Wenn in Musdorf die Muswiese beginnt, verändert sich der Ort für einige Tage grundlegend. Zwischen Marktständen, Fahrgeschäften, Buden und Besuchern entsteht ein dichtes Treiben, das seit Jahrhunderten zum Herbst in der Region gehört. Seit mehr als 580 Jahren ist die Muswiese nicht nur ein Markt, sondern auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt.
Für viele Besucher gehört ein Rundgang über das weitläufige Gelände zu den festen Terminen im Jahreskalender. Das Angebot reicht von Waren für den täglichen Bedarf bis hin zu Spezialitäten und Unterhaltung für die ganze Familie. Zwischen den Ständen bleibt dabei immer wieder Zeit für Begegnungen und Gespräche.
Denn die Muswiese erfüllt bis heute eine Funktion, die weit über das Einkaufen hinausgeht. Hier werden Bekannte und Verwandte getroffen, Familien verabreden sich zum gemeinsamen Rundgang und manche nutzen den Markt, um Freunden oder Bekannten neue Familienmitglieder, Nachwuchs oder den neuen Partner vorzustellen. Sehen und gesehen werden gehört zum Muswiesenbesuch ebenso dazu wie der Einkauf.
Gerade diese Mischung macht den besonderen Charakter des Marktes aus. Trotz des großen Besucherandrangs ist die Muswiese für viele ein Ort, an dem man sich trifft, verweilt und gemeinsam Zeit verbringt. Das Markterlebnis verbindet sich mit einer langen regionalen Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Eine Besonderheit des Muswiesenprogramms ist zudem der Montag: Während an den übrigen Tagen das Marktgeschehen dominiert, ist der dritte Tag traditionell als Ruhetag vorgesehen. Damit bietet die Muswiese auch eine kleine Unterbrechung inmitten des mehrtägigen Ausnahmezustands in Musdorf.
Die Bezeichnung „Königin der Feste“ mag traditionsreich sein – entscheidend für ihre Bedeutung ist jedoch, dass die Muswiese ihren Charakter als echter Markt bis heute bewahrt hat. Sie ist Einkaufsplatz, Treffpunkt und gesellschaftliches Ereignis zugleich.
SAMSTAG, 10. OKTOBER 2026
09:30 Uhr Händlergottesdienst mit Pfarrer Matthias Hammer in der Michaelskirche, anschließend Ständerling (auch für interessierte Muswiesenbesucher)
12:00 Uhr BEGINN DER MUSWIESE
12:15 Uhr Schülerläufe 500 m, 1.000m, 2.500 m und Jugendlauf 5.000 m
14:10 Uhr 41. Muswiesenlauf: 10.000 m, 14:00 Uhr 5.000-Meter-Lauf/Nordic Walking 5.000 m
15:30 Uhr Muswiesenderby TV Rot am See – SV Brettheim
Stadion Rot am See, 13:30 Uhr Vorspiel Reserve
18:00 Uhr Eröffnung der Muswiese mit Fassanstich durch Bürgermeister Dr. Sebastian Kampe in der Festhalle Hahn
20:00 Uhr Offener Abend mit dem AJC e. V. in der Michaelskirche
SONNTAG, 11. OKTOBER 2026
9:30 Uhr Festgottesdienst mit Pfarrer Matthias Hammer und Dekan Andreas Arnold in der Michaelskirche in Musdorf
10:30 Uhr Offizielle Eröffnung der Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung sowie des Jahrmarktes am Gemeindestand im Gewerbezelt
11:00 – 16:00 Uhr 70 Jahre Luftballonwettbewerb der Gemeinde, am Kiga Stand, nähe Partystadl
18:00 Uhr Jugendgottesdienst in der Michaelskirche mit dem EJW Blaufelden
MONTAG, 12. OKTOBER 2026
RUHETAG
DIENSTAG, 13. OKTOBER 2026
09:30 Uhr Jungviehprämierung
11:00 Uhr Kuttelessen in den Wirtschaftshallen
15:00 Uhr „Atempause“ mit Dekan Andreas Arnold (kurze Andacht in der Michaelskirche)
18:00 Uhr BDS-Mittelstandskundgebung in der Festhalle Hahn mit Finanzminister Dr. Danyal Bayaz MdL
MITTWOCH, 14. OKTOBER 2026
15:00 Uhr „Atempause“ mit Pfarrer Flemming Nowak (kurze Andacht in der Michaelskirche)
19:15 Uhr Standkonzert mit dem Musikverein Rot am See
19:30 Uhr Abmarsch der Metzgertanzgruppe am Kinderkarussell
19:45 Uhr Historischer Metzgertanz
DONNERSTAG, 15. OKTOBER 2026
Familiennachmittag mit ermäßigten Preisen im Vergnügungspark und bei den Festwirten
15:00 Uhr „Atempause“ mit Pfarrer Tobis Dürr (kurze Andacht in der Michaelskirche)
20:00 Uhr Großes Brillantfeuerwerk
AN ALLEN TAGEN
Marktgeschehen (10 bis 19 Uhr, außer Sa. ab 12 Uhr)
gewerbliche und landwirtschaftliche Ausstellung (10 bis 18 Uhr, außer Sa. ab 12 Uhr)
Vergnügungspark
Musikalische Unterhaltung in der Festhalle
Kulinarische Spezialitäten aus der Region in Bauernwirtschaften und Gastronomiebetrieben
Gemütliche Einkehr in den Gasthäusern in Rot am See
Die Zeitrechnung der Region
Die Hohenloher arbeiten fleißig und gerne. Wenn die Arbeit getan ist, darf aber auch ordentlich gefeiert werden – am liebsten gemeinsam mit Familie, Freunden und Gleichgesinnten, bei deftigem Essen, einem frischen Bier oder einem guten Viertele.
Da ist es kein Wunder, dass sich alljährlich im Herbst Jung und Alt aus nah und fern im kleinen Weiler Musdorf bei Rot am See zur Muswiese treffen. Schließlich ist sie nicht nur der älteste Jahrmarkt Hohenlohes –1434 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt –, sondern auch eines der größten und traditionsreichsten Feste der gesamten Region.
Für die bäuerliche Bevölkerung ist die Muswiese seit jeher Erntedankfest und Landwirtschaftsschau zugleich. Für die Menschen aus der gesamten Region ist sie vor allem eines: ein echtes Heimatfest. Kaum irgendwo sonst findet man diese besondere Mischung aus Jahrmarkt, Volksfest, Landwirtschafts- und Gewerbeschau und ländlichem Schlachtfest.
Die Bedeutung der Muswiese reicht weit über Musdorf hinaus. In ganz Hohenlohe und den angrenzenden Gebieten gibt es deshalb bis heute eine ganz eigene Zeitrechnung: „Vor und nach der Muswiese.“
Für den Hohenloher Landwirt markiert die Muswiese traditionell das Ende des arbeitsreichen Jahres. Die Ernte ist eingebracht, man hat „sei Sach“ und kann sich langsam auf den Winter vorbereiten. Der bringt zwar ebenfalls Arbeit mit sich, doch ist sie weit weniger von der Witterung abhängig als die Zeit zwischen Aussaat und Ernte.
So ist die Muswiese vor allem eines: eine große Verschnaufpause. Man trifft Verwandte, Bekannte und Freunde, tauscht Erfahrungen aus und bringt sich auf den neuesten Stand. Gleichzeitig wird geschaut, was Haus, Hof und Garten noch brauchen. Und natürlich findet man auch jene praktischen, strapazierfähigen und wärmenden Kleidungsstücke, die mancher schon aus den Zeiten seiner Großmutter kennt. pm

