Ebbes aus Hohenlohe

Der Welt Gutes tun

Frauenkreis bastelt für Muswiesen-Stand und soziale Projekte

Die Muswiese ist etwas ganz Besonderes. Wir freuen uns, Teil davon sein zu können“, fassen die Teilnehmerinnen des Frauenkreises der evangelischen Kirchengemeinde Rot am See  ihre Motivation zusammen. Sie verkaufen an ihrem Stand selbst gemachte Dinge.  

Die Vorbereitungen sind anstrengend. In den letzten Tagen vor der Muswiese müssen die Frauen Früchte, Äste und Zapfen in der Natur sammeln. Daraus basteln sie herbstliche Türkränze. Bis zu 180 Stück verkaufen sie beim „größten Freiluftkaufhaus der Region“. „Sie haben einen ganz praktischen Vorteil“, so erzählen die rührigen Damen, „wenn sie nicht mehr schön sind, kann man sie direkt auf dem Kompost oder in der Tonne entsorgen und muss nichts mehr zum Aufheben einpacken“. Die anderen Dinge wie Topflappen, Mützen, Taschen oder Herbstdekorationen basteln, nähen und stricken die Frauen das ganze Jahr über bei ihrem wöchentlichen Treff im evangelischen Gemeindehaus in Rot am See. Die gut 20 Teilnehmerinnen kommen jeden Mittwoch um 9.30 Uhr zusammen. 

Den toll gestalteten Stand links von der Michaelskirche in Musdorf gibt es seit 1992: Mit gestrickten Strümpfen und gehäkelten Deckchen finanzierte die evangelische Gemeinde den Bau ihres Gemeindehauses. Außerdem wurde das Kochbuch „Was die Raider koche und backe“ aufgelegt, das reißenden Absatz fand. 

Als es 1993 keine Kochbücher mehr gab, wurde beschlossen, die Frauen der ehemaligen Mutter-Kind-Gruppe mit ins Boot zu holen. Das Sortiment wurde um Fensterbilder, Holzarbeiten, selbstgemachte Marmeladen und Gebäck erweitert – die Kränze kamen erst viel später dazu. Als Anfang der 1990er-Jahre die Kinder dieser Gruppe in den Kindergarten kamen, firmierten die Teilnehmerinnen um zum „Frauenkreis“. Sie stellten ab diesem Zeitpunkt auch den Großteil der „Standfrauschaft“ auf der Muswiese, sorgten für die Bestückung des Standes und übernahmen die gesamte Organisation.

Zunächst wurde der Gewinn für die Zwecke der eigenen Gemeinde verwendet: Die Jugendgruppen der Kirchengemeinde erhielten einen Tischkicker, Gitarren oder auch Legobausteine. Seit 1998 dürfen die Frauen gemeinschaftlich bestimmen, welche Projekte sie unterstützen. „Die eigene Gemeinde steht seitdem hinten an, wir wollen soziale Vorhaben fördern.“ Das Geld geht abwechselnd an Missionsprojekte in Mali, an ein Kinderkrankenhaus im Kongo oder an Familien in Haiti. „Das schwer von Erdbeben gebeutelte Haiti liegt uns bis heute ganz besonders am Herzen, zumal hier auch persönliche Beziehungen bestehen.“ Allen voran unterstützt die Gruppe den heute 25-jährigen Nehemiah Nyebba aus Uganda: Zunächst sorgte sie dafür, dass er eine Schule besuchen konnte. Seit dem Schulabschluss finanzieren sie sein Studium. Auch den dafür benötigten Laptop kauften die „Raider“ Frauen mit dem Geld aus ihren selbst gebastelten Dingen – sehr zur Freude ihres Patenkinds.

Aus dem anfänglichen Bretterstand mit Windschutzplane und Styroporplatte, „in dem es kalt war und zog“, wurde ab 2002 ein stabiler Stand auf Rädern. Das Dach hat die Form eines Schiffsbugs nach dem Motto „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ und wurde auch farblich so gestaltet.

Für die Frauen sind das ganzjährige Basteln und auch der Standdienst auf „ihrer“ Muswiese etwas ganz Besonderes. „Durch die unterschiedlichen Frauen bekommen wir eine bunte Mischung an Dingen und für verschiedene Geschmäcker zusammen.“ Viele bekannte und unbekannte Menschen kommen an den Stand und halten ein „Schwätzle“. Wildfremde Besucher erzählen ihre ganze Lebensgeschichte, „das macht den Standdienst so spannend“. th

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