Tanzen tut Leib und Seele gut

Vielfältiges Programm mit Bewegung und Fitness

Den Körper zur Musik zu bewegen befreit den Geist, stärkt das Selbstbewusstsein und die Muskulatur. Das „TanzZentrum“ in Kirchberg bietet verschiedenste Kurse für jedermann und ist so gut aufgestellt wie noch nie. Doch Mitte 2021 läuft der Pachtvertrag aus. Mit der Tanzschule soll es weitergehen – nur ist noch nicht ganz klar, wie.

„Du machst einen Ausfallschritt. Ich drehe mich heraus“, weist Jana Kaiser (14) ihre Schwester Lara (12) an. „Und du bleibst stehen. Ja, genau.“ Dominik Blessing (18) hält Position in typischer Balletthaltung. Gerader Rücken, ein Bein ausgestellt, die Arme gestreckt. Perfekte Spannung. Leichtfüßig bewegen sich die beiden Ballerinas um ihren Tanzpartner durch den verspiegelten Übungsraum der Tanzschule im ersten Stock des Württemberger Hofs in Kirchberg. Sie üben eine selbst erarbeitete Choreografie für die örtliche „Nacht der Kirchen“. Inge Baumgärtner, Vorstandsvorsitzende des Vereins, gibt ihnen Hilfestellung bis Elena Schneider, die Ballettlehrerin, eintreffen wird. Baumgärtner – selbst keine Tänzerin – ist voll dabei. Immer wieder spielt die engagierte Ehrenamtliche Musik ab und bespricht mit den drei Jugendlichen die Szene. „Viele meinen, wir verdienen uns eine goldene Nase mit der Tanzschule, aber das ist nicht der Fall“, versichert Baumgärtner und wirkt etwas geknickt. Denn es sei Leidenschaft die sie antreibe – für den Tanz, die Musik und die Welt, die sich damit auftue. Um sich diese in Form des „TanzZentrums“ zu bewahren, stecke sie gemeinsam mit ihrem vierköpfigen Vorstandsteam viel Arbeit in den Verein: Lehrer organisieren, Auftritte planen, Stundenpläne erstellen, manchmal bis spät in die Nacht Kostüme nähen – alles freiwillig. „Wir haben uns vor 25 Jahren als Mütter zusammengetan, weil wir unseren eigenen Kindern – das waren insgesamt acht Mädels – Ballettunterricht vor Ort ermöglichen wollten. Wir sind mit der Zeit derart in unsere Aufgabe hineingewachsen, dass wir, als unsere Kinder schon groß waren, trotzdem dabeigeblieben sind.“ Oft habe sie erlebt, wie sich das Tanzen positiv auswirke – vor allem auf die schulische Leistung. Dass Bewegung zur Musik gut ist für Körper und Seele, belegt längst die Wissenschaft. „Bei uns in den Kursen geht es nicht nur um Leistung, sondern ums Tanzen selbst und das Miteinander. Dennoch sind manche Schüler hochmotiviert und trainieren außerhalb des regulären Unterrichts. Es ist toll zu sehen, wie sie aufblühen“, erklärt Baumgärtner. Jana und Lara Kaiser gehören zu denen, die sehr viel Freizeit im „TanzZentrum“ verbringen. „Wir nehmen an sämtlichen Kursen teil. Aber am wichtigsten ist uns die Ballettausbildung“, sagen die Schwestern wie aus einem Mund. Erst kürzlich standen sie bei einem Wettkampf in Duisburg mit ihrer Gruppenformation auf dem Siegertreppchen. Dort setzten sich die Schüler aus Hohenlohe gegen
3000 Mitstreiter durch. Aber auch im Duo gewann Jana Kaiser zusammen mit Maja Kowalik bereits einen ersten Platz.
Sieben Profis hat das Kirchberger „TanzZentrum“ bislang hervorgebracht. Der Berliner Staatsoper oder dem Moskauer Bolschoitheater streben Jana und Lara Kaiser gerade nicht zu. Dennoch müsse man „die beiden manchmal ein bisschen ausbremsen und schauen, dass sie nicht mit dem Training übertreiben“, bemerkt der Vater der ehrgeizigen Balletttänzerinnen. Arthur Kaiser hat selbst das Tanzfieber. Seit fünf Jahren unterrichtet er am „TanzZentrum“ Bokwa, ein Fitness-Workout aus Tänzen und Kickboxen. Der Mittvierziger hofft, dass auch künftig alles wie gewohnt weitergeht und die Vereinsvorstände die Schule in gute Hände übergeben können.180 Schüler sind derzeit angemeldet. Neben Ballett für Kinder und Jugendliche gibt es Kurse für Erwachsene und für Menschen mit Einschränkungen. Außerdem stehen Hiphop, Bauchtanz, Stepptanz, Line Dance, Breakletics sowie diverse Fitnesskurse auf dem Programm. „Ich glaube nicht, dass man in Großstädten unter einem Dach ein solch vielfältiges Angebot findet – auf so hohem Niveau“, ist Arthur Kaiser überzeugt.
Was die Gymnasiastin Jana am Tanzen hält? „Ich bin schüchtern. Meine Bühnenauftritte geben mir Selbstsicherheit – dann traue ich mir alles zu und fühle mich gut. Das nehme ich in den Alltag mit“, erklärt sie ihre Ballettbegeisterung. Der lebhaften Lara hingegen hilft die Bewegung, Energie abzubauen. „Den Kopf frei kriegen, die Fitness und Beweglichkeit“ ist für Dominik, der gerade sein Abitur geschafft hat, der Anreiz fürs Ballett. So unterschiedlich ihre Gründe fürs Tanzen sein mögen, so einig ist sich das Trio in einem: „Es ist wie eine Sucht. Wer es einmal anfängt, kann es nicht wieder lassen. Gut nur, dass es gesund ist.“ ela

Info:
Das „TanzZentrum Hohenlohe“ beendet sein 25-Jahr-Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür. Wer Lust hat, kann sich am Samstag, 16. November, ab 10 Uhr die Räumlichkeiten ansehen, sich über das Kursangebot informieren oder an den verschiedenen Workshops teilnehmen.

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