Ebbes aus Hohenlohe

Brauchen Pferde eigentlich Schuhe und wer ist ihr Schumacher?

Bei einem Besuch der historischen Löchnersche Huf- und Wagenschmiede in Langenburg hatte Patrick Dürr, Lehrer der Langenburger Grundschule, die Idee für ein schulisches Projekt mit den Klassen 2 und 4.

Die beiden Klassenlehrer, Patrick Dürr und Benedikt Lemminger, bereiten ihre Schulkinder auf den kommenden Projekttag vor. Gemeinsam lernen sie die Tätigkeit eines mobilen Hufschmieds für das Beschlagen der Hufe eines Pferdes in einem kindgerechten Kurzfilm kennen und besprachen das Gesehene. Interesse und Verständnis für den Hufbeschlag und die damit verbundenen Arbeiten sollen geweckt werden, aber auch Fragen geklärt. Brauchen Pferde eigentlich Schuhe? Wer und wie fertigt die eisernen „Schuhe“ für Pferde, die der mobile Schmied verwendet und den Pferden aufschlägt?

Am Projekttag morgens treffen sich die Schulkinder samt ihren Lehrern zunächst in der Schule in einem Klassenraum mit Achim Frick vom Geschichts- und Kulturverein Langenburg. Die Kinder sind neugierig auf das Kommende und gleich eifrig bei der Sache mit Fragen und Beiträgen. Sie erklären die Unterschiede zwischen Hengst, Stute und Fohlen, auch die Bezeichnungen der Pferde nach der Fellfarbe, z.B. Rappen, Braune, Füchse sowie Schimmel und Schecken werden benannt. Wildpferde, erklären sie, tragen keine Schuhe, warum also sollen Pferde z.B. mit Hufeisen beschlagen werden? Sie dienen dem Schutz der Hufe gegen übermäßigen Verschleiß beim Reiten und im Zugdienst und damit der Gesunderhaltung des Pferdes in seiner Mobilität, erzählt Frick.

Er hat an dem Tag aus seiner Sammlung eine Menge verschiedener Werkzeuge für den Hufbeschlag und weitere Anschauungsobjekte zur Ansicht und zum Anfassen mitgebracht. Die große Abreißzange, die Hauklinge und das Klopfholz, das krumme Hufmesser, die Raspel, die Beschlagzange und das Hufschmiedehämmerle werden gezeigt. Ein Pferd hat er im Unterricht nicht mit dabei, aber verschiedene Hufpräparate, z.B. von einem Reitpferd und einem schweren Zugpferd. Die Unterschiede in den „Schuhgrößen“ der Pferde sind gewaltig. An den Präparaten lassen sich die Verwendung der Werkzeuge zeigen, was bewirkt die Nietklinge oder ein Unterhauer und wie wird ein altes Eisen abgenommen. Glatte Hufeisen und solche mit Griff und Stollen, ähnlich den Fußballschuhen, sind zu sehen und lassen staunen, auch orthopädische Beschlageisen und ein für einen Wundverband der Hufsohle dienendes Deckeleisen. Der Hufschmied hat auch pferdemedizinische Kenntnisse und Fähigkeiten, deswegen besitzt er neben vielen anderen Werkzeugen beispielsweise auch eine Hufuntersuchungszange oder eine lange Zahnraspel mit dem zugehörigen Maulgatter.

Wie wird eigentlich ein Hufeisen auf dem Huf befestigt, ist die Frage? Das erfolgt mit 6 bis 8 langen Nägeln wissen die Kinder, die ins Hufhorn einzuschlagen sind, auf keinen Fall ins „Leben“. Das würde das Pferd schlimm verletzen. Die weiße Linie im Hornrand des Hufs ist die Grenzlinie für das Nageln. Diese erkennen die KInder auf dem mitgebrachten Stück Hornrand. Sie sehen auch die wichtige Zwicke an der Spitze jedes Hufnagels. Sie muss beim Setzen des Nagels richtigerweise nach außen zeigen, damit der beim Einschlagen auch nach außen läuft und nicht ins Leben dringen kann. Trotz großen Interesses und reger Diskussion ist die Zeit am Vormittag begrenzt. Jetzt ist genug mit Theorie, die Gruppe bricht auf zur Feuerwerkstatt.

In der Schmiede angekommen erwarten Gerhard Steinbrenner und Achim Frick die Kinder. Gerhard Steinbrenner ist Besitzer der Schmiede und hatte in der Zwischenzeit schon das Schmiedefeuer in der Werkstatt angeheizt. Achim Frick hat hier das lederne Schurzfell umgebunden und führt die Schulkinder zunächst in die Werkstatt ein. Er erklärt den geltenden Grundsatz für Apotheke und Schmiede: „Es wird nichts angefasst!“. Medizin kann unverträglich sein, in der Schmiede ist es rußig und Eisen kann sehr heiß, ohne dass glüht. Schnell sind der schwere Amboss, Hammer und Zange bekannt und die Kinder lernen den Blasbalg und seine Funktion für den Unterhalt des Kohlefeuers in der Feuergrube auf dem gemauerten Herd, sowie den mit Wasser gefüllten Löschtrog kennen. Jetzt kann es losgehen mit Schmieden. Er erhitzt ein Stück Flacheisen im Schmiedefeuer, bis es nahezu weißwarm ist. Funken dürfen nicht sprühen im Feuer, sonst ist das Eisen überhitzt und verbrannt. „Schmiede das Eisen solange es glüht“. Schnell muss es gehen. Durch Stauchen, Strecken und Biegen formen wir ein kleines Hufeisen mit zwei angeformten Stollen aus dem anfänglichen Flachmaterial. Mit dem Beißer lassen sich die noch fehlenden Nagellöcher ins Eisen stempeln. Jetzt ist das Hufeisen fertig geformt, es glüht nicht mehr und dennoch zischt es noch mächtig, als es ins Wasser des Löschstrogs getaucht wird. So entsteht ein neues Hufeisen, erklärt der Schmied Achim Frick den aufmerksamen Kindern. Sie sind begeistert, dass sie das kleine Eisen für die Schule mitnehmen dürfen.

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