Ebbes aus Hohenlohe

„Extrem krasses, lustiges und vielseitiges Abenteuer“

Nach wie vor erfüllen sich Familien den Wunsch von den eigenen vier Wänden. Doch auf dem langen Weg dorthin gibt es viele Klippen zu umschiffen. Eine Familie erzählt, wie sie das Projekt angegangen ist. 

Stefanie und Jonas Lorenz sitzen ganz entspannt am Kaffeetisch in ihrem neuen Haus. Sie haben es geschafft: Nach vielen Jahren der Planungen, reichlich Organisations- und noch mehr Handarbeit sind sie Ende Oktober in ihre eigenen vier Wände im Gerabronner Neubaugebiet Lindenbronner Weg eingezogen. Noch ist nicht alles so, wie sich die beiden das wünschen, aber ein Großteil der Strecke ist zurückgelegt.

Rückblick: Das Ehepaar wohnte bisher in Crailsheim in einer 54 Quadratmeter großen Wohnung in der Nähe eines beliebten Einkaufsmarkts. „Dort war von morgens bis spät abends Lärm, Jugendliche spielten Fußball, hörten laut Musik“, erzählt Stefanie Lorenz. Schon 2019 wollten sie weg: Auf dem Land sei es ruhiger und auch die Bauplatzpreise seien erschwinglicher. „Für die Kosten des Bauplatzes in Crailsheim bekommen wir in Gerabronn den Grund und noch das Haus dazu“, rechnet ihr Mann Jonas vor. Aus dem Projekt wurde erst einmal nichts. Im Jahr 2020 wurde ihre Tochter Marlies geboren. 2021 überlegten sie, in eine größeren Mietwohnung in Satteldorf einzuziehen. „Für die Miete könnten wir allerdings ein eigenes Haus abbezahlen“, grübelt der 34-Jährige. Trotzdem war sich das Ehepaar zunächst nicht einig, ob neu gebaut oder eine Bestandsimmobilie umgebaut werden sollte. Sie wollten allerdings keine Kompromisse eingehen und entschieden sich für den Neubau.

Die ersten Ideen standen, die Pläne für ein individuelles Haus in Holzständerbauweise waren gezeichnet und dann kam der erste größere Schock: „Als wir das Angebot der Zimmerei sahen, mussten wir uns erst einmal setzen“, erklärt Jonas Lorenz zurückblickend. Die ursprünglichen Pläne wurden über den Haufen geworfen und eine neue Idee musste her. Schließlich wurde das bereits 2019 angedachte Konzept in abgeänderter Form umgesetzt: Das Erdgeschoss besteht aus einem rechteckigen Kubus und das Obergeschoss wurde um 90 Grad gedreht aufgesetzt – so konnte der Carport gleich mit realisiert werden. Insgesamt stehen in dem neuen Haus rund 150 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Das Gelände im Gerabronner Baugebiet sei allerdings etwas schwierig, macht das Ehepaar deutlich. Durch die leichte Hanglage müsste man mit einem halben Kellergeschoss arbeiten, das Gelände durch Mauern abfangen oder gleich etwas tiefer bauen. Die beiden haben sich für die letzte Möglichkeit entschieden.

Nach dem Bauboom der letzten Jahre fiel in den vergangenen Monaten die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Baden-Württemberg um rund zehn Prozent im Vergleich zu 2021. Insgesamt wurden zwischen Januar und Juli knapp 30.000 Zustimmungen erteilt. Allerdings geht der Trend derzeit eher zu Mehrfamilienhäusern und Wohnheimen. Die Genehmigungen für Einfamilienhäuser nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent überproportional stark ab.

Die Entscheidung für Gerabronn stand bei Familie Lorenz schon länger: Die Stadt liegt zwischen den beiden Wohnorten der Eltern, hier hat auch Stefanie Lorenz’ Schwester gebaut. Kindergarten, Schule, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten sind ohne Auto erreichbar. Im Herbst 2021 wurde schließlich die Bodenplatte betoniert und im Januar 2022 das Haus geliefert. Da Jonas Lorenz seit Jahren im Außendienst von unterschiedlichen Baustoff-, Werkzeug-, Befestigungstechnik- und IT-Händlern gearbeitet hat, wollte er den Innenausbau des Hauses überwiegend selbst in die Hand nehmen – anders sei das finanziell nicht machbar gewesen. Über seine guten Beziehungen zu den Händlern kam er günstig an die Materialien. Er koordinierte die Handwerker selbst, musste aber jede Menge Frust wegstecken: Preise, Zusagen und Liefertermine wurden oft nicht eingehalten, die Qualität der Materialien stimmte manchmal nicht.

Er setzte hauptsächlich auf Lieferanten aus der Region, „sie sind dann einfacher greifbar“, betont der Bauherr. Doch manche Anbieter aus dem Ausland waren deutlich günstiger, sodass sie dann doch auf diese Materialien zurückgreifen mussten. Während der heißen Bauphase sah sich das Ehepaar kaum, Jonas Lorenz war auf der Baustelle, seine Frau Stefanie kümmerte sich um Tochter Marlies. Der Stress und die Situation führten auch zu Spannungen in der Ehe, die aber seit dem Einzug wie weggeblasen sind.

Der Umzug Ende Oktober war schließlich das Ziel. „Man ist durch den Bau körperlich und emotional fast am Ende und dann kommt noch der Höhepunkt“, fasst der 34-Jährige die Situation zusammen. Seine gleichaltrige Frau ergänzt: „Das haben wir nur mit vielen helfenden Händen geschafft, die die Kartons getragen und die Schränke aufgebaut haben.“

Nun wohnt die Familie seit gut einem Monat im eigenen Haus, es ist noch einiges zu erledigen. „Ich sitze jetzt auf meinem Sofa, bin zu Hause und habe mein Kind selbst ins Bett gebracht, so sieht für mich Glück aus“, lautet das Fazit von Jonas Lorenz. „Ich muss nicht mehr fahren und kann nach und nach die restlichen Arbeiten erledigen.“ Sie spüren auch die Ruhe im Vergleich zur Crailsheimer Wohnung: Zwar sind sie in ein Neubaugebiet gezogen, in dem ständig neue Häuser entstehen, „aber spätestens ab 18 Uhr ist es hier ruhig“, betont Jonas Lorenz.

„Bauen ist ein extrem krasses, lustiges, vielseitiges Abenteuer, in das viele Emotionen, Tränen, Schweiß und auch etwas Blut geflossen ist“, blickt Jonas Lorenz zurück. „Ich kann nur jedem empfehlen, der es sich leisten kann, es zu tun.“ Auch Stefanie Lorenz freut sich: „Wir haben mit unserer eigenen Hände Arbeit einen Wert erschaffen, der einfach schön ist. Wir haben es für uns als Familie getan.“ th

Bild: Haben Freude an ihrem neuen Zuhause: Jonas und Stefanie Lorenz mit ihrer Tochter Marlies.

Der Umzug war nur Mithilfe von vielen Freunden und der Familie zu schaffen: Sie trugen Kartons und bauten Schränke auf.
Jonas und Stefanie Lorenz können trotz der vielen Arbeit noch lachen.

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