Der Hund macht nur das, was ihm Spaß macht

Spielbacher Verein bildet als Hobby Vierbeiner aus

Hunde, die sich vor dem Überqueren der Straße zunächst setzen und dann warten, bis ihr menschlicher Begleiter ein Zeichen gibt, sind immer häufiger zu sehen. Viele von ihnen haben eine Ausbildung in einem Hundeverein absolviert.

Kurze, prägnante Befehle hallen über den Platz. Ein Rottweiler, der scheinbar unbeteiligt auf dem Rasen sitzt, springt freudig auf und läuft mit wedelndem Schwanz seinem Halter entgegen. Das ist nur eine der Aufgaben, die ein Hundeführer und sein Vierbeiner für die Prüfung beherrschen müssen. Ziel der Übungen beim Verein für Deutsche Schäferhunde in Spielbach ist es, dass sich die Tiere wohlerzogen in der Öffentlichkeit bewegen.
Robert Pehl bildet seit mehr als 30 Jahren Hunde aus. Damit das Tier auf seinen Besitzer hört, müssen sich beide aneinander gewöhnen und immer wieder gemeinsame Übungen absolvieren. Schrittweise wird dem Hund beigebracht, wie er sich zu verhalten hat. Dabei geht es nicht darum, den Willen des Tiers mit Gewalt zu brechen, sondern den natürlichen Spieltrieb auszunutzen. Denn: „Der Hund macht nur das, was ihm Spaß macht“, betont der Trainer. „Wenn der Hund eine Aufgabe erfolgreich beendet hat, bekommt er eine Belohnung.“ Auf diese Weise lernt der Hund beispielsweise, nach und nach neben seinem Besitzer herzulaufen, zu warten und dann auf Kommando eine Aktion auszuführen. Der Hund soll sich ganz spielerisch, ohne Zwang, unterordnen und auf seinen Führer fokussieren, die Bindung zwischen Mensch und Vierbeiner wird dabei geschult. So sollen sich die Tiere nicht durch ungewohnte Geräusche oder fremde Menschen ablenken lassen und sich im Verkehr neutral verhalten. Diese Ausbildung zum Begleithund dauert etwa 15 Monate. Sie ist die Voraussetzung für alle weiteren Schritte.
Auf dem Gelände des Vereins am Ortseingang von Spielbach treffen sich die Mitglieder und Gäste jeden Sonntagmorgen zum gemeinsamen Trainieren oder auch einfach nur so im Vereinsheim. Oftmals sind ganze Familien aktiv und üben zusammen ihr Hobby aus. Zwar hat sich der Verein bei seiner Gründung 1966 vor allem den Schäferhunden verschrieben, es sind aber alle Hunderassen, vom Dackel bis zur Dogge, mit ihren Besitzern willkommen. „Ein Schäferhund ist allerdings deutlich einfacher zu lesen“, erklärt Robert Pehl. Sind die Ohren auf Spannung, ist das Tier aufmerksam und fühlt sich wohl, sind sie angelegt, steht es unter Stress. „So sieht die Begleitperson leichter, wie es ihrem Hund geht und kann handeln.“ Denn wenn er aggressiv sei und andere Menschen oder andere Vierbeiner bedrohe, dann liege es am Besitzer, dass er sein Tier nicht im Griff habe. Gerade bei Schäferhunden oder Rottweilern sei es wichtig, so der erfahrene Trainer, dass der Hund seinen Besitzer als übergeordnet akzeptiert und auf seine Anweisungen hört.
Nach der Grundausbildung geht es ins Sportliche: Hier lernen die Hunde etwa, Gegenstände zu apportieren. Ein Stock wird über ein Hindernis geworfen und der Hund muss ihn auf Kommando holen. Auch hier gilt, dass die verschiedenen Übungsteile so erlernt werden sollen, dass der Hund Freude dabei hat. Das Tier wird artgerecht beschäftigt und gefordert, so bleibt es ausgeglichen.
„Unseren Sport können Jugendliche und Senioren gemeinsam betreiben“, erzählt Robert Pehl. Auch ältere Hunde erledigen die Aufgaben mit Vergnügen, da keine körperlichen Anstrengungen vonnöten sind. Zu den besonderen Herausforderungen gehört die Fährtenarbeit, sie macht gleichermaßen dem Hund und dem Halter Spaß. Da die Tiere mit ihrer Nase die Welt erkunden, sind sie mit besonderer Freude dabei, wenn es etwas aufzuspüren gilt. Die Fährte wird dabei oft über längere Strecken im unwegsamen Gelände und im Zick-Zack ausgelegt – als besondere Schwierigkeit kreuzt sich die Spur auch einmal. Die Hunde müssen dann treu der Fährte bis ins Ziel folgen. „Wir betreiben unser Hobby aus Spaß an der Freude und nicht, weil wir einen Wettbewerb gewinnen wollen“, fasst Trainer Robert Pehl seine Beweggründe zusammen. th

Info: www.schaeferhunde.de/ortsgruppen/og-spielbach_1548

Karin Amon lässt ihren Schäferhund Tigo über ein Hindernis springen und einen Gegenstand apportieren.

Daniel Marine übt mit seinem Schäferhund Rocky den Befehl „Bei Fuß“ Dabei lernt der Hund, sich auf seine Begleitperson zu konzentrieren. Das verstärkt die Bindung zwischen Hund und Halter.

Christine Geier bekommt von Trainer Robert Pehl Tipps, wie sie ihren Irish Setter Keeron führen soll.

 

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