Ebbes aus Hohenlohe

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Der Himmel hängt bei Gerhard Frank, nein, nicht voller Geigen, sondern voller Bilder: In seinem Atelier unter dem Dach hat der Crailsheimer seine Zeichnungen und Acryl-Malereien „zwischengelagert“, um sie später zu vollenden. Unten, in der Galerie, sind dann die (verkaufs-) fertigen Bilder zu sehen.
„Ich habe eine sehr intensive Beziehung zu Hohenlohe“, erzählt der Künstler. Darum zeigt er bei seiner Ausstellung im Crailsheimer Dienstleistungszentrum der VR Bank „Landschaften und Impressionen aus Hohenlohe“. Auf einem Teil der Bilder sind die gemalten Städte und Gemeinden leicht zu erkennen – bei seinen Serien „terra incognita“ und „terra franconia“ bleiben die genauen Orte vage. Mit Hintergrund, denn die Bilder aus der „Reiherperspektive“ (Frank) sind reine Fantasieprodukte, könnten aber Dörfer irgendwo zwischen Crailsheim und der Grenze zu Bayern darstellen.
Gerhard Frank ist vielseitig: Der gelernte Konditor (Spezialität: Horaffen) malt seit über 40 Jahren. Zunächst nebenberuflich in einer kleinen Kammer direkt neben seiner Backstube. Damals war er von Dali inspiriert: Im Stil des spanischen Surrealisten bildete Frank Eier in allen Varianten ab, „das lag bei meinem Beruf ja nahe“. Dazu kamen Clowns, die ihn zwar immer noch nicht loslassen, die er künstlerisch aber schon längst überwunden hat. Vor allem auf Bestellung fertigt der Maler die meist musizierenden, fröhlichen Gesellen.
Seit seinem 40. Geburtstag („Wenn nicht jetzt, wann dann?“) widmet sich der heute 62-Jährige ausschließlich der Malerei – sein Café in der Karlstraße hat er verpachtet. Die Entscheidung von 1988 war nicht leicht, „ich bin aber da geblieben und habe mich der Verantwortung gestellt“, erzählt Frank. Um seinen eigenen Stil zu finden, hat er sich zunächst selbst weitergebildet – die handwerkliche Basis musste stimmen. „Ich habe keine Angst vor einer großen weißen Fläche, technisch bin ich fit“, so die Gewissheit. Auf der Akademie wurde ihm allerdings klar, dass er abstrakter, freier werden muss.
So wandelt er noch heute zwischen den genauen Abbildern der Natur – außer Landschaften hält Frank auch Früchte im Bild fest – und Werken, die ausschließlich in der Fantasie und im Atelier über seinem ehemaligen Arbeitsplatz entstehen. Zu den Horaffen, dem heidnischen Opfergebäck mit zwei nach oben offenen Hörnern, kommt er aber immer wieder gerne zurück: Meist auf Wunsch malt er persönliche oder zeitkritische Varianten des Crailsheimer Nationalgebäcks. Dass Gerhard Frank auch Bilder im Auftrag anfertigt, sieht er als „Anerkennung meiner Arbeit“.
Gegensätze ziehen ihn an: helle und dunkle, optimistische und pessimistische oder abstrakte und reale Bilder prägen sein Werk. Gerhard Frank malt gerne in Serien, da kann er sich voll und ganz einem Thema widmen. Dann entstehen Impressionen – beispielsweise alle typischen Gebäude der Crailsheimer „Skyline“ auf einem Bild –, oder zeitkritische Werke aus seiner Reihe „Balance“. Figuren mit Stangen versuchen, gemeinsam ein Hindernis zu bezwingen: Ob es ihnen gelingen wird, muss der Betrachter selbst entscheiden.
Gerhard Frank schreckt auch vor „schweren“ Themen nicht zurück: 1996/97 nahm er sich der Sühnekreuze an. Die steinernen Mahnmale sind überall in der Hohenloher Landschaft zu finden, 48Kreuze sind alleine im Landkreis Schwäbisch Hall katalogisiert. Mit kräftigem Strich und mit roter, brauner und schwarzer Acrylfarbe hielt der Künstler die meist aus heimischem Muschelkalk und Sandstein gehauenen Sühnekreuze auf der Leinwand fest. Das „Wesen“ der einzelnen Steine sollte auf der Silhouette verdichtet werden.
Das Malen ist eines, das Vermarkten der Bilder ein anderes: Franks Partnerin Cornelia Schuster-Göltz „managt“ den Künstler, „wir ergänzen uns: ich kann malen, sie macht das Schriftliche“, erläutert der Künstler die Aufgabenteilung.
Schädel von Tieren, allerlei Andenken an Reisen und jede Menge Krimskrams leisten Gerhard Frank beim Malen in seinem Atelier Gesellschaft. Und sollte er bei einem seiner Bilder aus der Vogelperspektive einmal nicht mehr weiterwissen, wird ihm ein ausgestopfter Reiher, der in einem Eck still wartet, sicherlich weiterhelfen. th

Aus der Balance-Serie.
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Selbstbildnis
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