Ebbes aus Hohenlohe

Viele kleine Maßnahmen führen ans Ziel

Alle reden vom wirtschaftlichen Umgang mit den Ressourcen. Doch was kann ein Hausbesitzer tun? Gebäudeenergieberater Bernd Kochendörfer gibt ein paar Tipps. 

Die Unsicherheit ist bei vielen Immobilienbesitzerinnen und -besitzer zu spüren: Sie werden angehalten, Energie einzusparen. Es gibt allerdings viele Gerüchte, Halbwahrheiten und noch mehr gutgemeinte Ratschläge. Was sich so leicht dahinsagt, ist nicht immer einfach umzusetzen. Bernd Kochendörfer, seit mehr als 20 Jahren Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater des Handwerks in Crailsheim, gibt ein paar Tipps.

Auswechseln der Ölheizung?
Das Wichtigste vorneweg: Grundsätzlich haben Ölheizungen einen Bestandsschutz, betont der Fachmann. Ab 2026 dürfen zwar keine neuen Anlagen mehr eingebaut werden, die alten können aber weiterverwendet werden. „Funktionierende Anlagen mit guten Werten sollten weiterlaufen.“ Durch eine entsprechende Anpassung der Heizkurve und einen hydraulischen Abgleich durch einen Fachmann lasse sich auch mit einer älteren Anlage Energie einsparen.

Wer trotzdem eine neue Anlage einbauen möchte, kann auf Gas, Holzpellets oder eine Wärmepumpe umsteigen, unter bestimmten Umständen auch auf eine neue Ölheizung. „Wobei die Wärmepumpe derzeit politisch gewollt ist“, erklärt er. Da sie nur mit niedrigen Vorlauftemperaturen wirtschaftlich betrieben werden könne, müsse allerdings eine große Fläche zum Heizen zur Verfügung stehen, beispielsweise eine Fußbodenheizung. Wo das nicht der Fall ist, sei eine Wärmepumpe nicht unbedingt sinnvoll, „das muss man sich im Einzelfall aber genauer anschauen“. Gas sei in vielen Fällen trotz des hohen Preises immer noch vernünftig, weil sich die Investitionen für die Anlagen in Grenzen halten, beispielsweise in Etagenwohnungen mit separaten Gasthermen.

Müssen Kachelöfen getauscht werden?
Seit 2018 müssen alte Kamin- und Kachelöfen, die zum Heizen verwendet werden, sukzessive getauscht oder mit Filtern nachgerüstet werden. Neben dem Baujahr sind vor allem die tatsächlichen Werte ein Kriterium für den Austausch oder Umbau: Die Kohlenmonoxid- und die Feinstaubwerte sowie der Wirkungsgrad müssen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Bis 2030 soll der Wechsel abgeschlossen sein. Öfen, die nur ab und zu angeheizt werden, seien davon ausgenommen, „ein gänzliches Verbot von Holzheizungen wird es nicht geben“, glaubt der Gebäudeenergieberater. Bei den steigenden Preisen für Öl und Gas sei Holz stark gefragt: „Holz ist das neue Klopapier.“ Familien, die bisher pro Winter beispielsweise mit zwei Festmetern ausgekommen sind, legen sich jetzt vier auf Lager, „man weiß ja nie“, erzählt er. Das sei auf dem Land noch einfacher, entweder habe man selber etwas Wald oder kenne jemanden, der Holz abgeben könne. „In den Städten nimmt das allerdings komische Formen an“, weiß Kochendörfer zu berichten. „Lange Lieferwege und hohe Preise sind da kein Hindernis.“

„Dämmen, dämmen, dämmen“
Ganz einfach lasse sich Energie in Bestandsimmobilien durch eine Maßnahme einsparen, betont er: „Dämmen, dämmen, dämmen.“ So sei in vielen älteren Häusern die oberste Geschossdecke noch nicht gedämmt und die Wärme verschwinde durch das allenfalls unzureichend gedämmte Dach. Dabei lasse sich das „mit ein paar Freunden, dem richtigen Material, einem Kasten Bier und ein paar Würstchen auf dem Grill“ erledigen. Im Baumarkt gebe es fertige Dämmplatten aus mineralischen oder Holzfasern sowie aus Kunststoffschaum. Sie seien auch begehbar, sofern der Raum auf der Bühne genutzt werde. Eine grundsätzliche Gebäudesanierung mit Wänden und Fenstern wäre natürlich das Optimum, allerdings wagen sich nicht so viele Häuslesbesitzerinnen und -besitzer daran – höchstens das Gebäude werde verkauft oder vererbt.

Richtiges Lüften wichtig
Um für eine gute und gesunde Atmosphäre in den Wohn- und Schlafräumen zu sorgen, sei eine gute Lüftung wichtig, macht Bernd Kochendörfer deutlich. Das müsse sein, vor allem, wenn neue, dichte Fenster eingebaut wurden. Die Fenster könnten mehrmals am Tag geöffnet werden, dabei gehe allerdings viel Energie verloren. „Abhilfe schafft eine kontrollierte Lüftung, bei der die warme Abluft kontinuierlich die frische Zuluft über einen Wärmetauscher anwärmt.“ So werde die verbrauchte, kohlendioxidhaltige Luft durch sauerstoffreichere ersetzt und die Wärme gehe nicht zum Fenster hinaus. Außerdem werde eine zu hohe Luftfeuchtigkeit ausgeglichen. „Zu niedrig darf sie aber auch nicht sein, denn sonst trocknen die Atemwege aus“, gibt der 44-jährige Experte zu bedenken.

Offen bleiben
Die jetzige Situation sei eine Chance zur Weiterentwicklung der Heizmöglichkeiten: „Welche Technik sich in Zukunft durchsetzt, ist noch nicht abzusehen“, sinniert der Schornsteinfeger. „Darum ist es wichtig, für alle Entwicklungen offen zu bleiben.“ Eine Energieberatung durch Fachleute und ein entsprechendes Konzept helfe dabei. Wenn zukünftig genügend günstiger Strom zur Verfügung stehe, könnte beispielsweise ausreichend erschwinglicher Wasserstoff vorhanden sein. Daraus könne dann auch Methan (=Erdgas) hergestellt werden, sodass die bisher verwendeten Techniken weiterhin genutzt werden könnten – ohne die Kohlendioxidbilanz zu verschlechtern. Denn aus Wasserstoff und Kohlendioxid entsteht Methan, das durch Verbrennung dann wieder in seine ursprünglichen Bestandteile zerfällt. „Vielleicht waren in der Vergangenheit das Öl und das Erdgas einfach zu billig und haben dadurch die Forschung nach Alternativen ausgebremst“, denkt Bernd Kochendörfer laut nach. th

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