Ebbes aus Hohenlohe

Zwei Herzen für Afrika

Langenburger Ehepaar unterstützt tatkräftig Dörfer in Tansania und Mosambik 

Hunger statt Schokoriegel. Feldarbeit statt Ballettunterricht. Lange Fußmärsche statt Elterntaxi. Wasserknappheit statt Limonade. Der Kampf ums tägliche Brot ist für die Kinder in Mosambik und Tansania Alltag. Das sehen Monika und Rudolf Dittrich regelmäßig mit eigenen Augen. Die Pächter des Langenburger Schlosscafés reisen bis zu zweimal pro Jahr nach Tansania und Mosambik. Sie unterstützen die Menschen mit Hilfsgütern und ihrer Hände Arbeit.
Zehn Jahre liegt es zurück, dass Sohn Adrian in Tansania ein freiwilliges soziales Jahr absolvierte. Die Eltern besuchten ihn und kehren seither immer wieder zurück in die bitterarme Region im Osten Afrikas. Ihren Urlaub verbinden sie mit einem Herzensanliegen: Sie wollen aktiv dazu beitragen, die Not zu lindern. Vor Ort kaufen Monika (60) und Rudolf Dittrich (61) Lebensmittel, organisieren dringend benötigte Waren und verteilen Mitgebrachtes. Bäckermeister Rudolf Dittrich erledigt handwerkliche Arbeiten und backt mit den Menschen. Monika Dittrich hilft wo sie kann, schenkt den Kindern Zuwendung und die heiß begehrten Lollis. Zurück bekommt sie grenzenlose Freude. „Das ist für mich das Höchste der Gefühle“, beschreibt die Langenburgerin. Allein die Reise nach Tansania dauert vier Tage: Von Nürnberg fliegen die Dittrichs über Zürich und Nairobi nach Daressalam. Dann geht’s 650 Kilometer mit dem Bus in südliche Richtung.
Fixstern ist für sie der Münsterschwarzacher Benediktiner-Pater Witmar Metzger (88), ein Großonkel von Monika Dittrich, der seit 1959 als Missionar in Afrika tätig ist. Er führte sie auch nach Mosambik, wo die Zustände noch viel schlimmer sind als in Tansania. Es zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) liegt es auf Platz 181 von 188, Tansania befindet sich auf Rang 151. Zum Vergleich: Deutschland ist Nummer vier.
Bei einem mosambikanischen Benediktinerinnen-Orden lernten die Dittrichs Jacob* kennen. Nachbarn hatten den damals Zwölfjährigen abgegeben, mit der Aussage: „Entweder Ihr nehmt ihn oder wir bringen ihn um.“ Er habe niemanden und sei übrig. Bei den Schwestern fand Jacob ein Zuhause. „Dieser Bub trägt immer ein Lachen im Gesicht“, erzählt Monika Dittrich.
In Tansania leben sie in einem Ferienhaus der Kongregation der Schwestern des Erlösers, die sie dank Pater Witmar trafen. Die Würzburger Ordensgemeinschaft kümmert sich in Dörfern wie Mtwara um Arme und Kranke. Monika und Rudolf Dittrich pflegen mit den Erlöserschwestern einen engen Kontakt. Sie freuen sich über jedwede Unterstützung aus der Heimat, zum Beispiel durch Firmen und Privatpersonen. Zwei Ärzte stellten ausgediente, aber funktionsfähige Ultraschallgeräte zur Verfügung. Es gelang dem Ehepaar, eine Partnerschaft zwischen der Katholischen Kirchengemeinde St.Josef in Langenburg und den Erlöserschwestern zu vermitteln. So konnte in einer leerstehenden Kirche im Dorf Chihangu ein Kindergarten eröffnet werden. Dort erhalten Drei- bis Siebenjährige eine regelmäßige Mahlzeit. Monika Dittrich besucht Einrichtungen wie ihn regelmäßig, bringt Essenszutaten vorbei, spielt mit den Kindern und tanzt mit ihnen im Kreis. Auf dem Laptop zeigt sie ein Video: Kinder sitzen auf dem Boden, strahlen über das ganze Gesicht und klatschen das englische Alphabet: „Ei – bi – si – di…“. Offizielle Sprache ist in Tansania Suaheli.  Früher brachte Monika Dittrich Afrika nur mit grauer, staubiger Wüste in Verbindung. Heute schätzt sie die Vielfalt der tansanischen Landschaft. Nach der Regenzeit grünt und blüht es überall. Trotzdem herrscht Mangel an sauberem Trinkwasser. Die Wassermassen versickern im Boden. „Es werden viel mehr Zisternen gebraucht“, meint Rudolf Dittrich. Drängende Probleme sind außerdem Aids, Unterernährung und mangelnde Gesundheitsversorgung.
Wenn Dittrichs nach Langenburg zurückkehren, sehen sie viele Dinge lockerer und wundern sich über die Sorgen in Deutschland. Dieser Zustand hält an, bis der Alltag wieder seinen Tribut fordert. Doch die Menschen in Tansania sind immer in ihren Herzen. sab

Wer das Engagement des Ehepaars Dittrich und der Erlöserschwestern im Dorf Mtwara unterstützen möchte, kann sich unter Telefon: 07905/251 (abends ab 18 Uhr) informieren. 

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