Zusammen gegen die Pandemie

Hohenloher helfen sich gegenseitig

Das Corona-Virus hat auch die Region unvorbereitet getroffen. Nach einigen Tagen der Schockstarre und der Unsicherheit rauften sich die Hohenloher zusammen: Daraus sind viele Aktionen entstanden, bei denen sich die Menschen gegenseitig helfen und zusammenrücken. Einige Beispiele:

Hilfe für den Nächsten
Auf der einen Seite ist Abstand halten das Gebot der Stunde, auf der anderen Seite haben sich Menschen zusammengetan, um sich gegenseitig zu helfen. Alle Vereine durften zu Beginn der Pandemie keinen Sport betreiben. Was sollten sie mit der gewonnenen Freizeit tun? Daheimsitzen und Fernseh schauen? Die Mitglieder wollten sich weiter für die Gesellschaft engagieren und überlegten, was zu tun war. Da vor allem ältere und kranke Menschen Kontakte meiden sollten, entstanden verschiedene Einkaufsdienste. Wer nicht selbst in den Supermarkt gehen wollte, schickte seinen Einkaufszettel beispielsweise an den TSV Blaufelden, den SC Wiesenbach oder den FC Billingsbach. Die Mitglieder holten zunächst das Geld ab, kauften dann die gewünschten Artikel ein und brachten sie schließlich direkt an die Haustüre. Die ehrenamtlichen Einkäufer waren in allen Orten recht gut beschäftigt und konnten so direkt Hilfe leisten.

Masken als Schutz
Viele Vereine, Organisationen und auch Privatleute haben Masken genäht und sie an Risikogruppen oder -patienten verschenkt. Somit konnte die erste Zeit, in der noch keine ausreichende Zahl an Masken zur Verfügung stand, überbrückt werden. In Gera-
bronn wurden die Masken verkauft. Vom Erlös erhielten die Näherinnen als Dankeschön einen Gutschein für die örtliche Gastronomie. Somit hatten auch die Betriebe etwas davon, die ihre Tore schließen mussten.

Schulen im Ausnahmezustand
Ebenfalls mit Masken beschäftigten sich die Schüler des Schulzentrums Blaufelden: Sie bekamen von ihrer Kunstlehrerin die Aufgabe, im Homeschooling individuelle Gesichtsbedeckungen zu schneidern. Für die Kinder und Jugendlichen war das eine willkommene Abwechslung. Die unterschiedlichsten Varianten und die ausgefallensten Farbzusammenstellungen entstanden. Damit auch die Bevölkerung etwas von der Kreativität der jungen Leute mitbekam, wurden die Werke an die blaue Litfasssäule vor dem Schulzentrum gehängt.
Um die Schüler, die dieses Jahr ihren Abschluss machten, gut vorbereitet in die Prüfungen zu schicken, durften sie schon früher als ihre Schulkameraden wieder Präsenzunterricht genießen. Für viele Kinder und Jugendliche war das – anders als sonst – eine große Freude, weil sie ihre Mitschüler wieder treffen konnten und der langweilige Alltag zu Hause ein Ende hatte. Doch die Situation war für beide Seiten sehr speziell: Die vermummten Lehrer nahmen vor den Schulgebäuden ihre ebenfalls vermummten Schüler in Empfang, ohne Geschrei und ohne wildes Herumwuseln – eine bizarre Situation. Ein Umstand, der eher zum Fürchten als zur Freude Anlass gab, denn nur die Augen mussten das Willkommenslächeln ’rüberbringen. In der Zwischenzeit haben die Schüler aller Jahrgangsstufen wieder den Unterricht besucht und es hat sich so etwas wie eine neue Normalität eingestellt.

Pflegedienste gefordert
Das Pflegepersonal der verschiedenen mobilen Dienste ist in der jetzigen Situation stark beansprucht: Die Mitarbeiter können und wollen keinen Abstand halten, müssen jedoch sich und vor allem ihre Patienten mit Vorerkrankungen vor einer Ansteckung schützen. Gerade zu Beginn der Pandemie war es gar nicht so einfach, die notwendigen Schutzmaterialien zu beschaffen. Die Diakoniestation Blaufelden etwa hatte noch Kittel, Handschuhe und Masken im Bestand, Nachschub musste aber schnell besorgt werden. Unter erheblichem finanziellen Einsatz konnte der Bedarf gedeckt werden. Für die Patienten und Mitarbeiter sei aber kein Aufwand zu groß, heißt es von der Diakoniestation. Der Schutz ist und war jederzeit gewährleistet, kein Kunde war somit bis heute einer Gefahr ausgesetzt.

Das Virus und Menschen mit Einschränkungen
Die Übertragungswege des Virus und die Maßnahmen dagegen sind nicht leicht zu verstehen. Noch schwieriger ist es, dieses Thema Menschen mit Einschränkungen nahezubringen. Warum verhält sich die Vertrauensperson auf einmal so distanziert? Betreuten Menschen musste mit einer vereinfachten, leichten Sprache das Thema vermittelt werden, um sie nicht von den Informationen rund um die Krankheit auszuschließen. Mit Piktogrammen wurde erklärt, warum der Erreger so gefährlich ist und was dagegen unternommen werden kann: Abstand halten, eine Maske tragen und häufig Hände waschen. Dennoch schränkte die Pandemie das Leben beispielsweise der Weckelweiler Gemeinschaften stark ein. Die Schließung der Werkstätten hat die Bewohner stark getroffen, weil sie nicht mehr ihrem gewohnten Alltag nachgehen konnten. Zwar arbeiten die betreuten Menschen wieder, die Kontaktverbote und somit nicht möglichen Besuche von Freunden und Angehörigen machen ihnen aber nach wie vor zu schaffen.

Gefühlsdurcheinander
Die Zeit der Corona-Pandemie ist für alle Hohenloher eine emotionale Ausnahmesituation, die noch einige Monate andauern und den Alltag bestimmen wird. Das wirklich Erfreuliche ist der spürbare Zusammenhalt und die gegenseitige Solidarität, die sehr schnell nach dem Shutdown Mitte März eingesetzt hat. Nachbarn achten aufeinander und sind sich gegenseitig behilflich. Es wäre wünschenswert, dass diese positiven Veränderungen auch dann bestehen bleiben, wenn die Schutzmaßnahmen und Kontaktverbote weiter gelockert werden und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen könnte. th

Die 9. Klasse der Realschule Blaufelden fasste in der Hochphase der Corona-Pandemie die Verhaltensregeln auf Hohenlohisch zusammen – eine tolle Aktion der Schüler.

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