Ebbes aus Hohenlohe

Antrieb ist, Lebewesen zu helfen

In Not geratene Tiere sind bei Beate Hager in guten Händen

Wer in Hohenlohe einen Vogel findet, der aus dem Nest gefallen oder verletzt ist, bringt ihn zu Beate Hager. Die Tierfreundin ist aber eigentlich eine Spezialistin für Fledermäuse.

Der kleine Zappelphilipp in ihrer Hand ist kaum zu sehen: Die Kirchbergerin Beate Hager nimmt die wenige Tage alte Zwergfledermaus behutsam in ihre Hand und füttert sie mit einer Pipette. Die Flattermänner sind Säugetiere und müssen in den ersten Lebenstagen alle zwei Stunden mit Milch gefüttert werden. Der kleine Insektenfänger wurde gefunden und gleich zur „ehrenamtlichen Sachverständigen für Fledermäuse“ gebracht. Sie ist eine von drei Anlaufstellen für die einzigen fliegenden Säugetiere im Landkreis Schwäbisch Hall, „zu wenig für die große Fläche“. Darum kommen die Tiere teilweise von weit her: Zusammen mit der Tierärztin Dr. Amalie Facher in Weipertshofen werden verletzte Tiere behandelt, gepflegt und dann auch so schnell wie möglich ausgewildert. Mit ihrem Mann Manfred Mächnich kümmert sie sich aber auch um andere aufgefundene Wildtiere, oft verletzte Vögel. Im letzten Winter wurde es eng bei Beate Hager: 20 ledermäuse auf einmal wurden bei ihr abgegeben – sie wurden in ihrer Winterruhe gestört und waren somit in ihrem Energiehaushalt geschwächt.

Für ie rbeitsgemeinschaft ledermaus-Schutz Baden-Württemberg kümmert sich die Fachfrau zusammen mit anderen ehrenamtlich um die Fledermauspopulationen und die Pflege von Fledermäusen im Landkreis Schwäbisch Hall. Um als Ansprechpartnerin und Beraterin zu fungieren, bildete sie sich bei der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden- Württemberg weiter. In Deutschland gibt es 24 Fledermausarten, 16 davon wurden schon in der Region nachgewiesen. Dazu gehören das Große Mausohr, der Kleine Abendsegler, die Mopsfledermaus und die Zwergfledermaus. Allerdings geht die Population des Großen Mausohres in Kirchberg nach ihrer Beobachtung zurück: „Die Zahl der Individuen in der Kolonie, die wir regelmäßig kontrollieren, nimmt ab.“ Meist störe der Mensch die Tiere an ihren Schlafplätzen oder auch in der „Kinderstube“, wohin sich die Mütter zur Geburt und zum Säugen zurückziehen. 

Beate Hager weist darauf hin, dass alle Fledermausarten in Deutschland streng geschützt sind, sie oder ihre Quartiere nicht gestört werden dürfen, „auch nicht ,nur kurz‘“, betont sie. Wenn bei Bau- oder Renovierungsarbeiten eine Kolonie der Tiere entdeckt wird, müssen die Arbeiten sofort eingestellt werden. Zusammen mit dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde und dem Bauherrn wird dann nach einer Lösung gesucht, die beiden Seiten gerecht wird – den Tieren und dem Bauvorhaben.

Die „Industrialisierung der Landschaft“ (Beate Hager) durch Windräder schade den Fledermäusen. Laut einer Studie von Dr. Wolfgang Epple, vom Länder- und Fachbeirat für die Naturschutzinitiative, fallen den Stromerzeugern in ganz Deutschland jährlich rund 250000 Tiere zum Opfer. Die Expertin kommt ob dieser Zahl ins Grübeln, „macht es dann noch einen Sinn, eine Fledermaus per Hand aufzupäppeln?“ Sie hat aber gleich die Antwort für sich parat: „Lebewesen zu helfen, ist mein Antrieb.“

Die gebürtige Kirchbergerin kam 2001 in ihre Heimat zurück. Seither engagiert sie sich zusammen mit ihrem Mann ehrenamtlich im Naturschutz. Nach verschiedenen Weiterbildungen kam eines zum anderen und so entstand ihr „Auffanglager“ für Tiere und ein „kleiner Zoo“: Im und um das Haus leben Esel, Ziegen, Hunde, junge Dohlen und natürlich Feldermäuse. Flugunfähige Tiere, die nicht ausgewildert werden können, setzt Beate Hager für Kurse an Schulen oder bei Kinder- und Jugendgruppen ein. Die Jugendlichen sind beeindruckt von den kleinen Tieren mit den zarten Flughäuten. Sie können die Fledermäuse streicheln und mit Hilfe eines Detektors die Ultraschalllaute der Tiere hören. „Wichtig ist, dass wir die Toleranz für die Tiere fördern“, unterstreicht die Spezialistin. th

Eine Zweifarbfledermaus sondiert mit ihrem Ultraschall die Umgebung.
Warme Plätze werden als Sommerquartier genutzt.

Ähnliche Beiträge:

„Wer etwas kann, sollte es auch zeigen“

Redaktion

Nicht nur die vergessene Hefe

Redaktion

Wo ist der See geblieben?

Redaktion