Öko-Legenden im Haushalt

Sparen ist nicht immer sinnvoll

Seit Greta Thunberg steht auf der To-do-Liste vieler „etwas für die Welt tun“. Doch wer einen ökologischen Fußabdruck schmälern will, muss nicht gleich auf große Mission gehen oder sich die Wildwiese samt Bienenstock im eigenen Garten vornehmen. Bereits kleine Maßnahmen im Haushalt verbessern die persönliche Umwelt-Bilanz. Doch was ist eine gute Alternative? Bei dieser Frage sind viele Verbraucher unsicher. Denn es geistern einige Öko-Märchen durch die Welt.

Nachhaltiger leben im Sinne der Umwelt – ein guter Vorsatz. Doch nicht jeder oft gehörte Ratschlag ist sinnvoll. So muss ein Produkt, nur weil „Bio“ darauf steht, noch lange nicht gut für die Umwelt sein. Zum Beispiel, wenn es sich um Kartoffeln aus Ägypten handelt, wo sie erst stark bewässert werden und dann einen langen Transportweg überstehen müssen. Auch manche gängige Aussage zur Nachhaltigkeit trifft nicht unbedingt zu. Wir möchten mit gängigen Öko-Legenden aufräumen. Welche sind das und wie lassen sie sich vermeiden?

Legende 1: „Glas ist besser als Plastik“
Plastik verrottet nicht, verschmutzt die Meere und hat tödliche Folgen für Tiere. Trotzdem ist die Umweltbilanz von Plastikflaschen mit der Aufschrift „Mehrweg“ aufgrund ihres geringeren Transportgewichts besser als die von Mehrwegglasflaschen. Zudem verbraucht das Einschmelzen von Glas viel Energie. Darüber hinaus spielt aber auch der regionale Bezug eine Rolle, weiß Annette da Luz Correia, Bezirksleiterin des NABU Heilbronn. „Unsere Umwelt wird geschont, wenn die Flaschen vielfach gespült, wiederverwendet werden und die Transportwege kurz sind“, sagt die Expertin. Sie rät dringend von Einwegflaschen ab. Laut einer Studie der Deutschen Umwelthilfe legen sie
520 Kilometer zurück – rund doppelt so viel wie Mehrwegflaschen. Patrick Helber vom Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) in Crailsheim hat da einen praktischen Tipp: „Einfach den Hahn aufdrehen und Leitungswasser trinken. Das vermeidet Plastik, Glas und CO2.“

Legende 2: „Wasser sparen hilft der Umwelt“
Der Wasserverbrauch in Deutschland hat sich seit 1990 von rund 150 Liter pro Tag und Kopf auf etwa 123 Liter reduziert – auch, weil moderne Haushaltsgeräte und Armaturen effizienter geworden sind. Das kann örtlich aber zu Problemen führen. Wenn zu wenig Wasser durch die Rohre fließt, kann das die Qualität beeinträchtigen und es bilden sich unangenehm riechende Faulgase. Markus Braun von den Crailsheimer Stadtwerken empfiehlt deshalb, Wasser so zu verwenden, dass die hygienischen Bedingungen nicht darunter leiden. Sein Rat: „Wassersparen lohnt sich vor allem beim Warmwasser. Denn je weniger Wasser für Duschen und Baden erhitzt werden muss, desto weniger Energie wird verbraucht. Das entlastet das Klima und die Haushaltskasse.“

Legende 3: „Immer im Kurzprogramm waschen“
Die meisten Geschirrspüler und Waschmaschinen besitzen einen Eco-Modus oder ein Kurzprogramm, die mit geringer Temperatur laufen. Experten halten diese Funktionen für sinnvoll, da nicht jeder Spül- oder Waschgang die komplette Wassermenge benötigt. Etwa bei nicht allzu hohem Schmutz. Dennoch rät der Verbraucherschutz hin und wieder das Intensivprogramm zu starten. „Damit werden Schmutz- und Kalkreste in der Maschine entfernt, womit sich die Lebensdauer des Geräts verlängert.“ Was wiederum den Geldbeutel und die Umwelt schont. Außerdem sind Temperaturen von mindestens
60 Grad nötig, um mögliche Bakterien und Viren in der Maschine abzutöten.

