Ebbes aus Hohenlohe
„Das ganze bunte Leben“

„Das ganze bunte Leben“

Anlässlich des 800-jährigen Jubiläums werden in Langenburg zwei Bücher vorgestellt. Die beiden Bände zur Stadt- und Häusergeschichte laden dazu ein, sich näher mit dem ehemaligen Residenzstädtchen zu befassen.

Was hat sich in der Vergangenheit hinter den Häuserfassaden Langenburgs zugetragen? Welche Personen haben eine wichtige Rolle in der Geschichte des Residenzstädtchens gespielt? Wie hat sich das Handwerk im Laufe der Jahrhunderte entwickelt? Dies sind nur einige der Fragen, die die beiden Bücher zur Stadt- und Hausgeschichte beantworten sollen.

Als das 800-jährige Jubiläum noch in weiter Zukunft lag, hat sich Heide Ruopp vom Geschichts- und Kulturverein bereits Gedanken zu diesem Thema gemacht. Im Winter 2021/2022 sprach sie den Historiker Dr. Frank Kleinehagenbrock an, der seine Doktorarbeit über die Grafschaft Hohenlohe im Dreißigjährigen Krieg geschrieben hat. Gemeinsam mit dem Autor und freien Historiker Jan Wiechert überlegte er sich mögliche Themen. Schnell war klar, dass es keine hochwissenschaftlichen Bücher werden sollten, sondern eine Mischung aus wissenschaftlicher Herangehensweise und interessanten Randthemen. Zur Stadtgeschichte bot sich eine Aufsatzsammlung an, die möglichst viele Aspekte abdeckt. Dr. Frank Kleinehagenbrock beschreibt die Idee: „Sie soll einen guten Überblick über die Historie geben, bei der bestimmte Themen einfach fehlen.“ Der Schwerpunkt liegt auf der Stadtgeschichte, da bereits viel über das Haus Hohenlohe geschrieben wurde. „Die Autoren sollten für ihre Themen brennen“, verdeutlicht Jan Wiechert die Auswahl der Aspekte.

In dem Band kamen Autoren mit wissenschaftlicher Ausbildung und Menschen mit einem anderen Hintergrund zusammen. Sie alle sollten das Interesse an lokaler Geschichte wecken und Lust auf weitere Forschungen machen. „Wir haben darum auch ein Verzeichnis mit wissenschaftlichen Anmerkungen am Ende des Buches hinzugefügt, sodass sich Interessierte weiter mit einzelnen Themen beschäftigen können“, erklärt Dr. Frank Kleinehagenbrock.

Jan Wiechert widmet sich im Häuserbuch den 112 vor 1900 erbauten Gebäuden Langenburgs sowie einigen weiteren, die bis 1930 hinzukamen. Er beschränkt sich dabei auf die Innen- und Vorstadt sowie die Ziegelhütte. Den Teilort Atzenrod lässt er bewusst außen vor. Ihn interessierten die Geschichte der Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren Berufe. Das Buch sollte „intellektuell anspruchsvoll, umfassend und kenntnisreich“ sein. Die Recherche entpuppte sich laut Jan Wiechert als „das größte Sudoku, das man sich vorstellen kann“. Er hatte schon lange Interesse daran, eine Häusergeschichte zu schreiben. „Die Bürger Langenburgs sollten im Mittelpunkt stehen“, kommentiert Dr. Frank Kleinehagenbrock den Ansatz. Herausgekommen ist eine dynamische Geschichte mit Besitzerwechseln, Käufen und Verkäufen, vielen Handwerksbetrieben – „das ganze bunte Leben“. Die Häusergeschichte ist ein Nachschlagewerk für alle, die schon immer wissen wollten, wer in einem bestimmten Gebäude wohnte, für die Langenburger Bürgerschaft in ihrer ganzen Breite und auch für Leute darüber hinaus.

Bei der Bearbeitung der Texte haben sich die Herausgeber bewusst zurückgehalten, damit jeder mit seinem eigenen Stil im Buch präsent ist. „Natürlich haben wir auf formale Korrektheit geachtet und unsere inhaltlichen Kritikpunkte abgeklärt“, betont Dr. Frank Kleinehagenbrock. Nach der Vergabe der Themen haben sich viele der Expertinnen und Experten sofort hingesetzt und den Artikel geschrieben, so beschreibt er den Ablauf. „Wir haben uns bewusst auf die Expertise der Autorinnen und Autoren verlassen und haben darum auch eine breite Vielfalt der Themen erhalten“, ergänzt Jan Wiechert.

Neben dem Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein und den Kirchenbüchern war vor allem das Langenburger Stadtarchiv eine wichtige Quelle für die Autorinnen und Autoren. Marianne Mühlenstedt unterstützte sie zu den ungewöhnlichsten Zeiten und öffnete ihnen verschlossene Türen. Dank ihrer guten Kontakte zu den Langenburger Einwohnern besorgte sie beispielsweise auch Bilder von Gebäuden, die noch fehlten. „Wir legten großen Wert darauf, dass die Bücher nicht zu eng gesetzt wurden und viele Bilder enthalten“, erzählt Dr. Frank Kleinehagenbrock. „So sind sie aufgelockert und gut zu lesen.“ th

Zur Info:

Am historischen Wochenende vom 20. bis 21. Juni 2026 stehen Aspekte der beiden Bücher im Fokus: Am Samstag findet ab 18 Uhr im Hornoxn Spielcafé ein History-Quiz mit Jan Wiechert statt. Er stellt Fragen zu den Geschichten hinter den Langenburger Mauern. Am Sonntag werden in der Stadtkirche ab 14 Uhr die beiden Bücher in Schlaglichtvorträgen von verschiedenen Autoren vorgestellt.
Frank Kleinehagenbrock und Jan Wiechert (Herausgeber): Langenburg – Eine Stadtgeschichte.
Jan Wiechert: Häuserbuch Langenburg. Beide Bücher kosten je 35 Euro, sind im Molino-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

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