Ebbes aus Hohenlohe
„Fragt nach, bleibt kritisch“

„Fragt nach, bleibt kritisch“

Entscheidungen in den Rathäusern betreffen die Menschen vor Ort oft unmittelbar. Jugendliche aus Schrozberg klärten die Themen deshalb direkt mit Bürgermeisterin Jacqueline Förderer.

Der Bundeskanzler ist für die große Politik zuständig: Verteidigung und Renten. Der Ministerpräsident kümmert sich um Polizei und Wirtschaft. Und die Bürgermeisterin? Dieser Frage gingen am Donnerstag gut 40 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen aus Schrozberg auf den Grund.

Beim Format „Schule trifft Rathaus” der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) wurden die 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler mit den Aufgaben der Kommunalverwaltung vertraut gemacht. Zum Abschluss stand Bürgermeisterin Jacqueline Förderer Rede und Antwort.

Bevor die Bürgermeisterin kam, wiesen die beiden Moderatoren der LpB, Jonas Hilla und Ludwig Leuser, die Jugendlichen darauf hin, die Zeit mit der Bürgermeisterin zu nutzen: „Fragt nach, bleibt kritisch“, schärften sie ihnen ein. Gleich zu Beginn des Gesprächs stellte Jacqueline Förderer klar, dass ihr Jugendbeteiligung wichtig sei. In Schrozberg gebe es allerdings kein etabliertes Gremium. Deshalb kam ihr das Angebot der LpB zum Aktionstag „Schule trifft Rathaus“ gelegen. Sie nahm Kontakt zur Schule Schrozberg auf und so kam der Termin zustande. Die Bürgermeisterin machte erst einmal Werbung für die Stadt. „Wir müssen uns mit unserer Vereinslandschaft und Infrastruktur nicht verstecken.“ Das Wichtigste sei, dass man in Kontakt bleibe und nicht gegeneinander arbeite: „Nur gemeinsam kann man etwas erreichen.“

Das erste Themenfeld, das sich die Jugendlichen ausgesucht hatten, betraf die Infrastruktur. Sie wünschten sich ein griechisches und ein Sushi-Restaurant in Schrozberg. „Den Wunsch kann ich nachvollziehen“, sagte die Bürgermeisterin. „Das hätte ich auch gerne.“ Allerdings habe die Verwaltung keine Möglichkeit, Gaststätten aktiv anzusiedeln. Die Inhaber bestimmen selbst, was sie anbieten. Jacqueline Förderer ist froh, dass es in vielen Teilorten und im Hauptort gastronomische Betriebe gibt.

Noah und Paul wollten wissen, warum die Fußgängerbrücke über die Eisenbahnlinie 2020 zunächst gesperrt und schließlich abgerissen wurde. „Wir müssen alle Brücken von Zeit zu Zeit überprüfen lassen“, antwortete die Bürgermeisterin. „Und die Fußgängerbrücke war nicht mehr sicher.“ Und warum wurde sie nicht erneuert? „Die Stadt hätte eine Förderung von 320.000 Euro bekommen, aber die Brücke sollte am Ende 1,4 Millionen Euro kosten.“ Das konnte die Stadt nicht finanzieren, zumal die nächste Bahnquerung nur 300 Meter entfernt ist.

Da das Thema Sanierungen bereits zur Sprache kam, wurde auch die Schule angesprochen. „Hier müssen wir ebenfalls erst Fördermittel sammeln, bevor wir beginnen können“, sagte Jacqueline Förderer und wies auf die schwierige finanzielle Lage der Stadt hin. „Die Renovierung kostet etwa 14 Millionen Euro, die wir in drei bis vier Bauabschnitte unterteilen müssen.“ Die Schülerinnen und Schüler sollten davon ausgehen, dass mit den Arbeiten erst begonnen wird, wenn sie die Schule bereits verlassen haben.

Zwischendurch wurden immer mal wieder Fragen gestellt, die sich die Jugendlichen im Vorfeld ausgedacht und in einer Stofftasche versteckt hatten. Unter anderem wurde die Bürgermeisterin gefragt, wie viel sie verdiene. „Das ist kein Geheimnis, das könnt ihr überall nachlesen. Es sind rund 100.000 Euro im Jahr.“ Diese Summe relativiere sich jedoch schnell, wenn man ihre große auch rechtliche Verantwortung und die Arbeitszeit berücksichtigt: „Ich bin 24/7 für die Stadt unterwegs“, machte die 38-Jährige klar. „Meine Familie und die Kinder kommen da manchmal zu kurz.“

Dascha und David sprachen die Angebote für Jugendliche an: „Wir haben nicht viele Möglichkeiten. Im Jugendhaus sind kaum noch Leute in unserem Alter.“ Die Bürgermeisterin fragte nach, was sie sich denn konkret wünschten. „Vor allem mehr Veranstaltungen oder ein Club mit Musik.“ Das sei kein Problem machte Jacqueline Förderer klar: „Wir haben entsprechendes Equipment vor Ort und können das Programm gerne anpassen.“ Einzelveranstaltungen seien denkbar, aber nicht regelmäßig, schränkte sie ein. „Bitte lasst uns Vorschläge zukommen.“ Schnell stellte sich heraus, dass vor allem Informationen fehlten. „Sie müssen einen Social-Media-Account einrichten“, forderten die jungen Leute. Das lehnte die Bürgermeisterin wegen der fehlenden Kapazitäten im Rathaus ab: „Das ist ein Haufen Arbeit, wenn man es richtig machen möchte. Das will ich nicht an Jugendliche übertragen.“ Die Stadt könnte Hinweise erstellen, die die Schülerinnen und Schüler dann in ihren eigenen Accounts teilen könnten, lautete der Vorschlag. Während des Dialogs konnten die Jugendlichen die Antworten von Jacqueline Förderer mit roten oder grünen Smileys beurteilen. Bei diesem Thema gab es überwiegend rote Smileys.

Die Veranstaltung kam bei den Jugendlichen sonst sehr gut an. Dascha war mit den Antworten der Bürgermeisterin im Gespräch mit dieser Zeitung zufrieden, hätte sich aber konkretere Angebote gewünscht. Auch Gemeinschaftskundelehrer Christian Gundling zeigte sich positiv: „Die Schülerinnen und Schüler haben sich gut geschlagen.“ th

Bild: Mit einzelnen Antworten von Bürgermeisterin Jacqueline Förderer (rechts mit rotem Blazer) waren die Schrozberger Jugendlichen nicht zufrieden. Im Großen und Ganzen sahen die Schülerinnen und Schüler den Dialog jedoch positiv.

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