Munteres Patschnass bei der DLRG Gerabronn

Der Verein ist wichtig für Bäder und Jugend

Kürzlich ist die neue Freibad-Saison verspätet gestartet. Die Rettungsschwimmer der DLRG treten vielerorts wieder leuchtend in Erscheinung: In gelben T-Shirts schieben sie am Beckenrand geduldig Wache, stets bereit für den Sprung ins Wasser. Doch Retten ist nicht ihre einzige Aufgabe. Auch Bergen gehört dazu. Und vor allem, die Jugend ausbilden.

Donnerstagabends ist die Gerabronner Schwimmhalle in normalen Zeiten ein beliebtes Ziel. Denn dann ist die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG, vor Ort – derzeit sind die Übungsstunden allerdings ausgesetzt. Beinah im Stundentakt geben sich derzeit etwa 90 Schüler aus unterschiedlichen Leistungsstufen die Klinke in die Hand. „Um fünf Uhr starten die Anfänger, danach finden die Trainingseinheiten für die älteren Schwimmer statt. Insgesamt sind es sechs Gruppen“, erzählt Bettina Barta, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Ortsgruppe Gerabronn kümmert. Sie ist mit aktuell 511 Mitgliedern die größte im Bezirk Schwäbisch Hall. Brust, Kraul, Streckentauchen, Rücken ohne Arme, Hindernisse und Abschleppen üben stehen auf dem Stundenplan der Schwimmschüler. Lautstark hallen knappe Anweisungen durch das Bad oder anfeuerndes „Hopp, hopp, hopp, du schaffst das“. Doch beim Training der DLRG geht es nicht nur um Geschwindigkeit. „In erster Linie sollen die Kinder lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen. Dazu ist mindestens das Jugendschwimmabzeichen Bronze nötig“, stellt Barta fest. „Gerade bei den Kleineren ist es wichtig, dass sie die richtige Schwimmtechnik lernen, denn darauf baut alles andere auf“, meint das langjährige Vereinsmitglied.
Nicole Klingler-Schultz leitet derzeit die Schwimmgruppen. Daneben sind Manfred Franz (Technischer Leiter) und Vanessa Wimberger für die Ausbildung verantwortlich. Acht Ü18-Trainer und einige aus dem Jugendteam unterstützen sie dabei. „Es ist enorm, was unsere Freiwilligen in Sachen Jugendarbeit leisten“, betont Julian Kuzio, Vorsitzender der Ortsgruppe Gerabronn, der selbst bereits von der DLRG für seinen vorbildlichen Einsatz ausgezeichnet wurde. „Wer zu uns kommt, kann hinterher gut schwimmen. Auch unsere Wettkampfergebnisse sprechen für sich: Sowohl bei den Bezirksmeisterschaften, als auch bei den Landesmeisterschaften schneiden wir immer gut ab“, freut sich der 31-Jährige.
Kinder und Jugendliche fit fürs Wasser zu machen, ist die Kernaufgabe der DLRG-Gerabronn. Nur ein gut ausgebildeter Rettungsschwimmer kann sich für den Wasserrettungsdienst qualifizieren. Der Nachwuchs ist auch für die örtlichen Bäder wichtig. „Wir tragen mit unserem Wachdienst im Schwimmbad Gerabronn und dem Langenburger Freibad maßgeblich dazu bei, dass der Badebetrieb aufrecht erhalten bleibt.“ Obwohl sich bei der DLRG alles ums Retten dreht, gehört die Freibad-Aufsicht bei den Jüngeren oft zu den etwas unbeliebteren Aufgaben. Wer das Rettungsschwimmabzeichen in Silber erworben hat, darf Aufsicht machen. „Da sind die meisten etwa 15 Jahre alt und stehen vor der Herausforderung, von den Badegästen ernst genommen zu werden“, erklärt Julian Kuzio. „Es ist nicht lustig, wenn Badegäste bei praller Hitze achtlos ins Wasser drängeln oder gefährliche Sprungmanöver vom Beckenrand starten und sich dann nichts sagen lassen“, weiß der Gerabronner Vorsitzende aus Erfahrung.
Auch die Wasserbergung sei nichts für schwache Gemüter. Wenn der Alarm losgeht, machen sich mindestens sechs DLRG-Rettungskräfte auf zum Bootshaus in der Jahnstraße. Dort ist die notwendige Ausrüstung untergebracht. Kuzio ist meistens dabei. Per Funk oder Telefon nimmt er Kontakt mit dem jeweiligen Gruppenführer auf und holt sich die ersten Anweisungen. Dann macht sich das Team auf zum Einsatzort – Gewässer im Bezirk. Die Wasserretter habe viele eigene Einsätze oder unterstützen andere Blaulicht-Organisationen, denn im nassen Element sind sie die Spezialisten, können Erste Hilfe leisten oder wiederbeleben. Doch zu oft sei es bei einem solchen Einsatz zum Leben retten schon zu spät, wie Kuzio weiß. Und manches könne man nicht so einfach vergessen. So habe sich ihm zum Beispiel das Bild eines eingefrorenen Schlittschuhläufers eingebrannt.
Doch bei allem Ernst ist das Vereinsleben bei der DRLG mit viel Spaß verbunden. Ausflüge in Abenteuerparks, Wanderungen, Zeltlager, Veranstaltungen im Vereinsheim für Kinder und Jugendliche sind fester Bestandteil im Kalenderjahr der Mitglieder. „Wenn ein DLRGler heiratet, stehen wir Kameraden Spalier“, sagt Bettina Barta. Das ist so Tradition bei der Ortsgruppe, genau wie das Maibaumstellen und Mitwirken am Fasching. Aber auch einfach gemütlich in dem frisch renovierten Vereinsheim im alten Progymnasium zusammensitzen und Getränke an der modernen Bar genießen, macht das DLRG-Gefühl aus. ela

Info: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, kurz DLRG, ist mit fast 600 000 Mitgliedern und über 2000 örtlichen Gliederungen die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation weltweit. Neben Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung werden in Gerabronn auch diverse Kurse wie Säuglingsschwimmen oder Aquafitness angeboten.

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