Rückzugsgebiet für seltene Vögel

Ehrenamtlicher engagiert sich für Naturschutzgebiet

Seit sieben Jahren verwirklichen Behörden, Verbände, lokale Landwirte sowie weitere Akteure zwischen Hengstfeld und dem Schleehardshof verschiedene Maßnahmen für den Schutz von Feldvögeln. Davon, dass hier einmal ein heftiger Streit um einen geplanten Windpark tobte, zwitschern heute nur noch die gefiederten Bewohner.

Weil es Menschen wie Gerhard Waldmann gibt, liegt auf der Wiesen- und Ackerlandschaft von Wallhausen bis Satteldorf heuer ein Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Als dort im Jahr 2001 ein „Ökologiepark“ geplant war, hatte der Hobby-Naturfotograf längst mit seinen Aufzeichnungen begonnen und sämtliche Vögel bestimmt, gezählt und schriftlich festgehalten. „Insgesamt konnte ich damals 35 Vogelarten nachweisen, wovon nach der Roten Liste 27 Arten gefährdet und sogar neun Gattungen vom Aussterben bedroht waren“, erzählt Waldmann, dessen Beobachtungen das Land Baden-Württemberg dazu veranlassten, das Gebiet genauer zu untersuchen.
Seit nunmehr sieben Jahren werden auf einer rund
540 Hektar großen Fläche schützende Maßnahmen für Feldvögel durchgeführt. Da intensives Bewirtschaften und Trockenlegen von Feuchtgebieten Hauptursachen für den Vogelschwund sind, setzt das Projekt hier an. So wurde für den selten gewordenen Kiebitz eine Art „Insel“ errichtet. Zur Abwehr von Füchsen, Mardern und anderen Feinden sind die angelegten Wassermulden umzäunt, damit der Zugvogel auf seiner Reise im Frühjahr in Ruhe seine spektakulären Balzflüge gaukeln kann und dann hoffentlich wieder einmal brütet – das letzte Mal war das im Jahr 2006.
Für die Wiederansiedlung der gefährdeten gefiederten Tiere arbeiten Landwirte, Behörden und der Landschaftserhaltungsverband eng zusammen. Aktuell geht es darum, im Rahmen der „Greeningverpflichtungen“ mehrjährige Blühmischungen auf die Äcker zu bringen, damit sich die Bodenbrüter darin verstecken können und Nahrung finden. „Wir kooperieren derzeit mit sechs Bewirtschaftern. Sie bekommen einen finanziellen Ausgleich dafür, dass sie anstatt Kulturen blütenreiche Pflanzen auf einigen Ackerflächen anbauen. Auf den zur Staunässe neigenden Standorten sind die Blühmischungen für sie eine interessante Alternative und zudem mit wenig Arbeit verbunden“, weiß Benjamin Waldmann vom Regierungspräsidium Stuttgart. Dass sich nun ausgerechnet Gerhard Waldmanns Sohn von Amts wegen um Naturschutz und Landschaftspflege kümmert, ist wohl kein Zufall. Dass er das Gebiet in seiner Heimat Hohenlohe betreut, glückliche Fügung. „Mein Vater hat mich schon im Kinderwagen auf seine Ausflüge mitgenommen. Er hatte immer einen Fotoapparat und ein Fernglas dabei. Als ich mit vier Jahren meinen ersten Eisvogel aus nächster Nähe sah, war es um mich geschehen“, erinnert sich der 40-Jährige. Wie Gerhard Waldmann hat sich der Junior hobbymäßig der Naturfotografie verschrieben und verbringt mindestens ebenso viel Zeit im Freien. Der Senior ist sicher: „Jeder gewissenhafte Naturfotograf wird früher oder später Naturschützer. Man bekommt mit, wie die Artenvielfalt abnimmt, die Motive weniger werden. Schmetterlinge zum Beispiel gab es dieses Jahr kaum.“
Der vom Landratsamt Schwäbisch Hall bestellte, ehrenamtliche Naturschutzwart hat bereits über 150 Vorträge in der Region gehalten – früher mit Diaprojektor, heute als digitale Beamer-Schau. Wenn Gerhard Waldmann seine Naturfotos zeigt, sind die Betrachter hochbegeistert. „Wo hast du denn diesen Prachtvogel gesehen?“, heißt es da. „Na, hier vor Ort. Leute, ihr müsst raus in die Natur. Müsst die Augen aufmachen. Das schönste Schauspiel ist bei euch vor der Haustür.“ Beim Vogelschutzgebiet „Hohenloher Ebene östlich von Wallhausen“, so der offizielle Name, sind Fußgänger oder Radfahrer kaum eingeschränkt. Wege und Straßen verbinden die Flächen. „Man kann prima spazieren gehen und dem Vogelkonzert lauschen. Vor allem zur Zugzeit sieht man dort die Gaukler der Lüfte genannten Kiebitze mit ihrem Kopfschmuck, wie sie auf Äckern rasten und nach Nahrung suchen“, erklärt Gerhard Waldmann. Für ihn ist keine Witterung Grund, zu Hause zu bleiben. Obwohl er sich nicht einmal bis zum Schutzgebiet bewegen müsste, um prächtige Federkleider zu sehen. „Ich habe bereits 72 Vogelarten bei mir im Garten und den angrenzenden Streuobstflächen gezählt“, sagt der Naturfreund begeistert. Um sein Heim windet sich ein kleiner Grüngürtel mit Teich, naturnaher Wiese und Bäumen. Jeder könne selbst kleine Flächen für Insekten und Vögel gestalten. Ein Futterhäuschen und Blumen, das gehe auch auf dem Balkon. Bald kommt Sohn Benjamin in die Heimat. Dann legt sich das Duo sicher wieder auf die Pirsch, den Fotoapparat im Anschlag. Darauf freut sich Gerhard Waldmann schon heute. ela

Info: Einer Studie zufolge ist weltweit jede achte Vogelart vom Aussterben bedroht, weil deren Lebensräume verloren gehen. Darum dient das ausgewiesene Vogelschutzgebiet „Hohenloher Ebene östlich von Wallhausen“ Zugvögeln als Rast- und Nahrungsplatz und bietet den besonders gefährdeten Feldvögeln wie Feldlerche, Wachtel, Wachtelkönig und Kiebitz (Bild) sowie Neuntöter und Raubwürger einen Lebensraum. Der Verlust einer einzigen Art hat für den Menschen fatale Auswirkungen, wie etwa eine Insektenplage.

Benjamin Waldmann

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