Gegenseitig achten und respektieren

Pfadfinder erleben gemeinsam Natur und die Gemeinschaft

Draußen leben, am Lagerfeuer kochen und im Zelt schlafen, so verbringen Pfadfinder ihre Ferien. In Gerabronn gibt es seit 30 Jahren den Stamm „Israel Landauer“, benannt nach dem jüdischen Ehrenbürger der Stadt.
„Wir möchten, dass die Kinder mit offenen Augen durch die Welt gehen“, erklärt Oliver Frey (18 Jahre), einer der Gerabronner Gruppenleiter, die Idee hinter den Pfadfindern. Seine Kollegin Melanie Hollenbach (27) ergänzt: „Sie sollen sich selbst, die Mitmenschen, die Natur und Gott achten.“ Denn bei den Pfadfindern geht es nicht nur um Zelten und Lagerfeuerromatik, sondern die Pfadfinder sind Teil der Jugendarbeit der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gerabronn.

Oliver Frey und Melanie Hollenbach

Die Gruppenstunden jeden Freitagnachmittag beginnen mit einer gemeinsamen Begrüßung, einem biblischen Vers und einem Lied und dann geht es los: Bei einem Mix aus Quiz, Geländespielen, bei denen sich die 6 bis 14-Jährigen in ihren Sippen „auspowern“ (Oliver Frey) können und dem Erlernen von Pfadiwissen werden die individuellen Fähigkeiten gefördert. „Über allem steht der gegenseitige Respekt der zwischenzeitlich fast 40 Kinder und Jugendlichen“, betont Melanie Hollenbach. So geht es beispielsweise um Unterschiede zwischen einer Kothe (ein Zelt für vier Personen) sowie einer Jurte für 10 bis 15 Personen und wie man die Zelte aufbaut. Am beliebtesten sind die Kochaktionen, bei denen die Kinder und Jugendlichen zusammen schnippeln, rühren und schließlich essen.
Höhepunkte im Jahr sind das Pfingstlager zusammen mit anderen Stämmen aus der Gegend und die Waldweihnacht als Jahresabschluss. Bei einem Lager leben die Kinder und Jugendlichen mehrere Tage gemeinsam in ihren Zelten in der freien Natur – inklusive Dreck und Nässe, die elektronischen Geräte bleiben dabei zu Hause. Die fünf Tage stehen unter einem gemeinsamen Motto mit allerlei Aktionen: So gibt es Geländespiele, Workshops zur Ersten Hilfe, Natur, Feuer machen, Zeltbau oder den bekannten Knoten. Bei Kooperationsaktionen lernen die „Sipplinge“, dass sie sich aufeinander verlassen können. Ziel ist es immer, gemeinsam als Team etwas zu erreichen. Die Waldweihnacht ist der Jahresabschluss mit den Eltern. Dabei werden die Sipplinge in die nächsthöhere Stufe aufgenommen.
1988 gründeten der damalige Pfarrer Fritz-Gert Mayer und Michael Weidner den Gerabronner Stamm. Ab 2008 sind die Aktivitäten aus Personalmangel etwas eingeschlafen, bis der aktuelle Pfarrer Simon Englert 2013 beim Einzug ins Pfarrhaus den Materialraum der Pfadfinder im Keller entdeckte und den Stamm an Pfingsten 2014 mithilfe der ehemaligen Jungpfadfinder wiederbelebte. In kleinen Gruppen mit maximal zehn Leuten lernen die Sipplinge, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dabei wird ihnen nichts vorgekaut, sondern sie müssen es selbst erfahren. Die Gemeinschaft wird großgeschrieben und das gemeinsame Erleben.
Derzeit leiten fünf Erwachsene die Gruppenstunden, wobei die „Größeren“ schon bei den „Kleineren“ aktiv sind. Der Gerabronner Stamm „Israel Landauer“ (Mitglied im Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, VCP) soll weiterwachsen, so das Ziel von Melanie Hollenbach und Oliver Frey. Dafür werden weiterhin Mitarbeiter und natürlich auch Nachwuchs gesucht. Dann können auch größere Wanderungen gemacht, Landes-, Bundes- und Weltlager besucht werden. Die Basis ist gelegt, seit die Volksbank Hohenlohe ein Zelt gespendet hat und jetzt alle Gerabronner Pfadfinder gemeinsam unterwegs sein und übernachten können. th

 

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