Legende 4: „Alte Geräte müssen raus“
Muss ein neuer Kühlschrank her, wenn der alte noch seinen Dienst tut, aber viel Energie frisst? Eine Studie des Öko-Instituts zeigt, dass es sich in der Regel nicht lohnt, ein funktionierendes Elektrogerät frühzeitig auszumustern, weil die sogenannte „ökologische Rückzahldauer“ zu hoch ist. Erst nach mindestens fünf Jahren würde der geringere Verbrauch des neuen Geräts die Umweltbelastung durch die Herstellung wieder wettmachen. Daher lohnt es sich, zu warten, bis das Gerät ohnehin „den Geist“ aufgibt.

Legende 5: „Papiertüten statt Plastik“
„Zwar sehen vor allem ungebleichte Papiertüten umweltfreundlicher aus, sind gesamtökologisch aber nicht besser als eine normale Kunststofftüte“, weiß NABU-Expertin Annette da Luz Correia. „Einwegtüten aus frischen Papierfasern müssen schätzungsweise mindestens dreimal so oft genutzt
werden wie eine erdölbasierte Plastiktüte, damit sich die Klimabilanz ausgleicht – der Baumwollbeutel sogar bis zu 150 Mal öfter, da zur Baumwollproduktion viel Wasser (laut der Umweltorganisation WWF rund
11000 Liter für ein Kilogramm Baumwolle) sowie Pestizide zum Einsatz kommen. Die Fachfrau empfiehlt: „Einwegtüten vermeiden – immer eigene Taschen, Rucksäcke und alte Tüten zum Einkaufen mitnehmen.“

Legende 6: „Obst nur regional kaufen“
Verschiedene Untersuchungen ergeben: Obst und Gemüse aus der Region zu kaufen ist nur dann besser für die Umwelt, wenn es nicht in Kühlhäusern gelagert wird. Dies ist aber nur während der Erntezeit und kurz danach der Fall. Sobald heimisches Obst ins Kühllager wandert, kippt ihre positive Bilanz und der Energie-Aufwand wird im Zweifelsfall sogar höher als der für den Import per Schiff. Deshalb raten Experten Obst und Gemüse saisonal einzukaufen. Dabei sollten Verbraucher zur losen statt zur vorverpackten Ware greifen, keine Tüten für einzelne Äpfel oder Paprikas verwenden und auf to-go-Angebote verzichten. ela

Info: Ein großer Klimafaktor ist der Fleischverzehr. Dennoch scheint es für viele eine Herausforderung zu sein, diesen einzuschränken – das sagen zumindest die Zahlen: 1,2 Kilogramm Fleisch und Wurst verzehrt jeder Deutsche im Schnitt pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt wöchentlich höchstens 300 bis 600 Gramm Fleisch zu essen.

Als Faustregel gilt: Mehrweg statt Einweg und so wenig Plastik wie möglich verwenden. Es lohnt sich, den Einkauf in mehrfach verwendbaren Taschen zu transportieren, den Kaffee oder das Essen to go im mitgebrachten Becher oder Geschirr mitzunehmen sowie Obst und Gemüse lose zu kaufen.

Über die Hälfte der privaten Abfälle sind Plastik-Verpackungen. Das Problem: Kunststoff baut sich nicht ab, sondern zersetzt sich langsam in immer kleinere Teilchen, sogenanntes Mikroplastik. Dieses versteckt sich auch in Produkten wie Flüssigseifen, Peelings, Duschgelen oder Mascara – die Bezeichnungen Polyethylen (PE) oder Polyquaternium (PQ) sind oft ein Hinweis darauf. Feste Seifen oder zertifizierte Naturkosmetik sind hier eine gute Alternative.

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