Ebbes aus Hohenlohe
„Spüren Wunden immer noch“

„Spüren Wunden immer noch“

Vor 60 Jahren brannte das Schloss in Langenburg.

Großer Schreck in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 1963 im Langenburger Schloss: Die Kammerzofe Berta Münz („Münze Bertl“) entdeckte gegen ein Uhr einen Brand. Die umliegenden Feuerwehren wurden alarmiert. Wegen der eisigen Kälte gefror das Löschwasser in den Schläuchen. Rasch griff das Feuer um sich. Der Ostflügel stand innerhalb kurzer Zeit komplett in Flammen, der Betten- und der Kapellenturm fingen Feuer, im Glockenturm stürzte die Glocke in die Tiefe. Weitere Wehren eilten zum Brandort. Sie konnten aber das Übergreifen auf den Nordflügel nicht verhindern. Gegen 4.30 Uhr traf die Berufsfeuerwehr aus Stuttgart ein. Mit Tankwagen wurde im Pendelverkehr das Löschwasser herangeschafft. Das Feuer konnte von den 275 Feuerwehrleuten schließlich unter Kontrolle gebracht und gegen acht Uhr gelöscht werden. Der Süd- und Westflügel blieben erhalten, der Rest des Schlosses wurde ein Raub der Flammen. Der Gesamtschaden wurde damals auf rund sechs Millionen Mark geschätzt, nach heutigem Wert circa zwölf Millionen Euro.

„Das Unglück war in meiner Jugendzeit immer noch präsent“, erzählt Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg, der erst 1970 geboren wurde und den Brand selbst gar nicht miterlebt hatte. Die Arbeiten im Schloss dauerten noch Jahre später an. So seien beispielsweise lange an einigen Treppen provisorische Geländer angebracht gewesen. Der dritte Stock des Ostflügels wurde nie ausgebaut, „wir haben dadurch weniger Platz zur Verfügung“. Durch den Neubau der Wohnräume konnten allerdings die Zimmer anders angeordnet werden: So befinden sich heute die Badezimmer bei den Schlafräumen, „früher lagen sie am anderen Ende des Gangs“. Der Brand habe damit auch positive Auswirkungen für die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner gehabt.

„Ich bewundere meine Eltern, wie sie das Schloss bis zum Sommer 1966 wieder aufgebaut haben“, würdigt Fürst Philipp den Einsatz von Fürst Kraft und Fürstin Charlotte. Allerdings sei vieles unwiederbringlich verloren gegangen: Da die Bibliothek im Nordflügel stark vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen wurde, seien persönliche Gegenstände wie etwa Briefe vernichtet worden. „Ich habe kaum noch Objekte, die mich an meine Großeltern Fürst Gottfried und Fürstin Margarita erinnern“, beschreibt er die Situation. „Meine Großmutter hat wie ihr Bruder, der englische Prinzgemahl Prinz Philip, viel gemalt – keines der Bilder blieb erhalten.“ Letztes Jahr habe er von einer US-Amerikanerin eine Kopie eines Werks erhalten. So habe er wenigstens einen Eindruck, wie seine Großmutter gemalt hat. „Wir spüren die Wunden immer noch, die das Feuer in das Langenburger Schloss gebrannt hat“, blickt Fürst Philipp auf das Inferno zurück. th

Bild: Vor 60 Jahren stand innerhalb kürzester Zeit der Ostflügel des Langenburger Schlosses in Flammen. Foto: Archiv Schloss Langenburg

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