Ebbes aus Hohenlohe
„Die richtige Entscheidung“

„Die richtige Entscheidung“

Mit der Energie aus Biogasanlagen kann das Stromnetz stabil gehalten werden. Das erzeugte Methan kann jedoch auch direkt in die Erdgasleitungen eingespeist werden. In Emmertsbühl befindet sich eine solche Anlage.

Ein leicht säuerlicher Geruch liegt in der Luft, der typisch für die Vergärung von Biostoffen ist. Ansonsten ist nur das Brummen einiger Pumpen zu hören. Im großzügigen Besprechungsraum erzählt Betreiber Horst Eberlein, wie er und seine Biogasanlage in Emmertsbühl bei Blaufelden zu Vorreitern der direkten Nutzung des erzeugten Bio-Methans wurden.

In Biogasanlagen wird durch die unter Sauerstoffabschluss stattfindende Vergärung von Biomasse Methan produziert. Dieses Gas entspricht chemisch exakt dem fossilen Erdgas. In den meisten der bundesweit rund 9.500 Anlagen wird das Gas direkt in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, um daraus Strom und Wärme zu erzeugen. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist, die Wärme meist vor Ort verbraucht. Laut Zahlen des Fachverbands Biogas entspricht die Strommenge damit fast der gesamten in Deutschland produzierten Energie aus Fotovoltaikanlagen. Im Gegensatz zu Sonnen- und Windstrom lässt sich Biogas aber regeln. Wenn zu viel Strom im Netz ist, werden die Biogas-BHKW heruntergefahren. Fehlt Energie, können sie mehr liefern. Damit kann das Netz stabil gehalten werden.

Die Biogasanlage in Emmertsbühl gehört allerdings zu den rund drei Prozent der Anlagen in Deutschland, in denen ausschließlich Bio-Methan produziert und nach der Aufbereitung ins Gasnetz eingespeist wird. Horst Eberlein hat bereits im Jahr 2004 seine erste Anlage als weiteres Standbein für seinen landwirtschaftlichen Betrieb neben Ackerbau und Viehzucht errichtet. Zunächst betrieb er sie mit der Gülle und dem Festmist seiner Tiere und mischte Getreide, Maissilage und Futterreste dazu. „Das Material war vorhanden und ich konnte es so direkt auf dem Hof sinnvoll verwerten.“ Der erzeugte Strom wurde eingespeist und die Wärme, bis auf die für die Fermenter benötigte Menge, an die Umwelt abgegeben. So wurden nach seiner Aussage aber nur rund 35 Prozent des Gases effektiv genutzt.

Der 53-Jährige suchte einen Partner, der die Wärme das ganze Jahr über beispielsweise zur Trocknung nutzen könnte, fand aber keinen geeigneten. Auf einer Messe kam er mit Leuten ins Gespräch, die ihr Bio-Menthan aufbereitet und ins Netz geleitet hatten. Das sah er als clevere Alternative, denn in rund 800 Metern Entfernung lag schon damals eine Niederdruck-Erdgasleitung, in die das Gas eingespeist werden könnte. In der EnBW fand er schließlich einen passenden Partner, der sein Rohgas abnehmen, aufbereiten und nutzen würde. In Emmertsbühl sollte eine Pilotanlage entstehen.

Gesagt, getan: Um die Liefersicherheit zu gewährleisten, verdoppelte Horst Eberlein seine Anlage, schaffte die BHKW und sein Vieh ab und konzentriert sich seit September 2010 auf die Erzeugung von Bio-Menthan. Die EnBW baute direkt daneben eine Anlage, in der das Rohbiogas aufbereitet wird. Der Methangehalt von 53 bis 55 Prozent muss durch Abscheidung der unerwünschten Nebenstoffe auf rund 97 Prozent erhöht werden, wie es für das Erdgasnetz nötig ist. Mit dem in Emmertsbühl erzeugten Bio-Methan können rund 2000 Haushalte versorgt werden. Das abgetrennte Kohlendioxid wird derzeit noch in die Umwelt abgegeben. Horst Eberlein ist jedoch der Meinung, dass es sinnvoll verwertet werden sollte. Es enpricht der Menge, die die vergärten Pflanzen vorher aus der Umwelt aufgenommen haben. Das restliche Schwachgas wird in einem Flox-Brenner durch flammenlose Oxidation in Wärme umgewandelt, die dann zur Beheizung der Fermenter genutzt wird. „Das ist ein richtiger Kreislauf“, betont er.

Der verheiratete Vater von drei Kindern hat seinen Schritt bisher nicht bereut: „Es war die richtige Entscheidung.“ Er ist durch die fehlenden Tiere nicht mehr an seinen Hof gebunden und kann auch einmal in den Urlaub fahren. Ein Stellvertreter übernimmt in der Zwischenzeit die Überwachung der Anlage. Auf den Feldern des Hofes im Umkreis von zehn Kilometern werden Mais und Ackergras als nachwachsende Rohstoffe (NawaRo) für die Biogasanlage sowie Getreide zur Vermarktung angebaut. „Mit der Anlage kann ich eine gute Wertschöpfung erwirtschaften“, führt Horst Eberlein weiter aus. Die Befüllung der Anlage mit Biomasse bezeichnet der Landwirt nach wie vor als „Fütterung“. Dabei muss er genau auf die Mischung achten, denn die Methan-Bakterien sind sensibel und reagieren auf falsches „Futter“. Das Investitionsrisiko war damals schon groß, aber: „Mir hätte nichts Besseres passieren können.“

Bis 2030 ist die Förderung seiner Anlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert. Wie es danach weitergeht, ist noch ungewiß. Die Bundesregierung arbeitet an einem neuen Gesetz und will die Förderung herunterfahren. Laut Horst Eberlein dürfen in Biogasanlagen nur sortenreine Substrate verarbeitet werden, um die Förderung nicht zu gefährden. „Dabei wäre es doch besser, bei Bedarf auch die in der Nähe vorhandenen Rest- und Abfallstoffe zu vergären.“ Damit würde der umweltschädliche Transport wegfallen. „Das muss sich in Zukunft ändern“, fordert Horst Eberlein. th

Bild: In der Bio-Menthananlage in Emmertsbühl vergärt die Biomasse in den großen grünen Behältern, während das Rohgas in den grauen Containern für die Einspeisung aufbereitet wird.

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