Ebbes aus Hohenlohe

Tolle Resonanz für Projekt

Gut zehn Monate nach dem Startschuss der Veranstaltungen für die Renovierung des Langenburger Torwachthauses beginnen schon die Bauarbeiten. 

Aus den offenen Fenstern staubte es sichtbar heraus. Es war das Geräusch von bröckelndem Putz zu hören: Acht Mitglieder des Rotary Clubs Crailsheim, unter ihnen der derzeitige Präsident Kurt Schrödel aus Langenburg, legten mit Brecheisen Hand an die Bausubstanz des Torwachthauses in Langenburg. Mit dem sogenannten „Hands-on-Projekt“ unterstützen sie nicht nur ideell und mit einer Geldspende die Renovierung des denkmalgeschützten Ensembles, sie helfen bei den vorbereitenden Arbeiten tatkräftig mit.

„Es ist der Hammer“, freut sich Heide Ruopp, das Herz und die treibende Kraft des Projekts, über die breite Unterstützung des Vorhabens: „Vor zehn Monaten und elf Tagen“, rechnet sie vor, „war die erste der insgesamt 26 Benefizveranstaltungen, mit denen die Renovierung des Häuschens finanziert werden sollte“. Wie mehrmals berichtet, reichten die Angebote des Geschichts- und Kulturvereins von Führungen zu normalerweise nicht zugänglichen Orten wie beispielsweise den verschiedenen Kellern im Langenburger Schloss oder dem „Steinhaus“, gingen über historische Exkursionen zum „Pestsarg“ auf dem Dachboden der Langenburger Stadtkirche oder zum ehemaligen Standort des Galgens und seiner Geschichte bis hin zu einem exklusiven Kaffeekränzchen und einer Vogelstimmenführung. „Wir haben eine super Resonanz erfahren, sowohl von den Besucherinnen und Besuchern als auch von den verschiedenen Anbietern“, berichtet Heide Ruopp voller Euphorie.

„Die Idee kam sowohl bei den heutigen als auch bei den ehemaligen Langenburgerinnen und Langenburgern gut an.“ Parallel gingen viele Spenden für das Torwachthäuschen ein, das zusammen mit dem Tor ein denkmalgeschütztes Ensemble bildet. „Das Projekt war eine nicht geahnte Erfolgsgeschichte“, erzählt sie. Zusammen mit den Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR), der Denkmalstiftung Baden-Württemberg und aus dem Langenburger Haushalt stand innerhalb kürzester Zeit die Finanzierung des Vorhabens.

Das Häuschen wurde bis April 2021 von der EnBW als Trafostation genutzt und als sie in einen Neubau in der Regenbacher Straße umzog, konnte das Projekt anlaufen. Die ersten Ideen für eine Sanierung habe es schon 2014 gegeben, erklärt Bürgermeister Wolfgang Class, doch damals gab es im Haushalt der Stadt keinen finanziellen Spielraum. Nun soll in dem linken Raum des ehemaligen Torwächters ein Informationspunkt für Touristen und rechts, in der ehemaligen Arrestzelle, eine offene Bücherei entstehen. Im Untergeschoss werden zwei Lagerräume eingerichtet: Hier sollen Stühle und Materialien deponiert werden, die für Veranstaltungen in dem kleinen Garten, südlich des Gebäudes, am Bettelweg, benötigt werden. „Wir möchten das Gebäude und den Platz drumherum für Vorträge zu gesellschaftlich relevanten Themen nutzen“, betont der Bürgermeister.

Moritz Frick, der als freier Architekt vom Geschichts- und Kulturvereins mit der Bauleitung beauftragt wurde, geht das Projekt mit großem Engagement an: „Das kleine Häuschen hat einen hohen Wert für den Denkmalschutz.“ Es sei grundsätzlich in einem guten baulichen Zustand. Allerdings hat das Spritzwasser von der Straße dem Sockel stark zugesetzt: „Hier ist dringender Handlungsbedarf, da sich das Gebäude schon etwas gesetzt hat.“ Zunächst wird das Haus abgesprießt und dann das Mauerwerk aus den Gefachen geschlagen. Die Rotarier haben am Samstag geholfen, einen neuen Zugang im rückwärtigen Bereich zu schaffen und die Farbe von den Balken abgelöst. Der Keller wurde entrümpelt und Kabelkanäle ausgegossen. Am kommenden Samstag soll die Decke aus Betonsteinen zurückgebaut werden.

Für die eigentlichen Bauarbeiten im Oktober müsse der Torturm für den Verkehr gesperrt werden, „ohne diese Vorsichtsmaßnahme wäre es wegen des nicht vorhandenen Platzes für die Arbeiter zu gefährlich“, erklärt Bauleiter Frick. Dann werden einzelne Balken ausgetauscht, die Gefache wieder ausgemauert und neue Fenster eingesetzt. „Die Zeit der Sperrung wollen wir aber so kurz wie möglich halten, weil es dadurch einen langen Umweg für die Langenburger gibt.“ Ohne Sperrung geht es an die Innenarbeiten, die je nach Witterung spätestens bis Ostern 2023 abgeschlossen sein sollen.

Die Herausforderungen für den Architekten sind das Dach, das neu mit alten Ziegeln gedeckt werden muss, sowie die möglichst kurze Straßensperrung. Das Torwachthaus soll außerdem später nicht beheizt werden.

Die Begeisterung für Langenburger Gemeinschaftsprojekte ist so groß, dass Heide Ruopp und ihr Team sie für weitere Benefizaktionen nutzen möchten. So soll beispielsweise Ende Oktober ein Flohmarkt zugunsten der Freibadfreunde organisiert werden. th

Berichte über einige der Veranstaltungen:
Überblick über das Programm
Galgenbau in Langenburg
Führung durch das „Steinhaus“
Keller in Schloss Langenburg

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