Ebbes aus Hohenlohe

Ein sicheres Winterplätzchen

Wie ein neonfarbener Hubschrauber kommt sie angesurrt, verharrt kurz über dem Teich und landet dann gezielt am Ufer. Die eindrucksvolle Mosaikjungfer, eine an Gartenteichen häufige Libellenart, sucht an warmen Herbsttagen noch einen Platz für die Eiablage. Im Oktober geht die aktive Insektenzeit zu Ende – doch auch wenn wir sie nicht mehr sehen, sie sind noch da und finden selbst in kleinsten Gärten ihren Platz, wenn man sie lässt. Ein sicheres Winterquartier ist jetzt entscheidend, damit im nächsten Jahr die neue Generation an Libellen, Schmetterlingen, Schwebfliegen und Hummeln schlüpfen kann. Der NABU verrät, worauf Insektenfreundinnen und -freunde achten können.

Nicht zu sehen und doch da
Insekten überwintern als Ei, Larve oder Puppe, als erwachsenes Tier geschützt in Spalten und Löchern, unter Laubhaufen oder im Schuppen, in Kellern und auf Dachböden. Bei den staatenbildenden Wespen stärken sich die überwinternden Königinnen im Herbst mit Nektar und Pollen. Sie überwintern, gut versteckt, in Ritzen, Totholz, Laub oder im Boden, während ihr Nest verwaist und die Arbeiterinnen absterben. Auch die Hummelköniginnen suchen jetzt ein frostfreies Winterquartier auf und nutzen gerne dazu Mäusenester. Die Blauschwarze Holzbiene als unsere größte Wildbienenart überwintert etwa in Baumhöhlen oder Mauerspalten. Mit den Luftsprüngen der Heuschrecken ist es bald vorbei. Wie viele andere Insekten sterben sie mit den ersten Frösten im Jahr. Die nächste Generation überwintert meist als Ei. Ausnahmen bilden Grillen und Dornschrecken, die als Larven oder erwachsenes Tiere aufs nächste Frühjahr warten. Die mit dem Klimawandel bei uns zunehmend häufige Gottesanbeterin überwintert als Embryo mit bis zu hundert weiteren Genossinnen in einem Oothek genannten Schaumgelege.

Winzig klein, kugelig oder tropfenförmig – die Eier der heimischen Schmetterlinge sind ohne Lupe schwer zu entdecken. Vor dem Winter heften einige Arten, darunter viele Zipfelfalter, ihre winzigen Eier an Blätter und Stängel ihrer Futterpflanze an. Schlüpft die neue Generation im Frühjahr, kann sie sich gleich „Speck“ anfressen und wachsen. Andere Schmetterlinge überwintern als Puppe an Pflanzenstängeln, wie der Schwalbenschwanz und der Aurorafalter.

Mehr wilde Stängel über den Winter stehen lassen
„Viele Insekten sind gefährdet, weil ihr Weg vom Ei zum fertig entwickelten Tier an einer oder mehreren Stellen gestört ist“, sagt NABU-Insektenexperte Martin Klatt. Dass es auch anders geht, zeigen viele Menschen, die ihre Gärten naturnah gestalten und heimische Wildpflanzen stehen lassen. „Was blüht, darf bei mir bleiben – außer es ist eine wuchernde, invasive Art“, lautet Klatts Gartenregel, die Insekten direkt unterstützt.

„Wer Tieren seinen Garten zum Überwintern anbietet, sollte vielfältige Strukturen erhalten, anstatt mit schwäbischer Gründlichkeit im Herbst alles aufzuräumen und kurz und klein zu schneiden“, sagt Aniela Arnold, Naturgartenfachfrau beim NABU Baden-Württemberg. Sie rät dazu, Reisig- und Totholzhaufen anzulegen, Laub unter Bäume und Sträucher zu fegen, etwas Fallobst liegen zu lassen und abgeblühte Stauden nicht abzuschneiden, damit Insekten in ihrem Inneren oder draußen angeheftet überwintern können. Am besten lässt man verblühte Pflanzenstängel bis zum Frühjahr stehen. Verholzende Stängel, etwa von Brombeere oder Holunder, dienen ebenso wie Heckenrosen, Karden oder Disteln als Wildbienen-Winterquartier. Die abgestorbenen Pflanzenteile müssen mindestens bis zum nächsten Frühjahr stehen bleiben. Wilde Ecken mit Brennnesseln und anderen Pflanzen sind für einige Schmetterlinge wichtig: Von den Blättern ernähren sich im Sommer zum Beispiel die Raupen von Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral. Im Winter dienen sie als Überwinterungsort für Schmetterlingspuppen und andere Insekten.

Das Leben im Boden schützen
Die meisten solitär lebenden Wildbienenarten legen ihre Eier an geeigneten Stellen im Boden ab. Dazu zählen Sand-, Furchen-, Schmal- oder Seidenbienen. In unterirdische Gänge legen sie einzelne Zellen als „Kinderzimmer“ an. Darin lagern sie Pollen und Nektar als Proviant für die Larven ein. Das Bodennest wird dann verschlossen und sich selbst überlassen. Die Larven entwickeln sich nach der Eiablage, häuten sich mehrfach und verpuppen sich später in der Zelle. Über den Winter bleibt die Puppe bei vielen Arten fast unverändert und schlüpft im Frühjahr als Jungbiene. „Machen Sie das Experiment: Lassen Sie ein Stückchen Boden unbearbeitet – und lassen Sie Wildbienen wachsen“, rät Martin Klatt. pm

Foto: Nabu/Stefan Bosch

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