Gemeinsam dem Hobby frönen

Ob Topflappen oder Strümpfe – Frauen treffen sich zum Stricken

Draußen rauschen die Autos in Höchstgeschwindigkeit vorbei – bei maximal erlaubten 70 Stundenkilometern. Drinnen treffen sich Frauen und widmen sich gemeinsam ihrem Hobby: dem Stricken und Häkeln.

Zwischen zehn und zwanzig Frauen packen jeden Freitagnachmittag ihren Handarbeitskorb und fahren nach Unterschmerach. Direkt an der Straße, im Saal der Familie Münch, sitzen sie zusammen, trinken Kaffee, essen ein Stück Kuchen, stricken, häkeln und halten ein Schwätzchen. „Begonnen hat alles mit zwei Frauen im Oktober 2016“, erzählt Gründerin Beate Tranziska – Jutta Dietrich war die erste Teilnehmerin. Die Idee des Strickcafés entstand durch den Tipp von einigen Kölner Frauen. In der Domstadt gibt es viele Möglichkeiten, sich zum Handarbeiten ungezwungen zu treffen. In Hohenlohe herrschen, so der Eindruck von Beate Tranziska, nur geschlossene Zirkel vor, „das wollten wir ändern“. Zunächst waren die beiden Gründerinnen skeptisch, ob sich noch mehr Gleichgesinnte dazu gesellen, sie mussten aber nicht lange darauf warten.

Überwiegend aus dem Crailsheimer und Ilshofener Raum kommen die Frauen. Die weiteste Anreise hat eine Hobbystrickerin aus Alfdorf im Rems-Murr-Kreis. Die Themen sind unterschiedlich: Eine Teilnehmerin strickt Tiere, die andere Topflappen und die Dritte lieber Socken. Aber alle genießen den gemeinsamen Austausch und die Tipps der Gleichgesinnten. „Allerdings“, schränkt Beate Tranziska ein, „stricken sollte man schon können, wir sind kein Stricklernkurs“.

Die Frauen arbeiten gemeinsam an einem Projekt: Durch nachbarschaftliche Beziehungen zu Bulgarien erfuhren sie von armen Kindern, die im Winter frieren mussten. „Seitdem stricken wir für sie Handschuhe, Socken, Mützen und Schals, damit sie es warm haben.“ Über den direkten Kontakt wissen sie, dass ihre Gaben gut ankommen und benötigt werden.

Neben dem gemeinsamen Stricken sind sie auch zusammen auf Reisen: Fünf Frauen und ein „Quotenmann“ besuchten diesen März das Yarn Festival in Edinburgh/Schottland. Dort tauschen sich Profi- und Hobby-Stricker aus ganz Europa aus, „eine tolle Erfahrung“, freut sich Beate Tranziska. Die Gruppe findet sich sommers wie winters zusammen – mal sind es mehr, mal sind es weniger Teilnehmerinnen. „Jede ist bei uns eine Künstlerin.“ Freitags werden allerdings keine komplizierten Muster gestrickt, „sonst könnten wir dabei nicht mehr schwätzen“, lacht sie. th

Info: Jeden Freitag zwischen 15 und 17.30 Uhr treffen sich Strickbegeisterte völlig kosten- und zwanglos in Unterschmerach auf dem Hof der Familie Münch. Weitere Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen. 

Beate Tranziska präsentiert den Baum, den die Strickgruppe verschönert hat.

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