„Wer will, darf“

Winterfeier in Michelbach/Heide mit Gesang und Theater

Zu den liebgewonnen Traditionen in Hohenlohe gehören die Winterfeiern: Vereine zeigen in den eher ereignisarmen Monaten, was sie draufhaben – nicht nur Sport, Singen oder Musizieren, auch das komödiantische Talent kommt dabei zum Vorschein.

In Michelbach an der Heide gibt es die Winterfeiern „schon ewig“, berichtet der Vorsitzende des Männergesangvereins „Eintracht“, Wilhelm Köhnlein. „Bestimmt schon 60 bis 70 Jahre lang machen wir Theater.“ Zunächst im Wechsel im Saal vom „Lamm“ oder „Ochsen“, seit den 1960er-Jahren im Gemeindesaal der alten Grundschule. Immer am
zweiten Weihnachtsfeiertag ging die Veranstaltung über die Bühne: Gesangsbeitrag, Theaterstück, Tombola und deftiges Essen sind die vier Zutaten, die zum Gelingen des Abends bis heute beitragen. In den letzten Jahren waren die drei Aufführungen mit jeweils gut 150 Plätzen immer schnell ausverkauft.
Im Herbst beginnen die Proben für das neue Stück. Was 2018 gespielt wird, ist noch geheim. Das letzte Stück war ein klassischer Dreiakter. Das Lustspiel „Schöne Ferien“ spielt auf einem Campingplatz. Drei Welten treffen aufeinander: Muffeliges Camperehepaar mit eingezäuntem Revier, reiche, rücksichtsvolle Nachbarn sowie eine alleinerziehende Mutter und Erziehungsberaterin mit therapeutischem Hintergrundwissen. Diese explosive Mischung von Feriengästen samt Launen und Anspruchsdenken wurden aufgemischt durch die gemeinsame Angst vor einer unberechenbaren Diebesbande und einem zunächst ganz unscheinbaren Camper. Wie bei solchen Stücken üblich, gibt es viel Platz für die Entfaltung der Schauspieler. „Bei uns heißt es, wer will, der darf“, fasst der 68-jährige Vorsitzende zusammen, „und je mehr, desto besser“. Auf dieser Basis sucht der Regisseur das entsprechende Bühnenwerk aus, verteilt die Rollen und lässt die Requisiten anfertigen. Bei „Schöne Ferien“ war das eine aufwändig, mit Airbrush gemalte Kulisse. „Wir haben einen festen Stamm an Schauspielern, sie zieren sich zu Beginn dann aber doch etwas.“ Schließlich ist das Ensemble zusammen: Wenn zu wenig Frauen zur Verfügung stehen, übernimmt einer der Männer die Rolle – was zu weiteren Lachern im Laufe des Abends führt.
Die Winterfeier ist aber vor allem einer der vielen öffentlichen Auftritte des Männergesangsvereins, dazu kommen Kirchenkonzerte und Einsätze bei Feiern von Mitgliedern. Dirigentin Beate Oppold studiert mit den derzeit 22 Sängern zwischen 30 und 80 Jahren drei bis fünf Lieder für den Abend ein, die oft unter einem gemeinsamen Motto stehen. Das aufgeführte Sangesgut umfasst schon lange nicht mehr die schweren Klassiker, sondern greift beispielsweise auch Titel der „Toten Hosen“ auf.
„Derzeit haben wir noch kein Nachwuchsproblem“, betont Wilhelm Köhnlein. Die Situation könnte aber in Zukunft schwierig werden. „Woher nehmen und nicht stehlen?“ Darum wird, seiner Ansicht nach, die schöne Tradition eines Männergesangvereins nur mit einer Öffnung des Repertoires aufrecht erhalten. „Das funktioniert auch nur noch auf dem Dorf, in dem der Zusammenhalt stark ist, in größeren Gemeinden funktioniert das nicht mehr.“

Die Vorstellungen in Michelbach an der Heide sind in dieser Saison am Samstag, 13., Freitag, 19. und Samstag, 20. Januar 2018. Karten gibt es bei Wilhelm Köhnlein unter Telefon 07952/5660. (th)

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