Ebbes aus Hohenlohe

Zum Wohnzimmer kommt das Schlafzimmer

Familie Häfner baut das Traditionsgasthaus „Lamm“ in Michelbach an der Heide aus. Nebenan schaffen sie im ehemaligen Stall und der Scheune Übernachtungsmöglichkeiten. 

Für viele Hohenloher ist das örtliche Gasthaus so etwas wie das zweite Wohnzimmer: Hier verbringt man gerne seine Abende. Auch für Stefanie und Michael Häfner war es so. Die Enkel des „lachenden Wirts“, Wilhelm Walch (genannt Helm), sind quasi im Michelbacher „Lamm“ aufgewachsen. Stefanie Häfner: „Somit ist die Gaststätte nicht nur der Treffpunkt der Menschen in unserer Umgebung, sondern auch unser Mittelpunkt.“

Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat sich die Familie Ende 2019 entschlossen, dass sie die Wirtschaft weiterführen und auf neue Beine stellen wollen. Als dann die Corona-Pandemie über das Land hereingebrochen war und die Gaststätte zeitweilig schließen musste, fiel ihnen auf, wie ihnen das große Wohnzimmer und die vielen Menschen fehlten, die hier täglich ein- und ausgehen. Das geplante Vorhaben wurde aber wegen der Unsicherheiten immer wieder auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet. „Das macht Spaß, das Vorhaben zusammen mit der Familie zu stemmen.“

Im März dieses Jahres ging es schließlich los. „Unsere Gäste fanden es mutig, freuen sich aber mit uns über das schöne Projekt“, erklärt Michael Häfner. Um mehr Platz in der Wirtschaft und Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, haben sie den alten Stall und die Scheune, die links neben der Wirtschaft standen, abgerissen. Hier entsteht jetzt das Haus „Marie“ – benannt nach ihrer Oma.

Seit über 400 Jahren ist das „Lamm“ in Michelbach in Betrieb. Seit 1649 gibt es genaue Aufzeichnungen über die Besitzer, die Familie Ge(h)ring. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte ein Vorfahr der heutigen Besitzer den Hof und die Wirtschaft. Da danach meist die Töchter des Hauses die Wirtschaft übernommen haben, wechselte der Namen mit jeder Generation: Von Heinold zu Gronbach, zu Illig, zu Walch und zuletzt zu Häfner. Susanne, die Tochter des „lachenden Wirts“, heiratete Wilfried Häfner. 2016 war für die Familie ein schwieriges Jahr: Die Mutter Maria Babette Walch (genannt Marie) starb kurz vor Vollendung ihres 91. Lebensjahres. Am eigentlichen Geburtstag, dem 29. Mai 2016, gedachte die Familie in der Wirtschaft ihrer Mutter und Großmutter – als abends das Unwetter über Michelbach hereinbrach und unter anderem die Wirtschaft komplett überflutete. Das Gebäude musste saniert werden und wurde erst im Dezember 2016 wieder neu eröffnet: Seitdem ist das Gasthaus mit neuer Einrichtung und neuem Boden größer geworden und erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit. Örtliche Vereine und Stammtische kommen regelmäßig und das gute Essen hat sich herumgesprochen: Auch Gäste aus der Region finden den Weg in die Liebesdorfer Straße in Michelbach.

„Die Familie ist mit dem Ansturm auf unsere Gaststätte gewachsen, jedoch nicht unsere Räumlichkeiten“, erläutert Stefanie Häfner die Überlegungen für die Erweiterung. Die Projektleiterin bei einer Medienagentur führt weitere Gründe an: Die Küche sei von der Ausstattung und von der Größe nicht mehr ausreichend und auch die Sanitäranlagen müssten modernisiert werden. „Unsere eigenen Ansprüche, aber auch die unserer Gäste, stellen uns vor eine große Herausforderung.“ Der angrenzende Stall und die Scheune, die nicht mehr genutzt werden, boten sich dafür an. „Warum nicht das alte, baufällig Gebäude abreißen und auf der gleichen Fläche etwas Neues schaffen?“, schildert Michael Häfner die Überlegungen. Der Teamleiter Zentrales Controlling eines Bauunternehmens macht klar, dass die Familie damit einen Mehrwert für die Region schaffen wolle. Im unteren Stockwerk des Neubaus sollen zwei Fremdenzimmer (eines davon behindertengerecht) entstehen. Im rückwärtigen Bereich findet die vergrößerte, moderne Küche mit Lager- und Kühlräumen ihnen Platz. Im ersten Stock werden noch einmal acht Zimmer eingerichtet, die ebenfalls ebenerdig über eine Hocheinfahrt erreicht werden können. Darüber entsteht der Wohnraum für Michael Häfner und seine Familie. Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten beendet sein.

„Zu dem Wohnzimmer schaffen wir nun auch noch das Schlafzimmer“, fasst Stefanie Häfner das Projekt zusammen, das für die Familie eine „Herzensangelegenheit“ ist. Sie will mit dem dann auch vergrößerten Gastraum die Grundversorgung auf dem Land sicherstellen, dringend benötigte Fremdenzimmer anbieten und Michelbach lebendig halten. So wird im „neuen“ Lamm mehr Platz für Familienfeiern sein und die nächste Generation positiv in die Zukunft blicken können.

Um die Bevölkerung mitzunehmen, wird jeder Bauabschnitt öffentlich gefeiert: So fand vor Kurzem das „Bodenplatten-Fest“ statt und auch der nächste Meilenstein, das Richtfest, soll zusammen mit den Gästen begangen werden. th

Bild: Die Geschwister Michael und Stefanie Häfner haben die alte Scheune und den Stall abreißen lassen. Hier entstehen bis Mitte nächsten Jahres Übernachtungsmöglichkeiten.

Zur Info:

www.instagram.com/lamm_michelbach/

Ähnliche Beiträge:

Bei britischen Krönungen ganz vorne mit dabei

Redaktion

Mit Spaß weiterentwickeln

Redaktion

„Theater ist öffentliches Schauen“

Redaktion

Diese Website benutzt funktionelle Cookies und externe Skripte, um Ihr Benutzererlebnis zu verbessern. Akzepieren Mehr...

Datenschutz