Zwangsjacke als einem Kleidungsstück gleicht“, meint sie. Es sei eng und mit Druckknöpfen versehen, sodass den Kindern nur wenige Bewegungsmöglichkeiten blieben. „Außerdem muss ein solches Kleidungsstück nicht wie ein Krankenhemd aussehen.“ Der Ehrgeiz von Franziska Schumm war geweckt. Sie suchte einen wasserabweisenden Stoff, aus dem sich zweckmäßige und schön anzusehende Shirts fertigen ließen. Sie wurde fündig und näht die angenehmen Oberteile jetzt individuell für Kinder und Jugendliche. Sie werden auch bei künstlichen Darmausgängen oder großflächigen Wunden eingesetzt. Die „Beschützer-Shirts“ erleichtern es Eltern, ihre Kinder im Sommer auch einmal mit Wasser spielen zu lassen, ohne dass diese gleich nass werden. Dafür erhält sie viele positive Rückmeldungen: „Die Dankbarkeit ist groß“, erzählt sie bewegt.
Ihre beiden Kinder – eine fünfjährige Tochter und ein dreijähriger Sohn – sind stolz auf die Sachen, die ihre Mutter für sie näht. Selbstverständlich „bestellen“ sie auch schon mal ein Shirt aus einem gerade gelieferten neuen Stoff. „Es macht mir einfach Spaß zu sehen, wie aus einem Stück buntem Textil etwas entsteht“, erklärt sie. Dabei ist es ihr wichtig, dass die Kinder „nicht wie Clowns herumlaufen“, sondern dass die Farben und Muster der verschiedenen Stoffe aufeinander abgestimmt sind. „Es freut mich, wenn ich damit anderen Menschen eine Freude machen kann.“ Die Bezahlung sei dabei zweitrangig: „Der soziale Aspekt ist mir wichtig“, betont Franziska Schumm. th


