Ebbes aus Hohenlohe
Übereinstimmung mit bekannten Anlagen

Übereinstimmung mit bekannten Anlagen

Das „Rätsel von Unterregenbach“ wird immer weiter gelüftet. Die Untersuchungen der gefundenen Tierknochen bestätigen die Vermutung eines Klosters. Die Fachwelt war jedoch von besonderen Überbleibseln überrascht.

Die Ausgrabungen in Unterregenbach bei Langenburg beschäftigen die Experten seit vielen Jahren. Bereits im 19. Jahrhundert wurden erste Mauerreste entdeckt. In dem kleinen Ort im Jagsttal sind seitdem eine ungewöhnlich große Kirche, Vorgängerbauten der heutigen Pfarrkirche St. Veit sowie die Überreste eines möglichen Herrensitzes und einer Befestigungsanlage gefunden worden. Die Ursprünge wurden zunächst auf das 8. oder 9. Jahrhundert datiert. Die Basilika war zu ihrer Zeit einer der größten Sakralbauten Württembergs.

Inzwischen kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Anlage bereits im 7. Jahrhundert existierte, wie die Datierung von menschlichen Überresten ergeben hat. Während man bisher davon ausging, dass sich eine wohlhabende Familie in Unterregenbach eine Begräbniskirche baute, ergab die DNA-Analyse, dass die dort begrabenen Menschen eher weitläufig miteinander verwandt waren.

In der Fachwelt wird noch immer diskutiert, welchem Zweck die Kirchen und der Herrensitz dienten. Doktorand Moritz Foth (Landesamt für Denkmalpflege/Universität Tübingen) beschäftigt sich seit 2022 mit den Artefakten aus den 1970er- und 1980er-Jahren und hat selbst Ausgrabungen durchgeführt. Nach der Auswertung der Funde geht er davon aus, dass es sich um ein überregional bedeutendes religiöses Zentrum gehandelt haben muss, das breit vernetzt war. Dafür spricht auch die Ausstattung der Gebäude: Die Kirche war mit hochwertigen Glasfenstern ausgeschmückt. Es wurden auch andere qualitativ hochwertige Bauplastiken wie bemalte Wandputze und Kapitelle gefunden. Die bisherigen Vermutungen basieren auf den gemachten Funden und konnten noch nicht schriftlich bestätigt werden. Die erste urkundliche Erwähnung von „Regenbach“ stammt aus dem Jahr 1033 und ist eine Schenkungsurkunde. Dies und andere Details deuten darauf hin, dass das religiöse Zentrum enge Kontakte zum Königs- beziehungsweise Kaiserhof unterhielt. Dies würde wiederum die Bedeutung des vermuteten Klosters unterstreichen.

Nun wurde ein weiteres Mosaiksteinchen gefunden, das die religiöse Ausrichtung der Anlage untermauert. Dank der finanziellen Unterstützung der Sparkassenstiftung Schwäbisch Hall-Crailsheim und von Claus Wilhelm (CMS Wilhelm) konnte das Landesamt für Denkmalpflege die entdeckten Tierknochen untersuchen lassen. Bei der Firma ArchaeoTask in Engen, wurden die Knochen eingeordnet, die bei den verschiedenen Ausgrabungen gefunden wurden. Das Unternehmen, das unter anderem auf Archäozoologie spezialisiert ist, verfügt über eine riesige Sammlung vollständiger Tierknochen aus bekannter Herkunft. Mithilfe dieser „Bibliothek“ können die Fundstücke genau bestimmt werden. Die Art und Menge der gefundenen Knochen erlauben Rückschlüsse auf das Leben der Menschen.

„Wir beschäftigen uns nur mit den Resten, die durch menschliche Aktivitäten zusammengetragen wurden“, beschreibt Dr. des. Janette Horvath das Vorgehen. So können das Alter, das Geschlecht und die Nutzung der Tiere anhand von krankhaften Veränderungen der Knochen genau festgestellt werden. Über 3.000 Fragmente hat sie untersucht, die durch zahlreiche Hack- und Schnittspuren unschwer als Schlacht- und Speiseabfall erkennbar waren. Sie fand heraus, dass dort vor allem Schweine, aber auch Rinder, Schafe und Ziegen verarbeitet wurden. „Dabei waren Profis am Werk“, betont sie. „Sie wussten, was sie taten.“ Die Verteilung der Geschlechter und das Alter der Schweine lassen darauf schließen, dass die Tiere zum Schlachten angeliefert wurden und nicht vor Ort aufwuchsen.

Die große Anzahl der Schweine (70 Prozent der Funde) verglich sie mit den Erkenntnissen aus den bekannten Klöstern Lorsch und Reichenau aus dieser Zeit. „Da konnte ich eine große Übereinstimmung feststellen“, erklärt sie. „Das hat sehr gut gepasst.“ In sakralen Bereichen wurde sehr viel Schweinefleisch konsumiert. Auch im Vergleich zu Knochenfunden in den bäuerlichen Siedlungsbereichen vor Ort unterscheidet sich die Zahl deutlich. Die Archäozoologin schließt daraus, dass es in Unterregenbach in der untersuchten Zeit vom 7. bis zum 13. Jahrhundert ein Kloster gegeben haben muss.

Drei „sehr spezielle“ Knochenstücke beschäftigten Dr. des. Janette Horvath länger, da sie für den Zeitraum untypisch waren. Nach langer Suche wurde sie schließlich fündig. Es handelt sich um die Knochen eines Truthuhns. Die Datierung konnte allerdings nicht stimmen, da es im Mittelalter nur in Nordamerika vorkam. „Mithilfe der Radiokarbon-Methode grenzten wir das Alter auf die Jahre 1650 bis 1750 ein“, beschreibt sie das Vorgehen. Aus dieser Zeit sind in Baden-Württemberg nur zwei weitere Funde bekannt. Damals wurden die Truthühner nicht zum Essen, sondern als „Prestige-Objekte“ gehalten. „Das zeigt, dass Unterregenbach noch Jahrhunderte nach dem untersuchten Zeitraum eine überregionale Bedeutung haben musste“, erklärte die Fachfrau. In dem Ort lebten wahrscheinlich seinerzeit nach wie vor Menschen mit einem hohen sozialen Status und guten Handelskontakten. th

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