Ebbes aus Hohenlohe
Wie das Stromnetz stabil bleibt

Wie das Stromnetz stabil bleibt

Die Stabilität der Stromnetze hängt von ihrer Belastung ab. Durch viele Energieerzeuger und stromintensive Verbraucher wird das Netz stark beansprucht. Intelligente Messsysteme sollen es richten.

Die Zukunft der Stromversorgung ist dezentral. So lautet zumindest die Aussage der großen Energieerzeuger und Netzbetreiber. Das stellt das Stromnetz vor besondere Herausforderungen. Früher verästelten sich die Stromleitungen von einem Großkraftwerk bis zum Endverbraucher wie bei einem Baum immer feiner. Es war klar, woher der Strom kam und wohin er ging. In Zukunft soll die Energie dezentral erzeugt und dann verteilt werden. Somit müssen die bisher „feinen Äste“ mehr Strom aufnehmen können. Auch der Weg ist nicht immer klar. Bei Sonnenschein fällt in einer großen Freiflächenfotovoltaikanlage viel Strom an, der wegtransportiert werden muss. In der Nacht bei starkem Wind kommen die Strommengen dagegen von den vielen Windparks im Land. Das Stromnetz muss diesen ständigen Wechsel aufnehmen, verteilen und abfedern können.

Auch auf der Verbraucherseite passiert jetzt einiges: E-Autos müssen geladen und Wärmepumpen das Haus im Sommer wie im Winter auf angenehme Temperaturen halten. Diese starken Abnehmer belasten das Netz dort, wo es am sensibelsten ist: in den Wohnvierteln. Schon heute berichten Kunden, dass bei schönem Wetter der auf dem Dach erzeugte Strom nicht abtransportiert werden könne und die Anlage deshalb abgeregelt werde. Abhilfe könnten leistungsfähigere Stromleitungen schaffen. Doch bis diese überall verlegt sind, würden Jahrzehnte vergehen und Milliarden Euro investiert werden müssen. Deshalb setzen die Netzbetreiber auf intelligente Netze („Smart Grid“). Dabei werden die Erzeugung, die Speicherung und der Verbrauch von Energie mithilfe digitaler Kommunikationstechnik in Echtzeit gesteuert.

Bei großen Wind-, Solar- und Biomasseanlagen ist das kein Problem, aber bei kleineren Anlagen auf privaten Hausdächern? Und wie sieht es bei den gut 2,4 Millionen Anschlüssen der Netze BW und den fast 220.000 Anschlüssen der EnBW ODR aus? Hier setzen die Netzbetreiber auf intelligente Messsysteme (iMSys oder Smart Meter). Diese registrieren den Verbrauch und die Erzeugung in Viertelstunden-Schritten und senden die Daten einmal am Tag an den Messstellenbetreiber und damit auch an den Energieversorger. Die manuelle Ablesung mehrmals pro Jahr entfällt somit. Mithilfe der gewonnenen Daten können Engpässe im Netz reduziert, der Netzausbau optimiert und der Betrieb sichergestellt werden.

Über die intelligenten Zähler kann der Stromverbrauch auch abgeregelt werden, wenn das Netz instabil zu werden droht. „Dabei wird der Strom aber nie auf null geregelt, sondern die Last nur reduziert“, versichert Sebastian Maier, Vorstand der EnBW ODR. 4,2 Kilowatt seien garantiert, was den normalen Verbrauch von Licht, Waschmaschine oder Herd abdeckt. Nur stärkere Verbraucher wie E-Autos oder Wärmepumpen seien von der Reduzierung betroffen. „Wir steuern den Stromverbrauch aber so, dass es die Kunden nicht spüren.“ So werden die Wallboxen und Wärmepumpen jeweils nur für einige Minuten nach unten geregelt. „Das Grundproblem im Netz sind nach wie vor die Spitzenzeiten“, macht der Vorstand klar.

Kritiker sehen die Übermittlung der Verbrauchsdaten kritisch: Durch die detaillierten Aufzeichnungen der Smart Meter können Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger gezogen werden. Auch die Erstellung von Verbrauchsprofilen wäre möglich. Deshalb sollen die ausführlichen Daten nicht an den Messstellenbetreiber weitergeleitet werden, sondern in der Anlage verbleiben. Dort soll auch die Zuordnung der jeweiligen Verbrauchswerte zu den aktuellen Tarifstufen erfolgen. Anders sieht es allerdings aus, wenn ein flexibler Tarif gebucht wurde.

Für die Kundinnen und Kunden haben Smart Meter den großen Vorteil, dass sie ihren aktuellen Verbrauch immer im Blick haben und selbst reagieren können. Denn durch optional buchbare, flexible Stromtarife können sie die jährlichen Stromkosten selbst beeinflussen. So können „Stromfresser“ wie Wasch- oder Spülmaschinen dann angestellt werden, wenn der Strom billiger ist. Auch E-Autos werden eher in verbrauchsarmen Zeiten geladen. Das setzt allerdings ein gewisses Maß an Selbstdisziplin und Planung voraus, da der Strompreis an der Strombörse in Leipzig dabei im Auge behalten werden muss.

Laut Sebastian Maier ist die EnBW ODR einer der „absolut führenden Anbieter“ beim Umstieg auf Smart Meter. Derzeit sind bereits rund zehn Prozent der 190.000 Verbrauchsstellen mit den intelligenten Messeinrichtungen ausgerüstet. Bis zum Jahr 2032 muss der Netzbetreiber 63.000 iMSys verbaut haben. Mit gut 30 Prozent sieht sich der Vorstand auf einem guten Weg: „Wir werden deutlich vor dem Datum unser Soll erfüllt haben.“ th

Ähnliche Beiträge:

Sorgen im Tafelladen lassen

Redaktion

Getreide direkt vom Feld in die Backstube

Redaktion

Die Suche nach dem richtigen Weg

Redaktion